Berichte

ProSieben und Nachhaltigkeit? Eine dreiste Lüge!

  • Wir erinnern uns an den Mai dieses Jahres zurück. Unter dem Motto „green is beautiful“ startet ProSieben in die GreenSeven week 2013. Galileo berichtet unter anderem über Tipps zum urban gardening oder dem Energie sparen. Daneben laufen viele weitere schöne Dokumentationen zum Thema Nachhaltigkeit, Erneuerbare Energien oder Klimawandel.

    Der Sender hat die Umwelt-Problematik verstanden, so sollte man meinen. Wieso dies meiner Meinung nach nicht der Fall ist, werde ich an zwei Beispielen illustrieren.

    Wer kennt sie nicht: Joko und Klaas. Sie sind „die Fernsehtitanen unserer Generation“. Einst bei MTV gewesen, dann ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zu ZDFneo gewechselt und nun bei ProSieben. Die diesjährig‘, angelaufene Sendung Circus HalliGalli hat sich schon seit der ersten Ausstrahlung als billige Kopie ehemaliger Sendungen erwiesen. Neben Werbung, gezeigten Aufnahmen, Musik und Gästen bleibt kaum mehr Zeit für das Herzstück der beiden Moderatoren: witzige Wortgefechte.

    Als sei dies nicht genug, konnte man letzte Woche Zeuge eines neuen Formates werden. Angelehnt an „das perfekte Promi-Dinner“ vom Sender VOX haben Joko und Klass „das perfekte Würfel-Dinner“ erfunden und ließen sich dabei von den Studiogästen gebührend feiern.
    Aufgabe des Spiels ist es natürlich das leckerste Essen zu kochen und von den zwei Prominenten die beste Bewertung zu bekommen. Einziges Problem: Die Zutaten müssen gewürfelt werden.

    Zwei daraus entstandene Kreationen seien hierbei genannt:
    Supé Umpalumpei“, eine Vorspeise aus Sol-Eiern, Wurst-Wasser und süßem Joghurt sowie
    Tête de Vera Int-Veen“, einer Hauptspeise aus Schweinskopf-Sülze, Harzer Käse und Lakritzschnecken

    Joko und Klass präsentieren sich ganz stolz mit ihren ungenießbaren Gerichten

    Das nicht nur das Format völlig schwachsinnig ist, zeigen auch die verbalen Beiträge der Prominenten: „Das ist die Scheiße, die meine Oma jede Nacht serviert hat.

    Wer sich die Sendung ansieht, dem wird sofort auffallen, wie rücksichtslos die beiden Moderatoren mit Lebensmitteln umgehen. Es wird danebengekippt oder der Mixer ohne Deckel benutzt. Das Publikum, welches vor allem aus vielen post-pubertierenden Kindern besteht, wird suggeriert, wie verschwenderisch wir doch mit unseren Essen umgehen können. Weggekippt, ausgekotzt oder erst garnicht probieren ist Programm. Hauptsache es läuft getrost nach dem Motto: „Blöd, aber lustig“.



    Wie dramatisch es aber eigentlich um Lebensmittel, gerade in Entwicklungsländern, steht (z.B. überteuerte Agrarprodukte oder Spekulationen auf Lebensmittel) und was man dagegen tun kann (bei uns z.B. foodsharing) sind Begriffe die bei dem Sender plötzlich einfach keine Rolle mehr spielen.

    Dass dies bei ProSieben kein Einzelfall ist, zeigt auch die Sendung „Elton zockt“.
    In einer Live Sendung treten verschiedene Kandidaten, die sich vorher qualifiziert haben, gegeneinander an um ein Preisgeld von 100.000€ zu gewinnen.

    Jedoch kann man nicht einfach so an der Sendung teilnehmen, man braucht nämlich einen „Einsatz“. Diesen Einsatz sollen zwei private Gegenstände darstellen. Einerseits ein materieller der bestmöglich viel Wert sein soll (Fernseher, Auto) und ein immaterieller an dem Erinnerungen (Brautkleid, das erste Babyhaar von dem Sohn/ der Tochter) hängen.

    Die Kandidaten treten nun gegeneinander an. Nach jeder Challenge wird das Eigentum des Verlierers gnadenlos zerstört. Diese Tat führt jedoch nicht der Moderator Elton aus, sondern der sogenannte „Vollstrecker“, der wohl dabei sogar noch Spaß hat.

    Neue Fernseher mit Spikes zerstören oder Autos in die Luft sprengen - für ProSieben ok

    Die Duelle gehen solange weiter, bis nur ein Kandidat übrig bleibt. Dieser darf nun gegen den Moderator antreten. Da Moderator Elton selbst keine privaten Gegenstände zum Verschrotten stellt, besteht bei einer Niederlage sein Einsatz darin, dass er sich das so schon sehr kurze Haar zu einer Glatze rasiert.

    Moderator Elton freut sich schon aufs Schuhe anzünden

    Nachhaltigkeit? Fehlanzeige! Dem Zuschauer wird gezeigt, wie hemmungslos man mit fremden Eigentum umgehen kann. Autos, Eheringe, signierte Fußball-Trikots werden den Kandidaten weggenommen und kaputt gemacht, verschrottet oder angezündet. Dabei werden katastrophale Werte vermittelt. Dass man seine Sachen pflegt, repariert, recycelt und darauf achtet einen geringen Fußabdruck zu hinterlassen, scheint dem Sender bei der Ausstrahlung egal zu sein. Anstatt den Gewinn einem wohltätigen Zweck zugutekommen zu lassen, hat man sich gezielt für die destruktive Variante entschieden.

    Wie bedeutend die Rolle von ProSieben im Fernsehen ist, zeigen die Zahlen. Am stärksten ist ProSieben im Bereich der 14- bis 29-jährigen Zuschauer, mit durchschnittlichen Marktanteilen von bis zu 18 Prozent. Diese Verantwortung ist ProSieben scheinbar nicht bewusst, was zählt sind die Einschaltquoten, andernfalls würden sie ihr Programm ändern. So sehr ich die greenSeven week auch mag, empfinde ich es nun als größte Heuchelei und gebrochenes Versprechen sich neben dem normalen affigen Programm ebenfalls dem Umweltthema zu widmen. Mit solchen Sendungen wird gezielt die Volksverdummung vorangerieben und nachhaltig ein umweltbewussterer Alltag blockiert. Schade ProSieben, ich habe doch mehr erwartet.

Kommentare

27 Kommentare
  • Niiura
    Niiura Guter Bericht (musste auch echt mal gesagt werden!), aber du hast Galileo vergessen ;D
    9. Dezember 2013
  • Bjarnemika
    Bjarnemika Einige der Fakten sind meiner Meinung nach etwas übertrieben...
    Allerdings ist Galileo wissensfördernt das hast du nicht erwähnt
    11. Dezember 2013
  • Julianne
    Julianne Echt guter Artikel!
    Danke dafür!
    Die green Seven week kenne ich zwar, aber von der Show mit Elton, in der Wertgegenstände verschrottet werden, habe ich echt noch nie gehört! Gut so!
    13. Dezember 2013
  • LilianA
    LilianA Der Bericht ist ein bisschen Schwarzmalerei, aber an sich stimme ich dir zu!
    13. April 2014