Berichte

Die Affenplage

  • Mauritius - ein kleiner Inselstaat mitten im Indischen Ozean. Als hier vor über 400 Jahren die ersten Siedler ankamen, war die Welt noch in Ordnung. Das Eiland war nahezu vollständig mit Regenwald bedeckt und dieser war voller Leben. Mehr als die Hälfte der einheimischen Arten auf Mauritius war endemisch, kam also nur auf dieser Insel vor und nirgendwo sonst.
    Heute sieht die Welt leider nicht mehr so rosig aus. Jede zehnte Pflanzenart und fast jede zweite Tierart wurde ausgerottet, inzwischen wird Mauritius schon „die Insel der aussterbenden Arten“ genannt. Das liegt vor allem an der enormen Lebensraumzerstörung. Statt des Regenwaldes bedecken nun zumeist Zuckerrohplantagen die Vulkaninsel, denn die Nachfrage boomt. Ein weit größeres Problem als die Abholzung des Waldes stellen aber inzwischen die invasiven Arten dar, die über die Jahre hinweg entweder als „blinde Passagiere“ oder sogar absichtlich auf die Insel gebracht wurden. Dazu zählt ein aus Madagaskar mitgebrachtes Strelitziengewächs, welches die einheimischen Pflanzen überschattet und damit zerstört, eine fleischfressende ostafrikanische Riesenschnecke, welche sich hemmungslos an allen anderen Schneckenarten gütlich tut und die aus Indien mitgebrachten Langschwanzmakaken. Diese sind wohl mit Abstand die größte Plage, da die kleinen Affen auf Mauritius keine Feinde haben und sich sehr schnell vermehren. Sie machen sich über unreife Früchte her, sodass die Bäume sich kaum noch vermehren können und haben bereits 40 % der Orchideenarten ausgerottet, indem sie diese aus dem Boden reißen und auf ihnen herumkauen. Dadurch verursachen sie riesige Schäden am noch verbliebenen Wald. Was kann also getan werden, um die Affenplage einzudämmen? Nun, wie wäre es denn die Affen zu verkaufen?

    Genau das geschieht auf Mauritius. Die Langschwanzmakaken werden eingefangen und in große Lager gebracht, wo mit ihnen zu Exportzwecken gezüchtet wird. Das Land darf die Affen nicht direkt ins Ausland verkaufen, die Nachkommen aber schon. So werden pro Jahr bis zu 10.000 Tiere in alle Welt verschifft. Und wozu? Zu Forschungszwecken.
    Die meisten der Tiere gehen nach Nordamerika und Europa, wo ständig Nachschub benötigt wird. Die Affen kommen nicht nur von Mauritius, auch China ist ein großer Exporteur. Im Jahr 2012 wurden 1700 Affen bei uns in Deutschland „verwendet“, zu toxikologischen und medizinischen Test. Gut ein Viertel davon wurde direkt in Deutschland gezüchtet, der Rest importiert.
    Viele Umweltwissenschaftler auf Mauritius finden das System klasse, da sich so zum einen der Wald von der Plage erholen kann und andererseits andere Naturschutzprojekte finanziert werden, denn der Staat erhebt auf jeden exportierten Affen eine Gebühr, die direkt an den örtlichen Naturschutz geht. So fließen jedes Jahr eine Millionen Dollar in den Umweltschutz. Doch was ist mit den Affen selbst? Sie kommen aus der Freiheit und müssen auf einmal in Käfigen mit Betonböden leben. Sie werden gequält und ausgebeutet. Und die Unternehmen machen damit Millionenprofite, Unterstützung des Umweltschutzes hin oder her. So wurde der Widerstand gegen diese Art der Affenzucht jüngst immer lauter. Mauritius ist bei weitem nicht das einzige Land, was an dem Handel mit Affen profitiert.

    Natürlich, man muss auch die andere Seite verstehen. Die Affen sind und bleiben eine Plage und stellen eine große Gefahr für die einheimische Flora und Fauna dar. Viele der Verwalter von Schutzgebieten sind inzwischen so verzweifelt, dass sie selbst die Methode unterstützen. Aber dennoch, die kleinen Affen bleiben lebendige Wesen, die es sich sicherlich nicht ausgesucht haben Mauritius zu besiedeln. Sie wurden von Menschen eingeschleppt und es liegt in unserer Hand, das Problem auf eine andere Art und Weise zu lösen. Trotz der Tiere die gefangen werden bleiben auch so nämlich noch genügend Affen übrig, langfristig wird das Problem also nur aufgeschoben. Die Alternativen sind jedoch sehr idealistisch und ändern auch nichts an der Tatsache, dass unsere neuen Medikamente an irgendwem getestet werden müssen. Dennoch, Tierschützer schlagen vor die Tiere einzufangen und dann in ihrer ursprünglichen Heimat wieder auszusetzen. Das ist natürlich mit sehr viel Aufwand und Kosten verbunden und es springt kein Profit dabei heraus. Auf der anderen Seite könnte man aber immer sagen, dass jedes Äffchen, was nicht in einem Käfig sitzt, Lohn genug sein sollte.

     

    Quelle: ZEIT N° 46 S.42

    Bild: WWF

Kommentare

9 Kommentare
  • Makanie
    Makanie Und wenn man so viele Affen, wie nötig, einfach auf andere Inseln umsiedeln würde? Ginge das denn?!?
    13. November 2013
  • thinkgreen26
    thinkgreen26 Das ist echt schwierig. Aber die Frage ist, ob die Ökosysteme überhaupt noch zu retten sind... Sollte man die Affen kastrieren, dauert es zu lang bis sie natürlich gestorben sind, sie umzusiedeln (von den Kosten abgesehen) dauert auch seine...  mehr
    13. November 2013
  • SarahU
    SarahU An all dem ist leider wie so oft der Mensch schuld :/
    Durch ihn kamen die Affen auf die Insel und jetzt ist es echt ein großes Problem. ..
    Ich finde, die Tiere sollten nicht für Forschungszwecke benutzt werden... sie werden nur gequält
    Ums...  mehr
    14. November 2013
  • SarahU
    SarahU Interessanter Bericht!!! Ich habe davon voher noch nichts gewusst...
    Danke! :)
    14. November 2013