Berichte

Neuseelands letzte Pardiese- Tiritiri Matangi Island

  • Hey Leute. Ich möchte mich euch vorweg erstmal kurz vorstellen. Mein Name ist Nils und ich bin zurzeit in Neuseeland. Wie viele hier hab ich letztes Jahr mein Abi gemacht und wollte vor dem Studium noch ein Jahr im Ausland verbringen. Nach vielem Hin und Her überlegen hab ich mich schlussendlich für Neuseeland entschieden. Ich hab mir ein Auto gekauft und bin durch das ganze Land gefahren. Eines meiner schönsten Erlebnisse war die Vogelschutzinsel Tiritiri Matangi Island direkt vor der Küste Aucklands, auf der ich die Möglichkeit hatte, sieben Tage als Freiwilliger zu Arbeiten.

    Ein Kereru (Maori- Fruchttaube). Ohne Scheu kann man sich dem Vogel nähern. Dies liegt einerseits daran, dass die Vögel auf Tiritir Matangi keine Gefahr kennen, als auch an den süßen Beeren, die eine leichte Trunkenheit bei den Tauben auslösen.

    Tiritiri Matangi ist ein Erfolgsprojekt wie es im Buche steht. Ursprünglich eine reine Farminsel wurde es mit viel Aufwand und den Anstrengungen vieler Neuseeländer in ein Vogelparadies verwandelt auf denen nun einige von Neuseelands seltensten Vogelarten Leben. Einige davon sind auf den beiden Hauptinseln Neuseelands schon bereits komplett ausgestorben. Tiritiri Matangi Island ist als wissenschaftliches Reservat gekennzeichnet und ist voll von Biologen und Wissenschaftlern von allen Universitäten Neuseelands, die auf der Insel unterschiedliche Untersuchungen anstellen und wird von dem Department of Conservation (der neuseeländischen Umweltbehörde) und einem privaten Fond, den Supporters of Tiritiri Matangi Island verwaltet. Tiritiri Matangi ist „Pest- Free“, dass heißt frei von Katzen, Mardern, Ratten, Schweinen und verschiedenen eingeschleppten Pflanzenarten, die Seit ihrer Ankunft hier in Neuseeland durch die Menschen, den einheimischen Tieren und Pflanzen das Leben schwer machen.

    Neuseelands größtes Problem ist seine Einzigartigkeit. Nirgendswo auf der Welt konnten sich die Vögel gegenüber den Säugetieren so erfolgreich durchsetzen wie hier. Nirgendswo sonst konnte die Evolution so einzigartige Richtungen einschlagen. Drei Meter große, flugunfähige Laufvögel, nachtaktive, langschnablige Vögel mit verkümmerten Flügeln und riesige, grillenartigen Insekten prägten und prägen die Tierwelt Neuseelands. Pflanzen entwickelten kaum Giftstoffe, da Freßfeinde größtenteils nicht vorhanden waren.

    Ein Kokako (eine Lappenkrähe). Einer der zwei Überlebenden Lappenvogelarten, die nur in Neuseeland vorkommen. Wie ein Eichhörnchen springt er von Baum zu Baum und ernährt sich von Blättern. Fliegen kann er nur schlecht. Dafür aber um so schöner singen.

    Sich in Neuseeland aktiv für den Schutz der heimischen Flora und Fauna einzusetzen ist überraschend einfach. Einfach auf der Seite vom Department of Conservation für eines der dort aufgelisteten Freiwilligenprojekten bewerben und wenige Tage später kommt bereits eine Antwort, wann für das jeweilige Projekt noch Platz frei ist. Für Tiritiri Matangi ist die Warteliste recht lang. Drei Monate sollte man sich auf jeden Fall vorher für das Projekt bewerben, da es besonders unter den Auckländern sehr beliebt ist.

