Berichte

Zoo-Report: Seltene Goldjungen!

  • Der „Zoo-Report“ diesmal mit der ungewöhnlichen Nachzucht einer ungewöhnlichen Raubkatzenart!

    Im Münsteraner Allwetterzoo sind Raubkatzen seit Jahrzehnten eine feste Größe und neben altbekannten Vertretern, wie Löwe, Tiger, Leopard und Gepard, findet sich in dem nordrehein-westfälischen Tiergarten auch eine echte Rarität: die Asiatische Goldkatze (Pardofelis temminckii)!

    Nur sieben Zoos in ganz Europa zeigen die seltene Raubkatzenart und nur vier von ihnen gelingt derzeit die Zucht.

    Im Allwetterzoo Münster wurden Goldkatzen bereits 1985 nachgezüchtet, in den letzten Jahren blieben sämtliche Paarungsversuche aber leider erfolglos, sodass man Anfang 2013 zu einer völlig neuen Strategie überging – und das mit Erfolg: am 07. April gelang dem Allwetterzoo die weltweit erstmalige Goldkatzen-Geburt durch künstliche Besamung!

    Die Vorbereitungen begannen bereits diesen Januar, dabei holte sich der Zoo Unterstützung durch die Tierärztin Dr. Imke Lüders von der Firma „Geolifes“, die sich auf die wissenschaftliche Betreuung fortpflanzungsbereiter Haus-, Nutz- und Zootiere spezialisiert hat.

    Als erster Schritt wurde dem Goldkatzen-Kater Lao unter Narkose Samen entnommen. Nach hinreichenden Untersuchungen konnte schließlich auch die Katze Sua Fai als paarungsbereit identifiziert werden und die Besamung wurde plangemäß durchgeführt. 

    Um die darauf folgende 85-tägige Tragezeit so ruhig und problemlos wie möglich zu gestalten, verbrachte Sua Fai die letzten Monate hinter den Kulissen in einer, nur für Personal einsehbaren, Innenanlage.

    Am 07. April erfolgte dann endlich die heiß erwartete Geburt zweier gesunder Raubkatzenbabys!

    Das Experiment hat somit bereits den erhofften Erfolg gezeigt, doch die Begeisterung wurde recht schnell getrübt, denn man musste leider feststellen, dass Sua Fai lediglich eines der beiden Jungen pflegte und aufzog, während das Zweite von der Katzenmutter einfach ignoriert wurde.

    Dies führte letztlich zum Entschluss der Zooleitung, im Anbetracht der Seltenheit eines solchen Zuchterfolges, das zweite Junge mit der Hand aufzuziehen.

    Tierpflegerin Carin Fels übernahm hierbei die Aufgabe als Ersatzmutter und steht dem verstoßenen Winzling nun täglich mit Milch, Zuwendung und Pflegeprozeduren zur Seite. Nach einem vietnamesischen Nationalpark benannt, heißt das kleine Kätzchen nun „Cat Ba“! 

    In freier Wildbahn bewohnen Asiatische Goldkatzen tropische und subtropische Wälder in Südostasien. Noch werden sie auf der Roten Liste nicht als gefährdet angesehen, durch zunehmende Entwaldung ist für die scheuen goldbraunen Kleinkatzen jedoch immer weniger Lebensraum vorhanden, hinzu kommt außerdem eine nach wie vor intensive Bejagung, da das markante Fell der Goldkatzen auf dem Schwarzmarkt recht hohe Gewinne einbringt.

    In europäischen Zoos werden mittlerweile alle drei Unterarten der Asiatischen Goldkatze gezeigt, die Westliche Goldkatze, die Östliche Goldkatze und die Tibet-Goldkatze.
    Gezüchtet wird allerdings nur innerhalb einer Unterart, so sichert man den Erhalt der genetischen Reinheit bei den derzeit etwa 20 Zoo-Exemplaren!
    Praktischerweise gibt es in deutschen Tierparks nur die Unterart Östliche Goldkatze (Pardofelis temminckii temminckii), deshalb können z. B. die Zoos von Münster und Heidelberg ihre Exemplare immer wieder untereinander austauschen, wenn es in einem der Zoos mal zu Unverträglichkeiten etc. kommt. Anders ist es z. B. im Zoo Edinburgh/Schottland, dort wird die Unterart Tibet-Goldkatze (Pardofelis temminckii tristis) gehalten, diese darf sich keinesfalls mit den Münsteraner oder Heidelberger Tieren paaren, da man so nur Hybride heranzüchten würde.

    Damit diese strengen Zuchtbestimmungen auch ausnahmslos eingehalten werden, gibt es ein spezielles Goldkatzen-Zuchtbuch, das vom Tiergarten Heidelberg geführt wird. Dort sind sämtliche europäischen Exemplare, sämtliche Zuchterfolge, sämtliche Abgaben und Austauschaktionen, sowie Informationen zur Gesundheit und Unterart der Tiere sorgfältig vermerkt.
    Die Speicherung all dieser Informationen ist enorm wichtig, um Inzest und Hybridzucht zu verhindern. Außerdem kann jeder Zoo, der irgendwann nur noch ein einziges zeugungsfähiges Exemplar besitzt, im Zuchtbuch nachschauen, ob es vielleicht anderswo ein überschüssiges Tier gibt, das als potentieller Zuchtpartner in Frage käme – diese praktischen Zuchtbücher gibt es übrigens auch für andere Arten, z. B. den Tiger oder den Leopard.

    Doch bei all der Mühe, die bei der Zucht der europäischen Zoo-Katzen aufgewendet wird, sollte keinesfalls außer Acht gelassen werden, dass auch nach der erstmalig erfolgreichen künstlichen Besamung, der Erhalt des natürlichen Lebensraumes und der Schutz der Wildpopulation vor intensiver Wilderei für diese und andere Raubkatzenarten nach wie vor oberste Priorität hat.
    Der Allwetterzoo Münster geht in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel voran und unterstützt seit Jahren mehrere Schutzgebiete in Vietnam und Kambodscha, dort haben neben vielen bedrohten Affen- und Vogelarten auch die scheuen Goldkatzen ein sicheres Refugium.

    Die frisch geborene „Cat Ba“ und ihre Schwester fungieren nun als Botschafter für die bedrohten asiatischen Artgenossen.
    Hoffen wir mal, dass die niedlichen Geschöpfe in Zukunft noch möglichst viele Besucher für den Fortbestand ihrer, leider recht unbekannten, Spezies sympathisieren können!

    Text: Maxim Podobed
    Bilder: © Allwetterzoo Münster, © Karen Stout

    Zum letzten Zoo-Report, indem es um die Auswilderung zweier Frankfurter Nashörner geht, gelangt ihr hier!
     

Kommentare

10 Kommentare
  • missjennifer
    missjennifer Die sind ja echt schön! Klasse Bericht :)
    7. Mai 2013
  • RichardParker
    RichardParker Die Babys sind so süß, wie schön das der Zoo Nachwuchs bekommen hat!
    7. Mai 2013
  • Puma
    Puma Die sind ja total knuffig!! Ich freu mich,dass das Befruchten geklappt hat und das das zweite Junge eine liebevolle Pflegemutter hat :)
    25. Mai 2013
  • Monamona
    Monamona Von Goldkatzen habe ich vorher noch nie gehört, schön, dass es jetzt wieder zwei mehr gibt ;)
    10. August 2013