Berichte

Von frühem Aufstehen und wunderschönen Landschaften

  • Lake Bogoria als wir ihn zuerst sahen

    Letzten Monat habe ich mir ein Wochenende genommen und bin mit Freunden ins Rift Valley gefahren. In Deutschland besser bekannt als Ostafrikanischer Grabenbruch. Zumindest ist das der deutsche Name. Wir sind zu zwei Seen gefahren, Lake Baringo und Lake Bogoria.

    Freitags nach der Arbeit ging es los. Zuerst zum Lake Baringo, weil der im Gegensatz zum Lake Bogoria kein Reservat ist und wir dementsprechend keine Öffnungszeiten beachten mussten. Wir kamen nämlich relativ spät an und mussten am Morgen wieder früh aufstehen. Aber bevor ich euch davon erzähle, gebe ich euch erstmal ein paar Fakten über den See:

    Lake Baringo ist einer der beiden Süßwasserseen des Rift Valleys und auf 970 m ü.NN gelegen. Er hat eine Fläche von 130 bis 170 Quadratkilometern, je nach Pegel, wird von Flüssen und heißen Quellen gespeist und hat keinen oberirdischen Abfluss. Ein schottischer Geologe vermutete 1893 allerdings, dass der See einen unterirdischen Abfluss hat. Bewiesen ist das bis heute allerdings noch nicht.

    Am Lake Baringo treffen die Wüste aus dem Norden Kenias und ein Süßwassersee zusammen, woraus sich eine unheimliche Artenvielfalt ergibt. Die Vogelwelt umfasst zirka 450 Arten, was den See zu einem Paradies für Ornithologen macht. Im Wasser tummeln sich Warane, Krokodile, Nilpferde und einige Fischarten, welche die Lebensgrundlage des hier ansässigen Stamms der Njembs bilden.

    Bedroht wird der See durch Staudämme am Oberlauf der Zuflüsse und die große Wasserentnahme für Landwirtschaft, Haushalt und Gewerbe.

    Lake Baringo bei Sonnenaufgang

    Am nächsten Morgen sind wir also ziemlich früh aufgestanden, genauer gesagt um 6.15 Uhr, um eine Bootstour zu machen. Nachdem ich am Freitag einen anstrengenden Tag hinter mir hatte, war ich davon eigentlich nicht so begeistert, es hat sich aber unheimlich gelohnt! Durch die frühe Stunde konnten wir eine Menge Tiere sehen, vor allem Vögel. Unter anderem Eisvögel, Afrikanische Fischadler, eine Menge Kormorane und Reiher. Die Fischadler (Fish Eagle) hat unser Guide auch per extra ausgeworfenem Fisch angelockt, sodass wir Fotos machen konnten. Nachdem mein erstes allerdings nichts geworden ist, habe ich mich beim zweiten dazu entschieden, einfach die Kamera beiseite zu lassen. Doch wir haben nicht nur Vögel gesehen, sondern auch Hippos, also Nilpferde, und mein erstes Krokodil in freier Wildbahn. Das war schön!

    Im frühen Morgenlicht die Flügel trocknen

     

    Ausruhen macht Spaß!

    Waran beim Sonnetanken für den Tag

    Außerdem war neben unserer Unterkunft noch die Ruine eines ehemalig sehr großen Hotels. Doch da der Wasserspiegel des Sees in den letzten Jahren unheimlich angestiegen ist, wobei keiner so wirklich weiß wieso, steht die Hotelanlage jetzt unter Wasser und um die 500 Menschen haben ihren Job verloren.

    DAs Hotel

    Nach unserem Frühstück ging es dann noch auf eine kleine Wanderung. Die Gegend war zwar unheimlich nah am See, allerdings sehr trocken und staubig. Wir sind auf die Baringo Cliffs gestiegen, zumindest auf halbe Höhe. Doch selbst von dort hatten wir eine atemberaubende Sicht auf den See und die umliegende Landschaft.

    Blick auf den Lake Baringo von den Klippen aus

    Danach ging es direkt weiter zum Lake Bogoria.

    Lake Bogoria wurde erstmals vom schottischen Bischof Hannington entdeckt, 2 Jahre nachdem der erste Europäer durch diese Region gereist ist. Der Bischof war auf dem Weg nach Uganda. Als er dort von dem ugandischen König getötet wurde, wurde der See ihm zu Ehren Lake Hannington genannt und erhielt erst nach der Unabhängigkeit Kenias seinen heutigen Namen.

    Das Lake Bogoria National Reserve wurde 1973 gegründet, ist 107 Quadratkilometer groß und steht seit 2000 auf der Ramsar „List of Wetlands for International Importance“. Es schützt den 34 Quadratkilometer großen, alkalischen See, welcher die Heimat von Flamingos bildet. In den 90er Jahren gab es hier immer mehrere Millionen dieser beeindruckenden Vögel. Die am See heimischen Weißkopf- und Raubadler haben sich, im Gegensatz zu ihren Verwandten an Süßwasserseen, auf den Fang der rosa Vögel spezialisiert. An Land bietet das Reservat eine Heimat für einen der letzten Bestände der Großen Kudus, einer Antilopenart, welche in Kenia sehr selten geworden ist.

