Berichte

Das Waldelefanten-Paradies versinkt im Chaos

  • Das UNESCO-Weltnaturerbe Dzanga-Sangha ist nach dem Putsch in der Zentralafrikanischen Republik stärker bedroht als je zuvor. Wilderer nutzen die Anarchie und machen Jagd auf Elfenbein. Im Nationalpark Dzanga-Ndoki kam es bereits zu einem schrecklichen Angriff bei dem 26 Waldelefanten getötet wurden.

    "Nicht Dzanga-Sangha, oder?" Seit Dezember 2012 war das die bange Frage, die Johannes Kirchgatter fast täglich stellte. Er fragte vor Ort nach, ob es schon etwas Neues gäbe. Kirchgatter ist Referent für das Kongobecken beim WWF Deutschland. "Nicht Dzanga-Sangha, oder?", lautete auch die bange Frage bei seinen Kollegen im Berliner Büro. "Nein, bislang haben wir Glück gehabt" - war die Antwort noch bis März diesen Jahres.

     

    Seit 1990 schützt der WWF Deutschland gemeinsam mit der Landesregierung der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) den Nationalpark Dzanga-Ndoki. Hier im Regenwald leben zahlreiche Waldelefanten und Berggorillas. Der Park ist Teil des länderübergreifenden Schutzgebietes "Trinationale de la Sangha", seit 2012 UNESCO-Weltnaturerbe und bekannt als "Dzanga-Sangha". Nirgendwo sonst können noch über 150 Waldelefanten auf einer einzigen Urwaldlichtung beobachtet werden.

    Im Dezember 2011 jedoch begann eine Revolte gegen den Präsidenten François Bozizé und eine Tragödie nahm ihren Lauf. Die ehemaligen Waffenbrüder des Staatschefs, der sich im Jahr 2003 selbst an die Macht geputscht hatte, wendeten sich nun gegen ihn. Sie bezeichnen sich als Séléka, benannt nach dem Sangha-Wort für Union.

    Inzwischen ist die Zentralafrikanische Republik im Chaos versunken. Am 24. März 2013 hat die Séléka die Macht gewaltsam an sich gerissen. Banguí, die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, wird vom neuen Präsidenten Michel Djotodia regiert. Über 200.000 Menschen sind auf der Flucht. Die UN-Sonderbeauftragte Margaret Vogt erklärte, die Zentralafrikanische Republik würde in der Anarchie versinken. Gerichtsgebäude und Gefängnisse wären zerstört worden - das Justizsystem ist außer Kraft. Weder Polizei noch Militäreinheiten würden zur Verfügung stehen. Gewaltexzesse, Hinrichtungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und Flüchtlingsströme seien an der Tagesordnung.

    Und mitten in diesem Chaos versucht der WWF die Elefanten zu beschützen. Während in vielen Nationen in ganz Afrika die Wilderei seit ein paar Jahren zunehmend eskaliert, galt das einzigartige Schutzgebiet Dzanga-Sangha bislang als sicher. "Die Programme, die wir aufgesetzt haben, zielten immer darauf ab, die lokale Bevölkerung in den Naturschutz einzubeziehen, zum Beispiel als EcoGuards. Der Park ist eine Einkommensquelle für die Leute. Bislang ging dieses Konzept auf. Wenn die Situation aber derart außer Kontrolle gerät, dann sind die besten Konzepte machtlos", sagt Johannes.

    Immer wieder kam es im vergangenen März und April zu methodisch geplanten Plünderungen der Büros des Nationalparks und des WWF, erklärt Bas Huijbregts, Leiter der internationalen WWF-Kampagne gegen die illegale Jagd auf Elefanten. "Wir mussten unsere Mitarbeiter evakuieren, denn die Situation wurde völlig unkontrollierbar. In einer solchen Krise sind wir erst einmal machtlos", sagte er dem Magazin National Geographic.

    Das, was WWF-Mitarbeiter Johannes am meisten fürchtete, trat im Mai 2013 ein: "Eine Gruppe Wilderer hatte sich Zugang zum Dzanga-Ndoki-Nationalpark verschafft. Sie waren mit Kalaschnikows bewaffnet und gaben sich als Angehörige der Séléka aus. Niemand konnte sie aufhalten. Wir können derzeit nur Vermutungen anstellen. Wir denken, dass sie teilweise aus dem Chad kamen. Von einer Plattform aus haben sie Jagd auf die Elefanten gemacht. Unsere Mitarbeiter und die EcoGuards mussten flüchten. Wir haben insgesamt 26 Elefantenleichen gefunden. Allen waren die Stoßzähne entfernt worden." Wie der illegale Elfenbeinhandel dazu beiträgt, Terrorismus in instabilen Regionen zu finanzieren, konnte der WWF mit der Studie "Fighting Illicit Wildlife Trafficking" nachweisen.

    Endlich, auf starken internationalen Druck auch des WWF, hat die neue Regierung nun zugesagt, eine "Conjoint Mission" nach Dzanga-Sangha zu entsenden - einen Konvoi mit bewaffneten Vertretern des Forstministeriums, der Präsidententruppe und des Nationalparks, begleitet von Spezialisten des WWF. Gemeinsam soll vor Ort die Kontrolle wieder hergestellt werden. Mit einem Teil der regional stationierten Séléka-Truppen funktioniert inzwischen auch die Kooperation, Kriminelle können sich nicht mehr so einfach als Séléka-Angehörige ausgeben und werden zur Rechenschaft gezogen. Doch noch ist die gemeinsame "Conjoint Mission“ nur ein Lippenbekenntnis. Schwerbewaffnete Wildererbanden könnten jederzeit wieder einfallen. Im ganzen Süden des Landes tauchen internationale Rohstoffhändler auf, die z.B. Diamantenminen im unberührten Regenwald vorantreiben.

    Der WWF wendet sich daher an die Weltöffentlichkeit, sich für die Rettung des einzigartigen Paradieses einzusetzen: "Die Rebellenregierung lässt die kostbaren Regenwälder des Nationalparks und seiner Umgebung von Wilderern und Rohstoffhändlern plündern - womit auch die einheimische Bevölkerung und insbesondere die indigenen BaAka-Pygmäen ihrer Lebensgrundlage und einzigen Entwicklungschancen beraubt werden. Wir fordern die Weltgemeinschaft auf, diese einzigartige Stätte des UNESCO-Weltnaturerbes zu schützen und das Chaos und die Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik zu beenden", sagt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland.

    Wir werden nicht aufgeben und euch weiter auf dem Laufenden halten.

    Fotos: © naturepl.com; © WWF

Kommentare

15 Kommentare
  • Chamaeleonmuetze
    Chamaeleonmuetze Das ist so schrecklich...einfach nur grausam...
    23. Mai 2013
  • Puma
    Puma Wieso??Wie kann man so was tun?Ich hoffe,dass es noch gut geht.Hoffentlich können sie die Wilderei wieder stoppen und die Zerstörung des Regenwaldes verhindern!!
    26. Mai 2013
  • Himbeere
    Himbeere Ich glaube, dass die Medien auch nicht gerne darüber berichten, weil die USA und Europa die Hauptschuld daran trägt, dass die Zustände in Afrika sind wie sie sind. Afrika wurde jahrelang ausgebeutet und wird es auch heute noch. Vernüpf...  mehr
    4. Juni 2013
  • Makanie
    Makanie Die armen Elefanten. Ist den Wilderern eigentlich bewusst, was sie den Tieren da antun?
    13. November 2013