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Tropical Islands - Urlaubsersatz oder Umweltsünde?

  • In der Brandenburger Gemeinde Halbe, nicht weit von Berlin, wurde im Jahre 2000 eine riesige kuppelartige Luftschiffhalle eröffnet, da jedoch das zuständige Luftfahrtunternehmen bereits zwei Jahre später Insolvenz anmeldete, wurde das Bauwerk rasch umgenutzt zu einer ambitionierten Touristenattraktion: „Tropical Islands“- eine nachempfundene Südseestrand- und Dschungellandschaft mitten im mäßig warmen Deutschland.

    Doch während die umgebaute Einrichtung für zahlreiche Anwohner und Besucher eine viel versprechende und durchaus willkommene Innovation darstellt, stößt der übermäßig hohe Energieverbrauch des Indoor-Dschungels zunehmend auf harsche Kritik …

    Kambodschas Dschungel, Balis Strände – das Konzept!

    Vom malaysischen Unternehmen Tanjong kreiert (und vom Land Brandenburg subventioniert) nahm „Tropical Islands“ von 2002 bis 2004 Gestalt an, bis zum Jahre 2010 gab es noch diverse Erweiterungen, heute arbeiten über 500 Menschen in dem Gebäude.

     

    Thematisch soll die, 66 000 m² große, Erlebnishalle sowohl für Erholungs- als auch für Entdeckungstouristen eine Vielzahl unterschiedlicher Anreize schaffen.

    So gibt es zwei große Pools, der eine als Südsee-Strand, der andere als Bali-Lagune konzipiert, einen großen Saunabereich, mehrere Rutschen, einen Minigolfplatz, verschiedene Spielplatzelemente für Kinder, Fahrgeschäfte, sowie zahlreiche Restaurants, Bars und Übernachtungsmöglichkeiten, durch die nicht nur Tagesausflüge, sondern auch längere Aufenthalte gewährleistet sind.  

    Fester Teil der Einrichtung ist jedoch auch eine Regenwald- und Mangrovenlandschaft mit tausenden tropischen Bäumen und auch einigen Tierarten (Schildkröten, Papageien, Pfauen etc.), die von eher wanderbegeisterten Touristen hinreichend erkundet werden kann.

    Neben Bäumen und Waldtieren zieren mittlerweile auch mehrere Bauwerke, die verschiedenen südostasiatischen Tempeln, Pagoden und Pavillons nachempfunden sind, den künstlichen Dschungelbereich, darunter z. B. auch ein Nachbau der berühmten Angkor Wat-Tempelanlage aus dem tropischen Kambodscha

    Abgerundet wird das Freizeitangebot durch regelmäßige Showprogramme

    Beheizter Sand und verlorene Wärme – die Problemzonen!

    Bei all den Attraktionen, blieben die Besucherzahlen jedoch hinter den Erwartungen zurück. Und dies ist nicht das einzige Problem, auch die Tatsache, dass es beim Bau der Anlage keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gab, die für derartige Großprojekte in der Regel verpflichtend ist, sorgt für Kritik, u. a. von der Deutschen Umweltstiftung.

    Umweltverträglichkeit zählt schließlich nicht zu den Leitmotiven der Halle, so ist die Hülle des Bauwerks für eine Innentemperatur von 19 °C bestimmt, da eine solche Temperatur aber nicht tropisch genug erscheint, werden Teile der Halle auf 26 °C beheizt.

    2005 wurde die alte Hülle an der Südseite des Gebäudes durch eine UV-lichtdurchlässige Folie aus ETFE ersetzt, da die Pflanzen des Indoor-Dschungels sonst nur unzureichend mit Tageslicht versorgt und deshalb eingegangen wären. Doch nun kommt es durch diese lichtdurchlässige Hülle, sowie durch das stetige Beheizen des Sandes am künstlichen Südsee-Strand, zu permanenten Wärmeverlusten.

