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Eine Fleischsteuer? Oder reichen mehr Mu(h)t und Grunzsätze?

  • Liebe Fleisch- und Nichtfleischesser,

    Ich bin kein Vegetarier. Ich bezeichne mich vielmehr als semi-bekehrten Inkonsequentarier.

    Was das ist? Eigentlich ganz einfach. Ich nenne so Leute wie mich, die grundsätzlich mit dem

     vegetarischen Gedanken,sympathisieren, aber nicht vollständig von den Grunzsätzen

    völligen Fleischverzichts überzeugt sind. Oder denen schlichtweg der Mu(h)t fehlt.

     

    Daher bin ich also nur semi-bekehrt. Ich halte Fleisch essen nicht für generell falsch, das tun

    Menschen ja schon seit Ewigkeiten. Aber damals herrschten ganz andere

    Rahmenbedingungen. Da war das Schwein noch rosa und die Kuh noch schwarz-weiß und

    nicht lila. Heute spricht man hingegen von "Fleischproduktion". Tiere (auch Fische) sind

    nicht mehr als ein Produktionsfaktor. Das finde ich schon erschreckend.

     

    Hinzu kommt, das Fleischessen enorm zum Klimawandel beiträgt. Die meisten CO2-

    Emissionen entstehen nicht etwa durch den Verkehr, sondern mit Abstand am meisten

    durch unseren Konsum. Und vor allem der Fleischverzehr hat einen riesigen Anteil daran.

    Bevor Schwein oder Rind bei uns auf dem Teller liegen, hat es quasi eine Weltreise hinter

    sich. Der Transport trägt dabei nur zu 7 % an den Emissionen bei. Vor allem die

    Kühlung beim Transport, beim Schlachter im Supermarkt etc. kosten viel Energie.

    Außerdem ensteht bei der Viehhaltung das viel klimaschädlichere Gas Methan

    (im Verleich zum CO2). Wie das genau entsteht? Nun ja, das möchte ich hier nicht erläutern,

    ich denke das wisst ihr ;-).

     

    Was also tun, damit die Kuh wieder glücklich muht und das Schwein noch fröhlich grunzt?

    Ich selber habe meinen Fleischkonsum auf jeden Fall eingeschränkt, esse nur noch ca. 3

    mal pro Woche Fleisch. Das ist ganz toll, aber die meisten machen das leider nicht.

    Toll ist auch Biofleisch, das ist artgerechter und klimafreundlicher. Nur: viel ändern an dem

    Massenkonsum von Fleisch wird das nicht.

     

    In meiner Bachelorarbeit mit dem Thema "Umweltschäden durch die Landwirtschaftspolitik"

    habe ich gelernt, dass es in Deutschland sogar eine Überproduktion (oh Gott, jetzt verwende

    ich auch dieses Wort) an Fleisch gibt und diese auch nur teilweise auf dem Weltmarktab-

    gesetzt werden kann. Außerdem habe ich eine Seminararbeit zur Ökosteuer geschrieben.

    Ähnlich wie bei der Tabaksteuer werden Mineralöl und Strom besteuert, damit der Verbrauch

    teurer wird und dadurch zurückgeht. Eigentlich eine ganze einfache Idee: je teurer ein

    Produkt wird, desto weniger wird es nachgefragt. Als Ökonom überzeugt mich das. Wo die

    Moral für weniger Fleischkonsum bei mir scheitert, macht dieser einfache Zusammenhang

    irgendwie Sinn bei mir. Wieso kaufen so wenig Menschen im Biomarkt? Weil es sehr teuer

    ist! So würde das bestimmt auch beim Fleisch wirken. Würde das Minutenschnitzel bei

    Lidl nicht mehr 1, 20 € sonder 2,40 € Kosten, würde man sicherlich den Verzehr

    einschränken.

     

    Und nun konkret: Man könnte doch eine Steuer auf Fleischprodukte erheben, die nicht von

    Biobetrieben stammen. Dadurch würde sich eventuell auch ein Strukturwandel zugunsten

    dieser Betriebe ergeben. Denn die tierunwürdigen Massenprodukte wären dann ja (fast) so

    teuer wie das Biofleisch. Außerdem würde das sicherlich auch die deutsche Landwirtschaft

    stärken, da deutsche Biobetriebe dann auch preislich mit den Billiganbietern aus dem Aus-

    land mithalten könnten. Die eingenommen Steuergelder (da dürfte sich eine Menge

    ansammeln bei unserem Fleischkonsum...) könnten dann u. a. zur Förderung von

    Biobetrieben und für eine artgerechte Tierhaltung verwendet werden.

     

    Was haltet ihr von der Idee? Glaubt ihr, dass sich das "Fleischproblem" nur durch Moral l

    ösen lässt? Was könnte man sonst noch tun? Welche Schwächen seht ihr in so einer Steuer?

     

    Würd mich freuen über eure Kommentare! Beste Grüße, Markus

Kommentare

21 Kommentare
  • stini
    stini also ich hab für mich entschieden das fleisch ganz weg zu lassen auch wenn meine eltern das nicht so gut finden , wegen des eisenspiegels...aber ich finde das sollte jeder für sich entscheiden...ich finde es schrecklich, wenn tiere nur geboren werden, um ...  mehr
    17. November 2009
  • Maide
    Maide Ein sehr schöner Beitrag! Ich denke genauso wie du! Der Evolution nach sind Menschen Allesfresser, was jedoch nicht bedeutet, dass sie es auch so vollziehen müssen. Früher jagte man auf Notwendigkeit. Früher trug man auch Pelz. Und Pelz bezeichnen wir he...  mehr
    17. November 2009
  • Lasse
    Lasse Ich esse fast nur Bio :) ich finde das hier eine guten Beitrag muss noch weiter nachdenken :|
    19. November 2009
  • joshixxl
    joshixxl stimmt und mann solllte eben fleisch in maßen essen und das schont auch den geldbeutel ;)

    mfg joshixxl
    14. Januar 2010