    Ich hatte mich bereits aus Deutschland beworben und einen Platz für eine Woche im November zugesichert bekommen, dem Neuseeländischen Frühsommer.
    Die Hauptaufgabe als freiwilliger Helfer ist es, den Rangern vom Department of Conservation zur Hand zu gehen. Ich teilte mir die Arbeit mit Jane, einer Neuseeländerin von der Südinsel, die ebenfalls zum Helfen auf Tiritiri Matangi war.
    Da die meisten wichtigen Arbeiten bereits erledigt waren, hatte unsere Rangerin Jess relativ wenig für uns zu tun. Wir mussten die Wetterstation kontrollieren, die Wasserbecken für die Vögel reinigen und dem Amerikaner Chris bei der Versorgung der Stitchbirds helfen. Dementsprechend hatten wir relativ viel Zeit, die Insel zu erkunden, Jess über die Schulter zu schauen und den Wissenschaftlern bei ihren Arbeiten zu helfen.

    So halfen wir einmal einem Team von der Universität Auckland bei Untersuchungen bezüglich einer Geckoart, die auf der Insel angesiedelt werden sollte. Dazu sollte ermittelt werden, welche Kleinstlebewesen sich in dem ausgewählten Gebiet befänden. In kleinen Becherfallen wurden diese dann eingefangen und gezählt.

    Neben Spinnen und Würmern verirrte sich auch mal ein Kupferskink in die Becherfalle.

    Ein Andermal bin ich mit Michelle mitgegangen, die Untersuchungen an den Bellbird- Jungen anstellte um rauszufinden, woher diese ihren Gesang erlernen. Dafür musste Sie regelmäßig deren Nester kontrollieren und die Jungen mit Ringen versehen um diese genau zu markieren.

    Ein Bellbird- Junges (ein Maori- Glockenhonigfresser) wird von Michelle beringt.

    Das Absolute Highlite war aber wohl der medizinische Check zweier Takahe, einem etwa hühnergroßen blau- grünlichem Vogel, von dem es heute nur noch knapp 200 Exemplare gibt und der bis zu seiner Wiederentdeckung 1948 als ausgestorben galt. Im Rahmen der nationalen Zuchtbemühungen der Takahe sollten diese beiden Exemplare in ein anderes Reservat verlegt werden. Zuerst musste aber sichergestellt werden, dass beide völlig gesund sind. Deswegen halfen wir Jess die beiden Vögel einzufangen und zu wiegen so wie sie zu impfen.

    Nach kurzer Verfolgung und mit Keschern bewaffnet hatten wir die Takahe dann schnell für die Impfung gefangen. Die haben sich nicht sonderlich gefreut. Aber wer freut sich schon auf seine Impfung...

    Ein ganz anderes Gesicht zeigte Tiritiri Matangi Island bei Nacht. Ich und ein paar andere haben mehrmals kleine Nachtwanderungen über die kleine Insel unternommen. Nachts verstummt das gekreische und der Gesang der Vögel, Kiwivögel streifen durch das Unterholz und Pinguine laufen vom Strand zu ihren Nestern.

    Im Großen und Ganzen hatte ich eine wunderbare Zeit auf Tiritiri Matangi Island. Nirgendswo sonst in Neuseeland hab ich bis jetzt so viele einheimische, freilebende Vogelarte gesehen wie hier, auf der kleinen Insel vor der Küste Aucklands.

    Ein Tuatara (eine Brückenechse). Ein "lebendes Fossil" deren Verwandten schon vor 200 Millionen Jahren existierten. Tuataras besitzen neben ihren zwei Augen noch ein drittes auf der Oberseite ihres Schädels.

Kommentare

4 Kommentare
  • LSternus
    LSternus Cool. Es muss dort traumhaft sein. Schade, dass es so weit weg ist.
    19. April 2013
  • Leoniie
    Leoniie Das klingt ja echt wunderbar!!! Eine Frage noch, hat diese Organisation alles organisiert also Unterkunft/ Hinreise etc. oder musstest du das alles selber regeln? Kannst du dazu vielleicht noch ein bisschen erzählen vielleicht auch über den Kost...  mehr
    21. April 2013
  • Wasserjunge
    Wasserjunge Ich möchte später auch unbedingt nach Neuseeland! Schon seid Jahren...
    Guter Bericht, Danke für die Info´s. :)
    21. April 2013
  • Nils93
    Nils93 Mhm... Also du musst dir das ein bisschen anders vorstellen. Ich bin ohne Organisation nach Neuseeland gefahren. Ich hab mir ein Flugticket geholt und bin einfach hin. Ich hab mir hier dann ein Auto gekauft und bin los. Du kannst auch mit Organisation hin...  mehr
    27. April 2013