    Trotz des Schutzstatus weidet eine Menge Vieh im Reservat, welche die Akazienwälder überweiden.

    Zum See zu kommen ohne eigenes Auto war relativ einfach. Wir saßen zwar mit insegsamt 8 Leuten (7 Passagiere + Fahrer) in einem 5-Sitzer, aber bei so etwas denke ich mir mittlerweile nur noch: „Welcome to Kenya!“ War also alles nicht weiter wild. Sich allerdings im Reservat ohne eigenes Auto fortzubewegen, ist nicht ganz so einfach. Der Fahrer des Autos, welcher uns zum Tor gebracht hatte, wollte 4000 Kenianische Schilling haben, umgerechnet ein bisschen weniger als 40 €, was wir nicht zahlen wollten. Also sind wir Piki, Motorradtaxi, gefahren. Pikis sind hier, auch in der Stadt, ein ganz normales Verkehrsmittel, weil die meisten keinen Führerschein besitzen und es zumindest in Kisumu nicht so etwas wie öffentliche Verkehrsmittel gibt.. Piki fahren im Reservat war ein Erlebnis. Die Straßen waren schlecht, beziehungsweise waren es nur staubige Feldwege mit einer Menge großer Steine. Zusätzlich gingen sie auch noch steil hoch und runter. Ich bemerke: Wir saßen zu dritt auf einem Piki, also Fahrer mit zwei Passagieren. Hier auch völlig normal. Zusammengefasst gesagt war es aber unheimlich lustig. ^^ Unsere Unterkunft war ziemlich schlicht gehalten, was aber nicht schlimm war. Wir hatten eine Toilette, saubere Betten und Moskitonetze. Das reicht.

    Am nächsten Tag sind wir um 8.30 Uhr auf unsere Wanderung zu den Hot Springs, also den heißen Geysieren aufgebrochen. Angeblich sollen es nur 8 Kilometer gewesen sein, wir denken, es waren mindestens 10, wenn nicht sogar noch mehr. Fest steht, wir sind 3 Stunden gelaufen. Ok, wir haben zwischendurch auch noch Halt gemacht um Flamingos zu fotografieren, aber es waren trotzdem 3 Stunden. Und das in praller Sonne. Aber, wer hätte es gedacht, es hat sich wieder gelohnt! Die Hot Springs sind unheimlich beeindruckend. Es ist dort auch unglaublich heiß und riecht nach Schwefel, aber gut. Auch die Landschaft war unglaublich! Wir sind insgesamt 1,5 Stunden geblieben um uns alles in Ruhe anzuschauen.

     

    Die Fahrt zurück war dann auch wieder ein Erlebnis, weil wir erst einmal Ewigkeiten auf unsere Pikis warten mussten. Die haben uns dann aber glücklicherweise bis zu den Matatus, Sammeltaxis, gebracht, sodass wir relativ schnell wieder nach Nakuru und von da aus wieder nach Kisumu kamen. Der Tag endete trotzdem erst um 11 Uhr abends. Aber da es sich unheimlich gelohnt hat, will ich mich nicht beschweren!

     

    Wer mehr über meinen Aufenthalt hier in Kenia wissen möchte, kann sich entweder meine anderen Artikel durchlesen, auf meinem Blog vorbei schauen oder mir einfach eine Nachricht schreiben.

     

Kommentare

4 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Danke für diesen wunderschönen und interessanten Bericht und diese traumhaften Fotos! Ich stimme dir voll uns ganz zu, dass sich dieser Ausflug gelohnt hat - auch für uns, die du an diesem fantastischen Erlebnis teilhaben lässt! ^_^
    Das einzige, was mich ...  mehr
  • Puma
    Puma Ja, richtig, das ist leider eine Plastikflasche.
    Das plastikproblem hier in Kenia ist sehr schlimm, sogar noch schlimmer als in Deutschland. Aber ich werde dazu auch noch einen Bericht schreiben. So Ende diesen Monats oder so :)
    16. März
  • midori
    midori Da bekommt man direkt Fernweh! Danke, dass Du Dein Erlebnis mit uns geteilt hast. Die Anstrengungen haben sich auf jeden Fall gelohnt! :)
    18. März
  • Luke24
    Luke24 Die Fotos sind in der Tat allesamt klasse. Nicht nur von der Landschaft und der Natur, sondern auch von der Lebensweise und den Ansichten der Menschen vor Ort her scheint es sich um eine ganz andere Welt zu handeln. Das zeigt mal wieder, wie vielfältig di...  mehr
    20. März