Berichte

Geheime Kleiderverstecke und akrobatische Glanzleistungen - Die Trashbusters-Aktion in Frankfurt

  • Eine stark befahrene mehrspurige Straße in Frankfurt. Theodor-Heuss-Allee verkündet das Straßenschild. Wir müssen also richtig sein. Und da ist auch der Mittelstreifen, von dem unser Ansprechpartner beim Grünflächenamt gesprochen hat. Dort war man ganz begeistert von unserer Müllsammelaktion. Eigentlich hatte ich nach einer Genehmigung dafür gefragt, im Rahmen der Trashbusters-Aktion in der Taunusanlage Müll sammeln zu dürfen, aber das Grünflächenamt hatte bessere Ideen für uns.



    Und so landeten wir eben auf dem etwa sechs Meter breiten grünen Mittelstreifen der Theodor-Heuss-Allee, ausgerüstet mit Müllsäcken und Handschuhen. Obwohl so viele am Anfang verkündet hatten, mitmachen zu wollen und Zeit zu haben, sind wir leider nur zu viert, Clara, Martin, Luisa und ich. Dennoch sagen wir dem Müll mutig den Kampf an, während die Autos zischend an uns vorbeirasen. Ein bisschen mulmig ist mir schon dabei, wenn ich mich vorbeuge, um mit meinen viel zu großen Handschuhen Zigarettenstummel aus der Rinne zwischen Bordstein und Straße zu fischen und die Autos gefühlt nur ein paar Zentimeter an mir vorbeischießen. Ich habe extra meine knallpinke Regenjacke an, um hier an der großen Straße aufzufallen. Manchmal müssen die Autos auch anhalten, weil weiter vorne eine Ampel rot wird. Dann glotzen die Leute blöd zu uns rüber. Ich frage mich, was sie denken, wenn sie uns so beim Müllsammeln zuschauen. Wahrscheinlich, dass wir Jugendliche sind, die Sozialstunden leisten. Dabei machen wir das doch freiwillig. Weil wir nicht in einer zugemüllten Welt leben wollen. Und was da so an Müll rumliegt, ist schon beachtlich. Süßigkeitenverpackungen, Papierschnipsel, Plastiktüten, Styroporstückchen. Und überall Zigarettenstummel. Ich glaube, von nichts sonst finden wir so viel. Dabei verschmutzt ein einziger Zigarettenstummel bei Regen allein schon mehrere Liter Wasser. Vielleicht sollte man auf die Zigarettenpackungen nicht nur Hinweise zum Schutz der Gesundheit drucken, sondern auch zum Schutz der Umwelt. "Weggeworfene Zigarettenkippen verseuchen das Grundwasser", zum Beispiel. Und am besten auch, dass die Verpackung ebenfalls in den Mülleimer gehört, leere Zigarettenschachteln finden wir nämlich auch zu Genüge. Auch ein paar kuriosere Gegenstände wandern in unseren Müllsack. So findet Clara eine Zahnpastatube. Wer putzt sich denn auf dem Mittelstreifen einer stark befahrenen Straße mitten in der Stadt die Zähne? Martin entdeckt einen Gürtel, ich eine Radkappe und Clara stößt auf den Hauptgewinn: Fünf Euro. Die stecken wir allerdings in den Geldbeutel statt in den Sack.



    Nach etwa einer Stunde haben wir den kompletten Mittelstreifen aufgeräumt
    . Stolze neun Kilo Müll haben wir dabei zusammengetragen. Zeit für ein Gruppenfoto (auf dem nur 3/4 der Gruppe zu sehen sind) und einen kleinen Snack (zumindest in meinem Fall), bevor wir uns auf den Weg zur zweiten vom Grünflächenamt empfohlenen Örtlichkeit, der Senckenberg-Anlage machen. Auf dem Weg dorthin finden wir noch ein riesiges Stück Folie, das sich in einem Gebüsch verfangen hat. Unter den wachsamen Augen eines Riesendinosauriers im Eintracht-Trikot setzen wir unseren Feldzug gegen den Müll fort.



     
    Von rasenden Autos droht uns hier in der Anlage keine Gefahr mehr. Dafür kommen Spaziergänger vorbei, die uns entweder ignorieren oder genauso seltsam anschauen wie die Autofahrer. Keiner spricht uns an, während wir den Park Schnipsel für Schnipsel, Tüte für Tüte, Flasche für Flasche entmüllen. Ich habe gerade etwas abseits eine Hand voll Plastikmüll und eine alte Spritze gefunden und will sie zu unserem Müllsack bringen, als ich die anderen um ein Gebüsch versammelt finde. Dort liegt tatsächlich ein ganzer Sack alter Kleider. Er ist aufgerissen und die Pullover und Hosen liegen nass im Dreck. Wir sind unentschlossen. Die Sachen sind schmutzig, aber sind sie deshalb Müll? Einiges könnte man sicher noch anziehen, wenn es gewaschen würde, aber so kann man die Kleidungsstücke nicht bei der Kleidersammlung abgeben. Wir alle haben recht weite Anfahrtswege gehabt, keiner kann einen großen schweren Sack Klamotten in der Bahn mit nach Hause schleppen, um den Kram zu waschen. Dann fragen wir uns auch, ob die Sachen nicht wem gehören. Wir wollen schließlich nicht das Kleiderlager eines Obdachlosen plündern. Da die Kleider allerdings aussehen, als würden sie schon recht lange hier liegen, entschließen wir uns doch, sie in einen extra Sack zu packen. Falls sie wem gehören, hat derjenige noch Zeit, sie wieder an sich zu nehmen, bis das Grünflächenamt unseren Müll abholt.



