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Der Weltklimarat IPCC in Stockholm - Aktuelle Ergebnisse aus jahrelanger Klimaforschung

  • Gestern, am 27. September präsentierte der Weltklimarat (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change) in Stockholm den fünften Klimabericht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Erderwärmung erfolgt in rasender Geschwindigkeit und die Meeresspiegel steigen stärker an als gedacht. Der Rat ist überzeugt – der Klimawandel ist größtenteils menschgemacht.


    „Der IPCC-Bericht bestätigt eindrücklich, dass wir schnell handeln müssen Er ist eine Sturmwarnung an alle Regierungen, die klimaschädlichen Emissionen drastisch zu reduzieren“, teilt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, mit. „Wir müssen uns schnellstmöglich von Kohle und fossilen Energieträgern verabschieden, um den Klimawandel und dessen verheerende Folgen zu begrenzen.“ Der WWF fordert die Regierungen dazu auf, sich sofort mehr für den Klimaschutz einzusetzen.


    © iStockphoto / Getty Images

    Die negativen Folgen der globalen Erwärmung haben deutlich stärkere Auswirkungen auf die Meere als bisher angenommen – das zeigt der IPCC-Bericht. Der deutliche Anstieg der Meere wird die Menschen vor Probleme stellen, für die noch keine Lösungen vorhanden sind. Die Hitzewellen, Regenfälle und Stürme von extremen Ausmaßen, rühren vom Klimawandel her. „Die Landwirtschaft leidet schon jetzt. Immer öfter bleibt der Regen aus oder kommt sinnflutartig. Meist trifft es Gebiete, in denen die Menschen sowieso Probleme haben ausreichend Nahrung von ihren Feldern zu erwirtschaften. Unzählige menschliche Katastrophen sind die Folge. Wie bei zunehmenden Dürren und Überschwemmungen bis 2050 ausreichend Nahrung für neun Milliarden Menschen produziert werden soll, ist bisher ungelöst.“, erklärt Matthias Meissner, Landwirtschaftsexperte vom WWF. Die Meere werden wärmer. Eisberge und Gletscher schmelzen und lassen die Meeresspiegel noch höher steigen. Die Fähigkeit, große Mengen an Kohlenstoffdioxid zu binden, führt langfristig zu einer dauerhaften Senkung des pH-Wertes.

    „Die Ozeane versauern. Die Kalkskelette von Schalen- und Weichtieren drohen zu verkümmern und sich aufzulösen. Vor allem für Korallen ist das eine tödliche Entwicklung. Korallenriffe haben eine ähnliche Funktion wie Wälder an Land. Sie bilden die Lebensgrundlage für eine unglaubliche biologische Vielfalt im Meer“, erläutert Stephan Lutter, Meeresschutzexperte vom  WWF.   

    © Juergen Freund / WWF Canon

    Seit 1900 hat die Versauerung der Meere beispielsweise um 30% zugenommen. Deshalb fordert Brandes neben einer Reduzierung des CO²-Ausstoßes vor allem Meeresschutzgebiete, da sich intakte Ökosysteme widerstandsfähiger seien und sich besser an massive Veränderungen anpassen könnten.


    Ohne eine dauerhafte Verminderung von Treibhausgasen, vor allem einem Umstieg auf Erneuerbare, sei ein Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad Celsius nicht mehr zu verhindern. Deshalb ist sich Brandes sicher: „Der Bericht bestätigt, dass die Energiewende in Deutschland der absolut richtige Weg in eine klimafreundliche Zukunft ist. Wir fordern die neue Bundesregierung auf, die Energiewende energisch voranzutreiben und die Beschlüsse in einem Klimaschutz- und Energiewenderahmengesetz verbindlich zu verankern. Auf internationaler Ebene gilt es, zu einer Klimaschutzpolitik zurückzukehren, die ihren Namen verdient.“
     

    Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Tierwelt aus! Hier einige aktuelle Beispiele:


    © iStock / Getty Images

    Durch den Klimawandel fliegen viele Zugvögel später Richtung Süden und kehren früher wieder zurück. Der Kuckuck kommt erst Ende April zurück. Dann ist es zu spät, um anderen Vögeln das Kuckucksei unterzuschieben, da die schon mit dem Brüten fertig sind.


    © Michael Poliza / WWF

    Prizzly – so nennt man den Hybrid zwischen Polarbär und Grizzly. Die ersten Prizzlys wurden bereits entdeckt. Durch das Schmelzen der arktischen Eisflächen löst sich auch die Grenze zwischen den beiden Bären auf. Doch wenn sich das Erbgut der beiden mischt, werden die Eisbären noch stärker vom Aussterben bedroht sein.