    Auch Energieverluste sind zu vermelden, da die Abluft, ohne jegliche Wärmerückgewinnung, einfach aus dem Gebäude entweicht. Dies liegt daran, dass die Halle nur über eine ungenügende Wärmedämmung verfügt und dass Teile, z. B. Stahlträger, Fenster und Türen, überhaupt nicht gedämmt sind, wie eine Thermografieuntersuchung, im Auftrag der Brandenburger Grünen, hinreichend dokumentierte.
    Außerdem betonen die Grünen, dass man mit einer gewöhnlichen Wärmedämmung auch die Entstehung von Kondenswasser an den Außenwänden verhindern könnte. Derzeit werden, als Gegenmaßnahme zur Kondenswasserbildung, die Außenwände durch so genannte Wandheizungen einfach erwärmt, dies ist für die Grünen eine völlig überflüssige zusätzliche Energieverschwendung.



    Die Journalistin und Autorin Dr. Hannelore Gilsenbach kritisiert nicht nur den hohen CO2-Ausstoß der Halle durch die intensive Beheizung, sondern wirft den Planern des Projekts auch eine verfälschende, kommerzielle Darstellung des Regenwaldes vor, die stark von der Realität abweicht und die Wichtigkeit echter Regenwälder für die weltweite Artenvielfalt und den CO2-Haushalt überhaupt nicht deutlich macht. Kritisch sieht Gilsenbach auch die Tatsache, dass auf dem künstlichen Sandstrand von „Tropical Islands“ hunderte Liegen aus Tropenholz stehen.

    Die Deutsche Umweltstiftung fasst die ökologische Problematik letztlich folgendermaßen zusammen: „Um den jährlichen CO2-Ausstoss [von „Tropical Islands“] auszugleichen, bräuchte es weit über 2 Millionen Regendwaldbäume. Derzeit verringert sich die Waldfläche jedoch weltweit um jährlich etwa 13 Millionen Hektar.“

    Nach Meinung der Umweltstiftung sollten die Bundesländer, in Anbetracht der geplanten Bemühungen zur Energiewende, solche verbrauchsintensiven Freizeiteinrichtungen in Zukunft überhaupt nicht mehr fördern.

    Wie seht ihr das? Stimmt ihr der Stiftung zu oder findet ihr, dass auch solche Erholungsoasen (und die damit verbundenen Arbeitsplätze) erhalten werden sollen?
    - Schreibt es in die Kommentare!

    gez. Maxim Podobed 2013

Kommentare

19 Kommentare
  • Marielle
    Marielle Was schreib ich eigentlich? anspruchsvoll :) ansprechend, meinte ich natürlich, aber ich denke ihr wisste was ich meine :)
    Wenn ich jetzt so die Wärmebildkamera aufnahmen sehe, wird mir richtig schlecht. Das ding ist vielleicht für einiges ...  mehr
    17. Mai 2013
  • Lena15
    Lena15 Wie man seinen Urlaub verbringen will ist, denke ich, jedermanns eigene Sache, aber Tropical Island könnte auch gute Seiten haben! Evtl. Familien die nicht das Geld haben um in den Urlaub zu fahren könnten dort jedenfalls ein bisschen was erlebe...  mehr
    19. Mai 2013
  • Puma
    Puma Ich hab mir nur die ersten paar Wärmebilder angeschaut und will gar nicht mehr.Viel zu erschreckend...
    Im Übrigen stimme ich Rhino zu:Urlaub sollte anspruchsvoll sein und man sollte nicht in ein anderes Land fahren um sich da zu besaufen oder so...  mehr
    21. Mai 2013
  • anne.toni
    anne.toni Tropical Islands, dieses Urlaubsparadies also...
    Ich denke, dass das wirklich stark unter dem Wegzug der Einheimischen leidende Brandenburg sich da in eine Investition gestürzt hat, die dem Bundesland mal ein bisschen auf die Beine helfen sollte. Al...  mehr
    13. Juni 2013