Berichte

Wenn Tropfen nicht mehr reichen

  • Ein Kommentar des WWF-Klimabotschafters Johannes Barthelmeß zur UN-Klimakonferenz in Warschau 2013

    Es gibt da dieses Sprichwort. "Steter Tropfen höhlt den Stein". Die Botschaft lautet: Geduld und Durchhaltevermögen zahlen sich aus.
    Wer die UN-Klimakonferenzen der letzten Jahre verfolgt hat, könnte Gefallen an diesem Sprichwort finden. Keine Sorge, alles wird gut. Es dauert nur seine Zeit. Heile (Sprichwort-)Welt, also. Das beruhigt.

    Jahr für Jahr treffen sich Tausende Vertreter aus den etwa 200 Staaten dieser Erde, um in zweiwöchigen Verhandlungen den Klimaschutz voranzubringen. Die Medien bringen nach Abschluss der Konferenz ganz ähnliche Schlagzeilen wie im Jahr davor. Ein „Minimal-Kompromiss“, der „kleinste gemeinsame Nenner“ und „windelweiche Zusagen“ – viel mehr Abwechslung ist da nicht geboten. Da erstaunt es kaum, dass die Öffentlichkeit diese Meldungen kaum mehr wahrnimmt. Es tut sich nichts. Immer dasselbe, nicht der Rede wert. Für manche ist es überraschender, dass Weihnachten dieses Jahr am 24. Dezember gefeiert wird.

    Das Klein-Klein der Konferenzen wirkt einschläfernd. Ab und zu schickt uns Mutter Erde eine Hallo-Wach-Tablette wie zuletzt Taifun Haiyan, dann rückt kurz ins Bewusstsein, dass der Klimawandel schlimme Konsequenzen mit sich bringen könnte. Aber nach ein paar Tagen verschwinden die aufrüttelnden und erschütternden Bilder wieder aus der Tagesschau. Stattdessen hören wir jetzt wieder von Fragen die bei der diesjährigen Klimakonferenz offen geblieben und nun beim nächsten Mal geklärt werden sollen. Alles wie immer also, nicht aufregendes.

    Wer aber der Realität ins Auge blickt, sieht eine andere Welt. Der Klimawandel schreitet fort und es wird viel zu wenig getan. KEINE heile Welt also. Das IST beunruhigend. Das IST aufregend. Das IST der Rede wert. Und dagegen muss etwas getan werden. Solange wir die Nachricht vom De-facto-Scheitern der x-ten Klimakonferenz achselzuckend zur Kenntnis nehmen, wird sich nichts ändern. Es muss sich aber endlich was tun. Der stete Tropfen wird den riesigen Klimawandelbrocken nicht durchdringen. Da braucht es Druck. Von uns.

    Einen Überblick über die Ergebnisse aus Warschau bekommt ihr hier und da.

     

    Fotos: © J. Barthelmeß
    Das 2. Foto zeigt die Klima-Verhandlungen im polnischen Posen 2008.

Kommentare

7 Kommentare
  • Ronja96
    Ronja96 Du hast Recht. Ich stimme dir vollkommen zu, weil ich auch finde, dass etwas getan werden muss. Und da frage ich mich auch immer, ob die Politker nicht sehen oder nicht sehen wollen, was auf und mit der Welt passiert. Es muss jetzt gehandelt werden!
    26. November 2013
  • RichardParker
    RichardParker Man, dass ist echt deprimierend, man sollte meinen, dass es wenigstens diese Politiker verstanden haben... :(
    Aber danke für deine starken Worte!!! :)
    26. November 2013
  • Ivonne
    Ivonne Lieber Johannes, danke für diesen brilliant geschriebenen Bericht. Es ist so wie du schreibst: man weiß eigentlich gar nicht mehr, was man darüber noch schreiben soll, außer dass leider immer wieder nur dasselbe darüber schreiben kann.
    27. November 2013
  • Wasserjunge
    Wasserjunge Super Kommentar Johannes! :)
    Ist erschreckend wie wenig sich weltweite Mächte dazu äußern und danach zu streben die Welt, ein Stück besser zu machen…
    Empört euch!
    29. November 2013