    Wir deponieren den Kleidersack (15 Kilo) und den Sack mit den restlichen vier Kilo Müll, die wir gefunden haben, in der Nähe des ehemaligen Kleiderverstecks und machen uns auf zu unserer letzten Station, der Friedrich-Ebert-Anlage. Hier machen wir eine neue Kleiderentdeckung: Aus einem Gebüsch zieht Martin zunächst einen Zalando-Karton -und kurz darauf das zugehörige Paar Schuhe. Hat wohl nicht ganz hingehauen mit dem Schrei vor Glück. Die Schuhe sehen eigentlich noch recht neu aus, aber dem Innenfutter sind Schmutz und Nässe nicht so gut bekommen. Also stopfen wir sie zu alten Glasflaschen und Plastiktüten, obwohl sie nicht so recht wie Müll erscheinen. 


     
    Wie zuvor ignorieren uns die Menschen, während sich der Müllsack in meiner Hand immer weiter füllt. Plötzlich stehen wir vor einer ganz neuen Herausforderung: Eine Plastiktüte hat sich in einem Baum verfangen und dort hängt sie nun über unseren Köpfen wie ein Drachen nach einer Bruchlandung. Am Baum rütteln oder Versuche, den Ast nach unten zu biegen, bleiben erfolglos. Wir haben uns aber in den Kopf gesetzt, den Baum zu befreien. Neuer Schlachtplan: Ich bin die Leichteste, Martin der Größte, also muss ich auf seine Schultern klettern. Leider bin ich immer noch nicht groß genug, um die Tüte zu erreichen. Ich greife nach dem Ast. Das Ganze ist eine ziemlich wackelige Angelegenheit. Ich strecke mich, so weit ich kann, unter mir schwankt Martin und schließlich bekomme ich die Übeltäterin zu fassen und kann sie aus dem Baum reißen und triumphierend in den Müllsack stecken. Dieser wiegt erneut vier Kilo, als wir auch unsere letzte Station komplett entmüllt haben.


    Als ich erschöpft und durchgefroren die Heimreise antrete, muss ich zwar immer noch den Kopf darüber schütteln, wie Menschen all die Dinge, die wir gefunden haben, einfach in die Landschaft werfen, habe aber hauptsächlich ein gutes Gefühl. Das Gefühl, wenigstens einen winzigen Beitrag dazu geleistet zu haben, unsere Welt ein bisschen sauberer zu gestalten. Ganze 32 Kilo Müll haben wir gesammelt. Und es macht mich sowohl stolz, als auch traurig.
     

    Heute, drei Tage nach unserer Aktion, habe ich eine E-Mail vom Grünflächenamt bekommen. Unser Ansprechpartner dort bedankt sich überschwänglich. Er schreibt außerdem: "Mit Ihrer Reinigungsaktion in den Grünanlagen nahe der Messe haben Sie einen Beitrag zu einer sauberen Stadt geleistet. Das sollte vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt, der Region, aber auch den vielen Besucherinnen und Besuchern der Stadt ein Vorbild sein und ein Zeichen, die Anlagen wert zu schätzen und nicht ständig wieder neu zu verunreinigen." Ich hoffe es wirklich sehr.

    Fotos: Clara Grunwald 
     

Kommentare

14 Kommentare
  • LaLoba
    LaLoba Super Aktion! Es ist echt erstaunlich, was manche Leute alles wegwerfen ...
    29. November 2013
  • vince
    vince Ja wirklich toll, dass ihr die Aktion gemacht habt!
    Zum Teil sehr ernst, aber auch lustig geschrieben!
    Wäre gut wenn aus dem Video was wird! Dann schön bei YouTube hochladen damit das publik wird! Für die die das noch nicht in echt mitbekommen haben.
    30. November 2013
  • ClaraG
  • Celine2Grad
    Celine2Grad Super Aktion wirklich! Und danke :) Ich bin auch oft in Frankfurt unterwegs und finde es furchtbar, überall den Müll herumliegen zu sehen.
    Ich denke nur gerade darüber nach, wie man das Ansehen solcher Aktionen noch ein wenig steigern kann....  mehr
    26. März 2014