Berichte

Plastikflaschensucht


  • Wir alle mögen es, wir alle trinken es und wir alle halten es für völlig selbstverständlich: Flaschenwasser, zumeist PLASTIKflaschenwasser. Doch genau darin liegt das Problem: Plastik – bzw. Plastikmüll - ist eines der größten ökologischen Probleme überhaupt, es ist biologisch nur sehr schwer abbaubar und jedes einzelne Stück wird vermutlich für die nächsten paar 1000 Jahre noch auf unserer Erde herumschwirren.
    Wäre es denn wirklich so schlimm Leitungswasser zu trinken? Gucken wir uns das Ganze doch mal genauer an…

    Den größten Mineralwasserverbrauch dieser Welt haben – wie war es anders zu erwarten – die USA. Sie verbrauchen pro Jahr 30 Milliarden Wasserflaschen, wovon nur 12% recycelt werden…
    In Deutschland sieht es ähnlich aus, jeder von uns trinkt durchschnittlich 130 Liter Mineralwasser pro Jahr. Betrachtet man nun die ganze Welt, so wurden 2006 über 170 Milliarden Liter Wasser in Plastikflaschen abgefüllt – eine ganze Menge, oder?
    Hinter so viel verpacktem Wasser steckt natürlich auch eine entsprechend mächtige Industrie, die es immer wieder mit klugen Werbeideen schafft, uns weiß zu machen, dass gerade IHR Mineralwasser nicht nur den Durst löscht, sondern auch noch schöner, fitter und klüger macht, wodurch Mineralwasser in schicken Flaschen heutzutage zu einer Art Lifestyle gehört. „San Pellegrino“, „Evian“ oder „Vittel“ haben ihre Arbeit also wirklich gut gemacht.

    Dieses Verhalten wirkt sich ganz eindeutig negativ auf die persönliche Ökobilanz aus, so ist Leitungswasser laut einer Schweizer Studie bis zu 1000-Mal umweltfreundlicher als Flaschenwasser. Nur um ein Beispiel zu nennen: trinkt man ein Jahr lang jeden Tag zwei Liter Mineralwasser aus Plastikflaschen (so wie es einem schließlich immer wieder empfohlen wird), könnte man am Ende des Jahres mit der Energie, die für all diese Flaschen aufgewendet wurde, ca. 2000 km Auto fahren. Versucht man das Gleiche mit Leitungswasser kommt man hingegen „nur“ auf eine Energiemenge, die für 2 km Autofahren reichen würde.
    Ein Grund dafür sind die langen Transportwege für Flaschenwasser. Dieses kommt zumeist aus Frankreich oder Italien, muss also zunächst einmal viele Kilometer unterwegs sein, bis es bei uns im Supermarkt liegt. So legt durchschnittlich jede Flasche „Vittel“ 430 km zurück, bevor sie bei dem Endverbraucher landet.
    Natürlich entsteht auch bei der Herstellung von Plastikflaschen selbst CO2, bei Mehrwegflaschen sind es jährlich schon insgesamt ca. 500.000 Tonnen. Multipliziert man diese Zahl noch mal mit drei erhält man den CO2 Ausstoß für die Produktion von Einwegflaschen…
    Allein für die Produktion von Plastikflaschen wurden so 2001 1,5 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht.

    Für die Entwicklungsländer bedeutet unsere „Sucht“ nach Mineralwasser aus Flaschen außerdem oft eine weitere Verschlimmerung der dortigen Trinkwassersituation, da viele Firmen Quellen anzapfen um das Wasser auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Die Bevölkerung vor Ort hat als Folge dessen natürlich selbst viel weniger Wasser zur Verfügung.

    Dass Mineralwasser gesünder ist, ist ein weiterer geschickter Trick der Industrie. Leitungswasser gilt in Deutschland als das am Besten kontrollierte Lebensmittel überhaupt, in den meisten Regionen ist es überhaupt kein Problem es zu trinken. Zur Sicherheit auf eventuell gesundheitsschädliche Rückstände kann man sich zudem in der Apotheke Teststreifen kaufen, die eine solche Verschmutzung anzeigen. Nicht zu vergessen ist außerdem, dass Plastikflaschenwasser in diesem Punkt auch nicht wirklich gut weg kommt: oft findet man in diesem Wasser Kunststoffrückstände, welche sich bei längerem Kontakt mit dem Wasser von der Flasche gelöst haben. Auch Mineralien sind oft nicht in dem Ausmaß enthalten, wie die Werbung es uns glauben machen will.

    Was einen dann wieder etwas positiver stimmt sind neue Entwicklungen wie z.B. die sogenannte „360 Paper Water Bottle“. Diese Wasserflasche ist vollständig aus Bambus- bzw. Palmenblättern hergestellt, zusammenklappbar wenn sie leer ist und beliebig oft nachfüllbar. Vom Design her ähnelt sie dann doch eher einer Wärmflasche, aber daran soll’s schließlich nicht scheitern ;)

    Alles in Allem sind dies meiner Meinung nach gute Gründe soweit wie möglich auf Leitungswasser umzusteigen. Ich persönlich mochte dieses früher auch nicht, habe mich aber vor einigen Monaten komplett darauf umgestellt und um ehrlich zu sein: inzwischen schmecke ich keinen Unterschied mehr. Es ist also alles eine Frage der Gewohnheit. Und für die Umwelt ist es definitiv besser, wenn dank euch ein paar Plastikflaschen weniger hier herumfliegen ;)
     

Kommentare

12 Kommentare
  • Fredi
    Fredi ja, das finde ich auch. endlich mal jemand mit der gleichen einstellung
    18. November 2009
  • MJ1499
    MJ1499 Wusstet ihr übrigens, dass Leitungswasser deutlich höheren und öfter kontrollierten Qualitätsstandards unterliegt???
    19. November 2009
  • easii
    easii ich denke wen man wirklich kohlensäure im trinken haben will gibte es sicherlich wege sie da auch hineinzubekommen(mir fällt gerade der name der maschine nicht ein) ,...
    dennoch ich ziehe wasser ohne kohlensäure derv mit kohlensäure eindeutig vor, deswege...  mehr
    20. November 2009
  • Linus
    Linus Glasflaschen sind (leider) aber umwelttechnisch nicht besser als PET-Flaschen. www.enius.de/presse/487.html
    Dabei aber unbedingt den Kommentar ganz unten lesen, Glasflaschen sind - nur wenn das Wasser aus der Nähe kommt - wohl doch umweltfreundlicher.
    Bes...  mehr
    22. November 2009