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Hochwasser: Ursachen und Folgen für Mensch und Natur

  • In den Nachrichten läuft es auf und ab – Überschwemmungen in Süd- und Ostdeutschland. Die letzte Jahrhundertflut, vor rund einem Jahrzehnt und jetzt die nächste?

    Man könnte meinen, Fluten wie diese seien höhere Gewalt. Es regnet stark und tagelang, und folglich steigen die Wasserpegel. Doch was die Katastrophe erst komplett macht sind die Eingriffe des Menschen in die Natur. Wir bauen Häuser und Industrieanlagen in die Landschaft, und für diese Flächen weichen allzu oft Auenwälder. Auen haben jedoch eine wichtige Funktion: Sie sind natürliche Überflutungsgebiete. Diese Gebiete gingen bis heute um 80 Prozent zurück. Das wirkt sich auf den Wasserpegel der Flüsse aus – er steigt, und damit die Gefahr für Menschen und Tiere. In intakten Ökoregionen wie in Auenwäldern, können große Wassermengen gespeichert und aufgefangen werden, also ein natürlicher Hochwasserschutz.

    Doch auch die betonierten Flächen selbst sind ein Problem. Wir verschließen immer mehr Boden, bauen neue Straßen und Wohnsiedlungen, nicht immer zum Vorteil für uns. Denn durch die Versiegelung der Böden kann Regenwasser nicht mehr im Boden versickern und langsam ins Grundwasser gelangen. Stattdessen fließt es in Kanalisationen und gelangt somit viel schneller in Flüsse als über den natürlichen Weg.

    Auch Staudämme und Deiche steigern das Risiko von Überschwemmungen, da sie die Flüsse von ihren Auenwäldern abschneiden und so gibt es keine natürlichen Pufferzonen zwischen Wasser und Wohngebieten. Flussbegradigungen stellen ebenfalls eine Bedrohung dar, denn dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers um knapp die Hälfte. Beispiel Rhein: lag die Geschwindigkeit einer Hochwasserwelle 1955 noch bei 65 Stunden auf einer Strecke von Basel (Schweiz) nach Karlsruhe, fließt das Wasser auf dieser Strecke heute in nur 30 Stunden!

    Bleibt noch der Regen selbst, an dem wir wohl auch nicht ganz unschuldig sind. Starke Niederschläge kommen heutzutage fast doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Experten spekulieren, ob dies eine Folge des Klimawandels ist. Man kann zwar keinen einzelnen nassen Sommer eindeutig dem Klimawandel zuschreiben, doch die Klimaforscher sind sich sehr sicher, dass die Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen erhöht.

    Wie sieht es mit der heimischen Tierwelt aus?

    Nicht nur wir Menschen sind vom Hochwasser bedroht, den Tieren geht es genauso schlecht. Kleintiere wie Mäuse, aber auch Kraniche und sogar Biber haben schlechte Chancen dem schnell steigenden Pegel zu entkommen oder zu überleben. Da zurzeit auch viele Vögel ihre Brut aufziehen fällt der Verlust an Jungtieren sehr hoch aus, vor allem bei Boden- und Wiesenbrütern wie zum Beispiel dem Kiebitz, aber auch Schilfbrüter wie dem Eisvogel oder der Wasseramsel. Auch dem Storch, dessen Lebensraum sonst Feuchtwiesen und überschwemmte Felder sind macht diese Lage zu schaffen. Vor allem den Jungtieren der Störche geht es schlecht, schon 70 Prozent der Küken sind gestorben. Schuld daran ist die Nässe, die die Küken auskühlt da sie noch kein schützendes Federkleid haben. Nur der Flaum (Daunen) könnte sie schützen, doch dieser ist völlig durchnässt. So sind sie der Witterung vollkommen ausgesetzt und verenden.

    Allerdings ist das Hochwasser für manche Tierarten auch ein Glücksfall. Dadurch, dass manche Nahrungskonkurrenten die Flut nicht überleben, können sich die andere Tiere satt fressen und somit gestärkt in die nächste Brutsaison starten. Durch das ansteigende Wasser erweitern sich die Feuchtgebiete - gut für die Vermehrung von Mücken und anderen Insekten sowie für Kraniche, Graureiher die von den Insekten leben.

    Was fordert der WWF von der Regierung in Deutschland?

    • Die Verbauung von Überflutungsgebieten stoppen
    • neue Überflutungsflächen schaffen und alte Flächen renaturieren
    • Begradigungen und Vertiefungen von Flüssen wie an Donau und Elbe stoppen
    • Deiche zurückverlegen um somit mehr Lebensraum zu schaffen

    Ich denke die Regierung braucht noch einige Jahre um ihre Pläne zum Hochwasserschutz in die Tat umzusetzen. Doch wenn sie diese Versprechen halten, wird bei späteren Hochwassern die Bevölkerung und Tierwelt sicherer sein.

    Was denkt ihr zu diesem Thema? Habt ihr selber Ängste oder Anregungen?

     


    Quellen: Texte:  WWF Deutschland – „Was Überschwemmungen verschlimmert“
    Süddeutsche Zeitung – "Tod im Unterholz"
    Bilder: WWF Deutschland, © Melanie Haft / Nautilus-Film.
    Ein Biber, Eisvogel © Ralph Frank / WWF)
     

Kommentare

7 Kommentare
  • MarcelB
    MarcelB Hey Pascal!
    Schöner Bericht. Auf der einen Seite, natürlich besiedelt der Mensch weiter drauf los neue Lebensräume. Aber, man muss auch sagen, dass es viele Talsperren gibt und es wird jede Menge Monitoring in den betroffenen Regionen ausg...  mehr
    13. Juni 2013
  • Zerschmetterling
    Zerschmetterling Toller Bericht!
    Und es stimmt: Leider haben wir Menschen wieder selber dazu beigetragen, dass die Flut so schlimm ausfällt, wie sie es eben tut. Ich habe aber leider auch dass Gefühl, dass vielerorts die Einsicht fehlt, dass wir einen Groß...  mehr
    14. Juni 2013
  • Morgentau
    Morgentau Nun ja, eine einzige gute Seite hat die Überschwemmung: Das alles, was du angesprochen hast, ist jetzt ein Thema und nicht irgendein klitzekleines unwichtiges Problemchen, um das sich (fast) keiner kümmert.

    Weiß jemand eigentlich, was bei...  mehr
    14. Juni 2013
  • Wasserjunge
    Wasserjunge Dankeschön für eure Statments und Kritiken, freut mich sehr...! ;)
    Ja, schlimm was geschieht wenn man mit der Natur achtlos umgeht und dann so zu tun als wäre der Klimawandel ein übernatürliches Phänomän das allein eine ...  mehr
    14. Juni 2013