Berichte

Wale voller Plastik!

  • Vor der niederländischen Insel Tershelling strandete im Juli 2013 ein ca. 13,5 Meter langer, gewaltiger Pottwal. Bemühungen, das extrem geschwächte Tier am Leben zu erhalten, wurden schnell eingeleitet, waren jedoch zum Scheitern verurteilt. Der Pottwal verendete innerhalb kürzester Zeit. Nach einer ausführlichen Obduktion wurde nun die Todesursache bekannt gegeben: Plastik, der tote Wal hatte schlicht und ergreifend zu viel Plastikmüll in seinem Körper.

    Doch der gestrandete Pottwal war längst nicht das einzige Lebewesen, dem die über 6,4 Millionen Tonnen Plastikmüll, die nach Schätzungen des UN-Umweltprogramms jährlich in den Meeren landen, einen sicheren Tod bereitet haben. Über eine Million Meeresvögel, aber auch viele Wale, verenden jedes Jahr, da sie Plastikmüll zu sich nehmen, der ihren Verdauungsapparat verstopft und sie elendig verhungern lässt, während sich Meerestiere, wie z. B. Delfine oder Schildkröten oft in alten Fischernetzen verfangen. Insgesamt 100.000 Meeressäugetiere sterben jährlich an den Folgen des Plastikmülls.
    Überraschen sollte das nicht, denn mittlerweile treiben auf jedem Quadratmeter der Meeresoberfläche bis zu 18.000 Plastikteile, der größte Teil des Abfalls sinkt jedoch an den Meeresgrund, wo er Jahrzehnte, z. T. Jahrhunderte brauch, um sich zu zersetzen und dabei über einen langen Zeitraum kontinuierlich Giftstoffe an die Umgebung absondert.

    In Spanien strandete im März 2013 ebenfalls ein etwa zehn Meter langer Pottwal, in seinem Körper wurden ganze 59 Plastikteile, mit einem Gesamtgewicht von etwa 20 Kilogramm, gefunden, die seinen Darm tödlich verstopften. Der größte Teil des eingenommenen Plastikmülls bestand, neben zwei Gartenschläuchen, zwei Blumentöpfen, einem neun Meter langen Seil, einer Sprühdose und diversen Plastiktüten, aus transparenten Folien, die in Spanien zum Bau von Gewächshäusern verwendet werden. In diesen Gewächshäusern werden Tomaten für den europäischen Markt angebaut.

    Besonders anfällig für das Verschlucken von Plastikmüll sind Meeresschildkröten, da die z. T. transparenten Plastikobjekte ihrer natürlichen Beute, den Quallen, mitunter stark ähneln. Auch Pottwale und Schnabelwale, die bevorzugt große Tintenfische verzehren, verwechseln Plastikteile all zu häufig mit ihren eigentlichen Beutetieren. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass seit Jahrzehnten bei gestrandeten Walen und Delfinen immer wieder der Plastikmüll als Todesursache befunden werden kann. Ähnliche Fälle, wie dieses Jahr in den Niederlanden und in Spanien, gab es 1989 auf der französischen Insel Lavezzi, 1990 auf Island oder auch 2008 an der Küste Kaliforniens, wo ein Pottwal mit insgesamt 200 Kilogramm an Fischernetzen, Seilen und Plastiktüten in seinem Körper eines qualvollen Todes starb.

    Von Einzelfällen kann bei den verendeten Pottwalen und Schnabelwalen definitiv nicht mehr die Rede sein, diverse weitere Strandungen, z. B. in Griechenland, Puerto Rico, Washington, Australien und Rarotonga beweisen das Gegenteil, und auch bei all den toten Meeresschildkröten, Delfinen, Grauwalen oder auch Albatrossen handelt es sich um die logische Konsequenz unseres rücksichtslosen Konsumverhaltens. Wenn weiterhin jährlich 240 Millionen Tonnen an Plastik weltweit hergestellt werden, wird es in den nächsten Jahren mit Sicherheit nicht bei einer Million an toten Meeresvögeln und auch nicht bei 100.000 toten Meeressäugern bleiben, doch in welchem Ausmaß sich die Lebensumstände für all die gefährdeten Meeresbewohner in Zukunft noch weiter verschlimmern werden, entscheiden wir alle persönlich mit, spätestens beim nächsten Gang in den Supermarkt …

    gez. Maxim Podobed 2013
     

Kommentare

20 Kommentare
  • Nora2.0
    Nora2.0 In unserer Community gibt es mindestens eine Gruppe die gegen die Umweltverschmutzung durch Müll vorgeht, die "Trashbusters".
    Alle die gezielt helfen wollen und vielleicht auch eigene Ideen haben sind dort genau richtig! :)
    17. November 2013
  • Alexa19
    Alexa19 .... Traurig :( ich frage mich wie ein Plastiktopf im Meer landet... Unfassbar dass die Leute einfach so alles in die Natur lassen... Man schmeißt einfach alles weg ohne an die Folgen zu denken!!!!!! Und auch in Supermärkten verpacken sie die L...  mehr
    18. November 2013
  • Lisa18
    Lisa18 Vielen Dank für den Bericht!! Ich finde es traurig zu sehen, wie Tiere immer wieder an unserem rücksichtslosen Verhalten elendig sterben müssen!! Von allen Seiten höre ich immer, wie süß und faszinierend die Tierwelt ist. Da...  mehr
    18. November 2013
  • Ronny123
    Ronny123 Es ist hart das so viele Tiere nur wegen uns (den meisten von uns jedenfalls) sterben müssen.

    Aber wer schmeißt Blumentöpfe und Gartenschläuche ins mehr?Das ist einfach nur grauenhaft!!
    24. November 2013