Berichte

Lasst die Party steigen!

  • Ich muss zugeben, da hatte ich noch nicht drüber nachgedacht. Party und Umweltschutz waren für mich immer zwei getrennte Dinge. Denn nicht umsonst gelten Clubbesucher als egozentrische Menschen. Sie wollen Spaß, gute Laune und die Sorgen des Alltags vergessen. Was da auf den ersten Blick definitiv nicht zusammenpasst sind zwei Dinge: Party und Verantwortung.

    Doch Jacob Bilabel zeigt: das geht! Er ist der Gründer der Green Music Initiative. Seit 5 Jahren organisiert er regelmäßig Musikfestivals, bei denen die Feierwütigen selbst mit anpacken müssen. Denn damit die Musik spielt, stehen neben dem Mischpult vier Fahrräder bereit, auf denen kräftig gestrampelt werden muss. Zunächst war Bilabel skeptisch, ob das nicht die Stimmung verderben würde. Doch das Gegenteil ist der Fall! Meist feuern sich die Menschen gegenseitig an, bilden Grüppchen und wechseln sich ab. Von Party-Flaute keine Spur!


    Die Green Music Initiative berät nun Veranstalter dabei, ihre Festivals und Partys möglichst umweltfreundlich auszurichten. Es werden Leitlinien erarbeitet wie man Strom einsparen kann und wo am meisten CO2 produziert wird.
    Was für Bilabel dabei ganz wichtig ist, ist der Spaßfaktor. „Viele haben Angst, dass der Spaß ausbleibt, wenn sie auf die Umwelt achten“, sagt er. Doch das muss nicht so sein. Sein Ziel ist ein subtiler Wandel, hin zu einer grünen Zukunft an der alle Freude haben. Statt also die Musik leiser zu drehen, weniger Licht einzusetzen und früher zu schließen hat er neue Konzepte entwickelt.
    „Sehr viel Energie geht beispielsweise durch schlechte Kühlschränke verloren, die Sponsoren gratis hinter die Theke stellen“, so Bilabel. Da reicht es oft schon aus, diese etwas von der Wand wegzurücken, besser zu isolieren oder sich eigene, energieeffizientere Geräte zu kaufen. Außerdem macht es einen großen Unterschied wenn die Klimaanlage regelmäßig gereinigt wird und bei Tageslicht geputzt wird. Unter diesen Maßnahmen leidet die Feierlaune auf jeden Fall nicht!

    Noch mehr lässt sich bei Festivals verändern. Seit drei Jahren arbeitet die Green Music Initiative mit den Betreibern des Melt!-Festivals zusammen. Früher wurde an den drei Tagen des Festivals so viel CO2 produziert und Strom verbraucht, wie bei einer durchschnittlichen Kleinstadt. Das neue Konzept ermutigt Fans dazu mit Fahrgemeinschaften anzureisen, es werden günstige Bahntickets angeboten und eine gemeinsame Radtour zum Festivalgelände organisiert. In Zukunft soll die Bühne mit Solarenergie betrieben werden und das Essen kommt bereits heute überwiegen aus der Region, Fleisch wird nur noch selten angeboten.

    Auch immer mehr Musiker wagen sich an das Thema Nachhaltigkeit heran. Der Sänger Jack Johnson verkauft Fan T-Shirts aus 100% Bio-Baumwolle die in den USA produziert werden und die Band „Radiohead“ beauftrage eine Agentur, den CO2-Abdruck ihrer Tourneen zu berechnen.
    Der Großteil der Emissionen entstand dabei durch die An-und Abreise der Fans, weshalb es z.B. Sinn macht an gut angebundenen Orten zu spielen. Außerdem verursacht jeder Fan allein durch Essen, Bier und Müll im Durchschnitt 3 Kilogramm CO2 - so viel, wie bei 30 Stunden Dauerfernsehen entsteht.

    Jacob Bilabel glaubt, dass die Musikbranche der perfekte Hebel für die grüne Wende sei. Zum einen produziert diese Branche so viel Müll und verbraucht so viel Energie wie wenige andere, zum anderen hat sie einen Vorbildcharakter. Junge Menschen experimentieren und probieren sich aus, was wäre da passender als gleichzeitig ihr Umweltbewusstsein zu schärfen?

    Auch im Ausland gewinnt diese Idee immer mehr Zuwachs. Auf dem Roskilde-Festival in Dänemarkt bekommen die Leute ein kaltes Bier wenn sie eine volle Mülltüte abgeben und auf dem Glastonbury-Festival in England gibt es inzwischen große Mülltrenntrupps von Fans organisiert und sogar kompostierbare Zeltheringe aus Kartoffelstärke, die dem Boden nicht schaden.
    Na, wenn das mal nicht kreativ ist! ;-)

     

     

    Quelle: DIE ZEIT N°23 S. 27

Kommentare

4 Kommentare
  • Fabia
    Fabia Davon habe ich noch nie gehört, aber es ist eine super Sache! Vor allem ist es auch eine Möglichkeit Leuten die sich sonst nicht so für Umweltschutz interessieren das Thema näher zu bringen! :D
    20. Juni 2013
  • Smilex
    Smilex Das ist ja super! Wenn ich mal wieder Zeit und Geld hab, geh ich auf so ein Green Festival :D
    22. Juni 2013
  • AliceimWunderland
    AliceimWunderland Suuuuper Sache, da bekommt man Lust diese Idee umzusetzten und nen grünes Musikfestival ins leben zu rufen... :)
    24. Juni 2013
  • Paulie
    Paulie echt gute sache! ich hoffe das setzt sich durch
    2. Juli 2013