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Vom Aschenputtel zur Prinzessin?

  • Es klingt fantastisch, es klingt absurd, es klingt als könnte es alle unsere Probleme auf einen Schlag lösen. Allein die Vorstellung ist utopisch. Und doch ist es Realität.

    Die Rede ist von einer neuen Technologie, welche dem all so verhassten Klimakiller Kohlendioxid einen neuen Nutzen abringen kann. Konkret wird dabei CO2 in Plastik oder in Treibstoff umgewandelt. Was für ein Gedanke! Noch immer pustet die Menschheit unglaubliche 35,6 Milliarden Tonnen an CO2 pro Jahr in die Luft und es wird jedes Jahr mehr. Die Möglichkeit, diese enormen Mengen an Gas stattdessen zu nutzen, sie produktiv einzusetzen statt in die Atmosphäre zu entlassen, klingt da sehr verlockend. “Kohlendioxid könnte Erdöl als Rohstoff ersetzen“, sagt Martina Peters, Chemikerin beim Chemiekonzern Bayer. Als Vorbild dient dabei nichts anderes als die Natur selbst, denn schließlich wandeln Pflanzen das für unser Klima so schädliche Gas jeden Tag hunderttausendfach um und nutzen es für die Photosynthese. Aus einer halben Tonne CO2 kann BASF bereits heute schon eine Tonne Plastik herstellen. Andere Unternehmen nutzen das Gas bereits für die Produktion von Kunstdünger, Nagellack und Treibstoff für Autos. In der EU kam bereits vor 2 Jahren eine Gruppe von Experten zu dem Ergebnis, dass sich schon jetzt ein Zehntel des weltweit ausgestoßenen Kohlendioxids verwenden ließe. Das klingt zwar erstmal nach noch nicht so viel, kann aber ausgeweitet werden.

    Doch natürlich - wie sollte es auch anders sein - hat die Sache einen Haken. Denn das CO2 ist keineswegs so begeistert von seiner Umwandlung wie wir. „Kohlendioxid ist energiearm und träge“, sagt Walter Leitner, Chemiker von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Nur mit Hilfe von großer Mengen Energie oder wenn man dem Gas einen reaktionsfreudigen Partner zur Seite stellt, ist es bereit zu reagieren. Ganz klar, dass das die Klimabilanz wieder deutlich verschlechtert. Damit sich die Sache überhaupt noch lohnt und nicht am Ende mehr CO2 entsteht als gebunden wird, braucht das Kohlendioxid einen sogenannten Katalysator. Nach jahrelanger Forschung kam der Chemiekonzern Bayer schließlich auf einen Stoff, der das CO2 aktiviert und es so mit anderen Substanzen zusammen zu Plastik, genauer gesagt Polyurethan, werden lässt. Auf herkömmliche Weise wird dieses Plastik, woraus Dämmmatten und Matratzenschaumstoff entstehen, aus Erdöl gewonnen. Seit Februar 2011 besteht das Polyurethan von Bayer nun schon zu einem Fünftel aus Kohlendioxid. So können die Betreiber von Kohlekraftwerken zu Lieferanten für die Chemieindustrie werden.

    RWE hingegen testet ein Verfahren, bei welchen unter Hinzugabe von Wasserstoff das Kohlendioxid zu synthetischem Erdgas wird, welches Häuser beheizen und Autos antreiben kann. Besonders raffiniert an dieser Methode: der benötigte Wasserstoff wird aus der überschüssigen Energie aus Solar- und Windkraftanlagen erzeugt. So dient die Erzeugung des Erdgases auch der Speicherung von überschüssiger, erneuerbarer Energie.

    Aber kann diese Methode uns auch wirklich retten? Könnte sie den Klimawandel stoppen und unsere Industrie vor milliardenschweren Umrüstungen bewahren?
    Nun, das wohl nicht. Felix Christian Matthes, welcher beim Öko-Institut in Berlin arbeitet, ist skeptisch. Schließlich wird das aus dem CO2 erzeugte Erdgas am Ende auch wieder verbrannt, ebenso wie das Plastik am Ende seiner Lebenszeit. Somit wird das Kohlendioxid genaugenommen eigentlich nur „zwischengespeichert“. Zwar wird das eigentlich benötigte Erdöl eingespart, die nötige Energie einer Umwandlung produziert aber, zumindest noch, auch wieder viel CO2 und ist aufwendig.
    Somit lässt sich sagen, dass das CO2-Recyling ohne Frage eine sinnvolle Technologie ist, welche weiterverfolgt werden sollte. Aber dass sie nun alle unsere Probleme löst ist übertrieben. Sie kann einen kleinen Beitrag leisten, auf dem Weg hin zu einer sauberen und nachhaltigen Industrie und Produktion. Denn das sollte auf jeden Fall weiter unser Ziel sein.

     

    Quelle: DIE ZEIT WISSEN Nr. 5 S. 92 ff.

    Bildquelle: © Douglas Robertson / WWF

Kommentare

10 Kommentare
  • Jonas_Kittel
    Jonas_Kittel Hallo Franzi,

    Was du hier anbringst ist großteils richtig. CO2 ist ein riesen Problem und sollte angegangen werden. Und das CO2 raus zu filtern ist sicher auch kein schlechter Weg. Aber wir auch unten schon angeführt wird wäre es Sinnvoll...  mehr
    12. September 2013
  • Animalfriend
    Animalfriend Interessanter Bericht, ich denke auch, dass sich da noch weiter forschen lässt ;)
    13. September 2013
  • Morgentau
    Morgentau Ich finde auch, dass diese Umwandlung von CO2 nur eine Zwischenlösung ist. Natürlich ist es sehr gut und dringend nötig, zu forschen, aber wir sollten jetzt, am Anfang der Energiewende, nicht ganz zurückgehen. wie Jonas_Kittel schon sa...  mehr
    16. September 2013
  • safetheanimals
    safetheanimals das co2 zu benutzen ,und dabei noch mehr co2 zu produzieren ist sinnlos. andererseits: wenn es Erdöl wirklich ersetzen kann dann ist das sehr gut um den Rest Erdöl den wir noch haben in ruhe zu lassen
    14. Januar 2014