    © Staffan Widstrand / WWF-Canon

    Das Futterverhalten der Rentiere basiert darauf, Schnee mit den Hufen vom Boden wegzukratzen und die Pflanzen, die sich unter der Schneeschicht verbergen, zu fressen. Die milderen Winter bedeuten jedoch, dass mehr Regen fällt als Schnee. Am Boden gefriert der Regen zu einer Eisschicht. Dadurch sind die Pflanzen nicht mehr erreichbar für die Rentiere oder andere pflanzenfressende Säugetiere und Feldmäuse. Die Tiere finden weniger zu fressen und verhungern.


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    Der Trauerschnäpper ist ein Zugvogel, der seine Winter in Zentralafrika verbringt. Seine Wiederankunft in Europa fällt eigentlich genau mit der größten Insektendichte im Frühling zusammen. Durch den Klimawandel findet die Insektenschwemme seit einigen Jahren früher statt. Deshalb findet der Trauerschnäpper nicht mehr genug zu fressen. Manche Populationen gingen deshalb schon um 90% zurück.


    © iStock / Getty Images

    Siebenschläfer und Murmeltier erwachen früher aus ihrem Winterschlaf, wenn es wärmer ist. Nach dem Aufwachen suchen sich Siebenschläfer beispielsweise verlassene Nistkästen und Höhlen für ihre Jungen. Doch wenn sie zu früh dran sind, treffen sie noch auf Eier oder Jungvögel und fressen diese. Das wirkt sich deutlich auf den Bruterfolg der heimischen Vogelarten aus.


    © naturepl.com / Barry Bland / WWF-Canon

    Momentan ist der Wanderalbatros ein Gewinner des Klimawandels. Stärkere Winde begünstigen seine Flüge und machen ihn schneller. War er früher 13 Tage lang auf der Futtersuche, sind es heute nur noch 10. Deshalb haben Wanderalbatrosse inzwischen 10% mehr Gewicht und es schlüpfen mehr Jungen pro Gehege. Doch das wird nicht anhalten, denn die Winde werden sich wahrscheinlich noch weiter nach Süden verlagern.


    © iStock / Getty Images

    Den größten Gewinn aus dem Klimawandel ziehen Insekten. Die warmen Sommer und milden Winter führen zu einem rekordmäßigen Anstieg der Vermehrung. Ein großer Anteil der abgelegten Eier überlebt sogar die kalte Jahreszeit. Auch Zecken und Borkenkäfer profitieren neben Fliegen und Mücken vom Klimawandel.

    Seit 1990 veröffentlich der IPCC alle fünf oder sechs Jahre einen Klimareport. Über 800 renommierte Wissenschaftler sammeln über mehrere Jahre Ergebnisse und werten sie aus. Der fünfte Report, der am 27. September 2013 präsentiert wurde, untermauert die Vorahnungen, wie akut die globale Erwärmung voranschreitet – und, dass dringend etwas getan werden muss!


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    Text: FabianN

    Titelbild: © Photodisc / iStock / Getty Images

    Quelle: wwf.de

Kommentare

4 Kommentare
  • RichardParker
    RichardParker Ein schockierender Bericht, ich meine ist das nicht Warnzeichen genug? Oder ziehen die Menschen ernsthaft in Erwägung, den Untergang der Welt zu besiegeln?! Dank sei der Wissenschaft und allen, die versuchen etwas zu bewegen!!
    @FabianN: Vielen Dank f...  mehr
    28. September 2013
  • vince
    vince Das sieht ja nach einer schlimmen Zukunft aus. Ich bin mir sicher, dass hinsichtlich Umstieg auf erneuerbare Energien so schnell nichts passiert, das wird doch immer wieder herausgezögert. Auf jeden Fall sehr schön die einzelnen Tierarten recher...  mehr
    28. September 2013
  • FranziV
    FranziV Einen ähnlichen Bericht hab ich auf Spiegel online gelesen und ohne witz jeder 2. Kommentar ungefähr war \'Das ist doch alles nur Panikmache\' oder \'Solche Temperaturanstiege gibts doch ständig\' oder \'Die haben doch gar keine Beweise\'

    ...  mehr
    2. Oktober 2013
  • AlinaSky
    AlinaSky Schockierender Bericht! Sehr interessant, mit tollen Fotos!
    @FranziV: Hoffen wir, dass sie es doch noch kapieren und das es dann nicht schon zu spät ist!
    Der Klimawandel ist ein ernsthaftes Problem mit schon jetzt erkennbaren Auswirkungen... und w...  mehr
    4. Oktober 2013