Berichte

Die Sache mit dem Bumerang

  • Wir stellen uns eine Welt, in der jeder Mensch nur noch Energiesparlampen benutzt, seinen Müll recycelt und Strom aus Windkraftanlagen bezieht traumhaft vor. Tatsächlich, das ist ein erstrebenswertes Ziel, auf das wir alle hinarbeiten. Die Menschheit verbraucht viel zu viele Ressourcen in viel zu kurzer Zeit und früher oder später wird das ein Ende haben. Wir müssen also umdenken, sparen und anfangen naturverträglicher zu leben. Das ist an sich ja auch nicht so kompliziert und fängt bei jedem Einzelnen an, selbst wenn man nicht gleich ein Elektroauto fährt. Kaufe ich mir zum Beispiel ein sehr Sprit sparendes Modell, dann verbrauche ich logischerweise weniger Benzin auf dem Weg zur Arbeit, als wenn ich einen dicken SUV fahre. Ich puste also weniger CO2 in die Luft. Das Gleiche gilt bei dem Kühlschrank der Klasse A+++, der nur sehr wenig Strom zum Kühlen braucht oder der hoch-effizienten Waschmaschine und Klospülung.

    Nur leider wurde diese doch so einfache Rechnung ohne das Verhalten der Menschen gemacht. Denn wie es so oft ist, wir handeln unbewusst sehr kontraproduktiv.
    Die Rede ist vom sogenannten Rebound oder auch Bumerang Effekt und eigentlich handelt es sich dabei um ein großes Paradox. Denn umso mehr wir sparen und effizienter gestalten, desto besser wird unser Gefühl. Desto mehr denken wir, „Hey, eigentlich mache ich doch alles richtig! Ich investiere in Umweltschutz dadurch, dass ich mir langlebige und nachhaltige Produkte kaufe, mein Auto verbraucht nur wenig Sprit und meine Glühlampen benötigen auch kaum noch Strom. Ich mache alles richtig!“ Prinzipiell richtig, doch dann kommt der Fehler. Denn statt eben genau davon zu profitieren und die Umwelt zu schonen, wird das neue Produkt voll ausgenutzt. Wenn meine Glühlampe schon so energiesparend ist, dann kann ich sie doch auch an lassen wenn ich mal eben rausgehe, oder? Ach, meine Waschmaschine ist so effizient, auf einen Waschgang mehr oder weniger kommt es da auch nicht an! Und mein Auto ist eh schon so sparsam, da kann ich auch mal kurz zum Laden um die Ecke fahren. So und so ähnlich geht es immer weiter. Bis zu dem Punkt, wo bis zu 50% der Energie, die ich durch das neue Produkt eigentlich einsparen könnte wieder flöten gegangen ist, weil ich es öfter, stärker und unbewusster benutze. Der Bumerang kommt also ziemlich schnell zu mir zurück.

    Hinzukommt, dass die meisten energiesparenden Maßnahmen auch gut für den Geldbeutel sind. Das, was also nun beim Strom oder Sprit eingespart wird, geben die Leute für andere Konsumgüter und Leistungen aus, die wiederum in ihrer Produktion CO2 freisetzen. Wie wäre es bei dem ganzen Sparen denn zum Beispiel mit einem Billigflug nach London zur Belohnung?!
    Keine Frage, das klingt nach einer vertrackten Angelegenheit.

    Aber so neu wie wir jetzt vielleicht denken ist das Problem gar nicht. Bereits im Jahre 1865 beschrieb der Brite William Stanley, wie durch die Verbesserung und Erneuerung von Dampfmaschinen der Verbrauch an Kohle sprunghaft anstieg. Nun lohnte es sich schließlich erst richtig!
    Heutzutage ist der VW Käfer ein anschauliches Beispiel für den Rebound-Effekt. 1955 verbrauchte das gute Stück noch 7,5 Liter auf 100 Kilometern. Das neustes Modell der Reihe, der VW Beetle, benötigt auch heute noch 7,1 Liter auf der gleichen Strecke. Wie kann das sein? Haben die Ingenieure in fast 60 Jahren Forschung etwa nicht mehr hinbekommen? Doch, haben sie. Für die gleiche Leistung braucht das heutige Modell nur noch einen kleinen Teil der einstigen Menge. Allerdings hat der neue VW auch deutlich mehr Leistung! Außerdem wurden über die Jahre allerhand Annehmlichkeiten in das Auto eingebaut, was es insgesamt schwerer gemacht hat. Allzu viel des Vorteils durch einen sparsamen Motor bleibt da also nicht hängen.
    Auch die Industrie kennt das Problem, denn durch sinkende Kosten beispielsweise im Sektor Energieverbrauch kann die Firma nun entweder ihre Produkte billiger anbieten (was sie vermutlich nicht tun wird) oder eben deutlich mehr produzieren und die Produkte mit neuen Zusatzleistungen ausstatten. So steigt die vorher gesenkte Umweltbelastung wieder an.

    Trotz dieser eher ernüchternden Neuigkeiten sollten wir uns natürlich keinesfalls entmutigen lassen. Denn das Gute am Rebound-Effekt ist ja dass wir ihn alle sehr gut bekämpfen können! Indem wir selbst darauf achten trotz aller Effizienz nicht mehr Strom zu verbrauchen als wir wirklich brauchen und elektronische Geräte auszuschalten, wenn wir sie gerade nicht benötigen. Umso mehr Bewusstsein über das Thema in der Gesellschaft herrscht, umso besser können wir es in den Griff bekommen. Damit wir unsere innovativen Produkte in Zukunft auch auf die richtige Weise „voll ausnutzen“ :-)

     

    Quellen: DIE ZEIT N°45 S. 33

    Bild: HI 239822 Windpark Daenemark, National Geographic Stock, Sarah Leen WWF

     

Kommentare

9 Kommentare
  • Morgentau
    Morgentau Ja, ein gefährlicher Effekt...
    Was könnte man denn noch dagegen tun? Schwierig...

    Danke für den Bericht!
    4. November 2013
  • Niiura
    Niiura Interessant, hab ich auf diese Weise nie drüber nachgedacht...aber jetzt nach dem nachdenken muss ich feststellen, dass ich zumindest bei den alltäglichen Dingen (Waschmaschine, Licht, andere elekrtische Geräte wie Fernseher und Laptop) nic...  mehr
    4. November 2013
  • thinkgreen26
    thinkgreen26 Du hast vollkommen Recht.
    Ich kenne das auch, vor Allem von meinen Eltern. ;)
    Wir müssen uns einfach Mühe geben weiterzusparen. :)
    7. November 2013
  • Katrino
    Katrino danke! darüber soll man öfter reden. man vergisst es einfach! Die Unternehmen soll man aber auch dazu fördern: mehr
    3. Dezember 2013