Berichte

Zeugen der illegalen Fischerei

  • Unsere Weltmeere sind riesig und keiner kann überall zur gleichen Zeit sein. Von daher war es bis jetzt relativ einfach, illegalen Fischfang zu verschleiern und in Schutzgebieten zu fischen, ohne dass es je jemand mitgekriegt hätte. Doch das ist nun vorbei!

    Der WWF hat in Zusammenarbeit mit dem Münchener Technologie-Dienstleister „navama“ ein Satellitenprogramm entwickelt, welches die genauen Routen von großen Fischereischiffen aufzeichnet.

    "Dieses Instrument bedeutet einen Quantensprung für den Naturschutz, vergleichbar mit der Erfindung der Dampfmaschine in der industriellen Revolution", erklärt Alfred Schumm, Leiter des Globalen Fischereiprogramms des WWF. Eine gute Kontrolle ist der Schlüssel um in Zukunft effektiv gegen die weltweite Überfischung vorzugehen.

    Das Prinzip des neuen Programms ist einfach: jedes größere, kommerziell genutzte Schiff (in Europa momentan ab einer Länge von 24 Metern) ist mit einem sogenannten Anti-Kollisionssystem „Automatic Identification System“ - kurz AIS - ausgestattet. Aus Sicherheitsgründen wird es auf hoher See genutzt, um Daten über das Schiff und seine Position via Satellit zu erhalten. Die neu entwickelte Software von navama ermöglicht es dem WWF nun, auch die genaue Route und Geschwindigkeit des Schiffes nachzuvollziehen. Daraus lässt sich ein Bewegungsmuster erstellen, mit welchem auf etwaige illegalen Aktivitäten geschlossen werden kann.

    Fährt ein Schiff zum Beispiel mit mehr als zehn Knoten geradlinig, so fährt es durch ein Gebiet hindurch. Wird es aufeinmal langsamer und fährt ein Zickzack Muster, ist das ein Indikator für einen Trawler, der ein Netz hinter sich her zieht. Fährt das Schiff nun sehr langsam, fischt es möglicherweise mit einem Bodenschleppnetz. Auch der Thunfischfang geht mit einem ganz bestimmten Muster einher.

    Ebenfalls verdächtig ist es natürlich, wenn das Signal für eine bestimmte Zeit aussetzt und dann wieder einsetzt. Dies deutet dann darauf hin, dass das AIS, um unerkannt zu bleiben, für kurze Zeit ausgeschaltet wurde.

    Auch Schiffe die sich auf See treffen sind verdächtig, da sie möglicherweise Fisch umladen. Um die Herkunft von dem Fisch zu verschleiern oder Quoten zu umgehen, wird dieses sogenannte "Transshipment" immer häufiger genutzt.

    Dank der neuen Technologie können nun insbesonder Schutzgebiete und Gebiete mit bestimmten Schonzeiten deutlich besser überwacht werden.
    Diese ganzen Muster sind natürlich noch keine Beweise, aber immerhin Hinweise, nach denen dann gezielt ermittelt werden kann.

    Der WWF will damit aber keinesfalls als „Meerespolizei“ auftreten, um die Fischer zu überwachen. Aber umso mehr Transparenz geschaffen wird, desto besser werden die Fischbestände geschützt.

    So können die Politik und die Verbraucher besser informiert werden und letztendlich - so die Hoffnung - auch die Fischindustrie selbst zu nachhaltigen Fischereimethoden gebracht werden.

    Der WWF arbeitet nun noch an einer Ausweitung des AIS-Systems, sodass auch kleinere, kommerziell genutzte Fischerboote erfasst werden.

    "Für einen glaubwürdigen Kurswechsel zu nachhaltiger Fischerei muss die EU auch daran arbeiten, dass ihre Regeln eingehalten werden", fordert Schumm. "Ein großer Schritt wäre, wenn die satellitengestützte Rückverfolgbarkeit für die gesamte EU-Flotte und alle Schiffe, die europäische Häfen anlaufen, zur Pflicht gemacht wird."

     

    Quellen:

    http://www.wwf.de/themen-projekte/meere-kuesten/fischerei/satellitentechnik-gegen-illegale-und-unregulierte-fischerei/

    Satelittenfoto: © Google Earth

Kommentare

8 Kommentare
  • Franzi
    Franzi @Melbelle: Ja, aber genau dafür sollen die Informationen genutzt werden! Du hast natürlich Recht, nur überwachen bringt erstmal gar nichts, aber man kann auch niemanden bestrafen wenn man überhaupt keine Hinweise hat, dass er etwas ill...  mehr
    10. April 2013
  • Helen1698
    Helen1698 Ich hoffe, das bringt was! Ich seh\'s genauso wie Urmeli: diese Überwachung schüchtert glaube ich auch ganz schön ein!
    15. April 2013
  • AliceimWunderland
    AliceimWunderland Klingt echt nach einem Quantensprung wenn es sinnvoll genutzt wird, sprich das die Information auch an diejenigen weitergeleitet werden, die Sanktionen verhängen können.
    Ich denke auch, dass es erstmal helfen wird, da man die Technik aus eigenen...  mehr
    16. April 2013
  • lotte98
    lotte98 wird echt zeit dass etwas passiert! ich hoffe die überwachung bringt etwas...
    8. Mai 2013