Berichte

Nashorntag, Nashornbilder, Nashorngeschichten!

  • Irgendwie ist er dieses Jahr total untergegangen … der allseits beliebte Welt-Nashorntag!

    Dieses Jahr ist er etwas ungünstig auf den 22. September gefallen, den Tag der Bundestagswahl, klar, dass da andere Themen rund um große Koalitionen und mehr oder weniger überraschende Wahlergebnisse erstmal Vorrang haben!

    Der WWF hat die charismatischen Dickhäuter aber trotz alledem nicht vergessen und eine wunderbare kleine Bilderserie für euch erstellt, die uns vor allem die beiden afrikanischen Nashornarten in aller Pracht präsentiert: - zur Bilderstrecke! 

    Doch bereits beim Anblick der ersten Fotos lässt sich schnell erahnen, dass auch das Jahr 2013 mitnichten ein glückliches Jahr für die Familie der Nashörner war, im Gegenteil. Die rücksichtslose Wilderei nimmt weltweit kein Ende und droht weiterhin, die letzten wilden Nashornpopulationen völlig zu vernichten. Besonders schlimm steht es um das kleine Sumatra-Nashorn, es gibt nur noch etwa 200 Exemplare auf Sumatra, Borneo und in Malaysia, noch seltener ist nur noch das Java-Nashorn, von dem es wohl nur noch weniger als 40 Exemplare gibt.

    Der WWF macht sich mit professionell geschulten Sicherheitstrupps, Helikopterüberwachungen, Forschungsprojekten und vielen anderen Initiativen weiterhin für alle fünf Nashornarten stark, doch es wird auch in Zukunft ein harter Kampf, denn umso seltener die Nashörner, desto höher die Preise, die auf dem Schwarzmarkt für das begehrte Rhino-Horn gezahlt werden und je höher die Preise, desto verlockender die Wilderei (mehr Infos: - hier!

    Von der Wildereikrise verschont blieben bisher zum Glück unsere Zoo-Nashörner. In den Tiergärten von Münster und Leipzig, in denen der WWF dieses Jahr mit dem „Tag des leeren Geheges“ auf die zunehmende Bedrohung von Elefanten und Nashörnern aufmerksam machen durfte, gab es dieses Jahr sogar gesunde und muntere Nashornbabys!

    Schlechte Nachrichten hingegen aus dem Zoo Frankfurt! Hier leben die letzten beiden Südafrikanischen Spitzmaulnashörner Europas. Eigentlich sollten sie im Frühjahr 2013 in einem Reservat in Swasiland ausgewildert werden, doch durch Finanzierungs- und Einigungsprobleme mit den zuständigen Transportfirmen, musste die aufwendig vorbereitete Auswilderung leider abgesagt werden. Der Bulle Kalusho (Bild oben) hat seine Hörner, die ihm zum größten Teil abgetrennt wurden, um die Verletzungsgefahr beim Transport zu verringern, also letztlich ganz umsonst verloren.

    Schade drum, aber zumindest konnten seine drei, in Frankfurt geborenen, Töchter erfolgreich an afrikanische Nationalparks abgegeben werden und haben dort z. T. auch schon eigenen Nachwuchs aufgezogen … einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt seiner Art hat Nashorn-Opa Kalusho also eigentlich bereits geleistet, auch ohne Auswilderung …

    Im Gegensatz zum afrikanischen Spitzmaulnashorn Kalusho, hat das Panzernashorn aus Indien nicht zwei, sondern lediglich ein Horn auf der Nase. Die zweitgrößte Nashornart der Welt (nach dem afrikanischen Breitmaulnashorn) zeichnet sich außerdem durch eine besonders dicke, faltige Haut aus, die auf den ersten Blick wie ein robuster Panzer aussieht. Die indischen Panzernashörner sind die Wasserratten der Nashornfamilie und die einzige der fünf Arten, die sich häufiger in tiefe Gewässer begibt, um dort (wie man es eher von Flusspferden kennt) unter Wasser zu grasen. Auch in der Stuttgarter Wilhelma, einem der fünf deutschen Zoos, in denen man heute Panzernashörner beobachten kann, tummeln sich die indischen Dickhäuter bevorzugt im Wasserbecken (Bild oben)!

    Im Zoo der ukrainischen Hauptstadt Kiew findet man zwei ganz besondere Nachbarn. Der junge Asiatische Elefantenbulle Horas ist erst vor einem Jahr in das renovierte Elefantengehege des Tierparks gezogen, ein Weibchen konnte man jedoch bisher nicht für ihn beschaffen, dementsprechend sucht der einsame Pfundskerl gerne die Gesellschaft seiner Nachbarin Trevoga, einer stattlichen Breitmaulnashorndame, im Rentenalter von 45 Jahren, die in den 1970er-Jahren als Wildfang aus Afrika in den Zoo gelangte. Der Elefant Horas überwindet nun geschickt die massive Umzäunung zwischen dem Elefanten- und dem Nashorngehege und streichelt seine uralte Nachbarin behutsam mit dem Rüssel, Trevoga scheint die Gesellschaft nicht zu stören, sie bleibt ganz entspannt am Zaun stehen, Tag für Tag … eine faszinierende Harmonie zweier einsamer Kolosse …

    Text & Bilder:  © Maxim Podobed 2013

    Titelbild: © Brent Stirton 

Kommentare

8 Kommentare
  • Carinaa
    Carinaa Wie bereits gesagt: Toller Bericht!
    Ich war auch schön ein paar mal im Zoo von Frankfurt und habe dort auch Kalusho besucht :)
    1. Oktober 2013
  • Ronja96
    Ronja96 Der Bericht ist wirklich toll geschrieben und die Bilder sind auch super.
    Ich finde es aber schade, dass es zum Beispiel von den Java-Nashörnern so wenig gibt. Als ich letztens in Münster im Zoo war, habe ich mir auch "Tafeln" zu den v...  mehr
    1. Oktober 2013
  • vince
    vince interessanter Bericht und detailliert geschrieben! vor allem nicht zu lang!
    dass es tw. nur noch 40 tiere einer Nashornart gibt ist ja eine erschreckende Meldung... Hingegen hört sich die Freundschaft zwischen Nashorn und Elefant ja gut an...
    1. Oktober 2013
  • LSternus
    LSternus Toller Bericht.
    Ich muss immer wieder schlucken, wenn ich lese wie wenig Java-Nashörner es noch gibt.
    1. Oktober 2013