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Leben im Haus der Zukunft

  • Ein Haus, das sich selbst mit Strom versorgt, kaum Heizung braucht und komplett recyclebar ist: Das Plus-Energie-Haus produziert sogar mehr Strom als es verbraucht. Familie Wieches lebt dort in einem Langzeitversuch seit nunmehr 14 Monaten. Die Jugendlichen des 2°Campus vom WWF Deutschland haben sich einen genaueren Überblick verschafft.

    Das dieses Haus kein normales ist, lässt sich schon von außen sehen. Wie ein überdimensioniertes Garagentor aus Glas und Solarzellen steht das Haus nahe der Technischen Universität Berlin. Vor dem Eingang flimmern die Bildschirme in den Wänden, die das Plus-Energie-Haus im Detail erklären. Das hier jemand wohnen soll, lässt sich nicht unmittelbar erkennen.

    Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ließ das von der TU Darmstadt entwickelte Haus 2011 in Berlin-Tiergarten errichten. Aus rund 130 Bewerber-Familien bekam die vierköpfige Familie Wieches die Zusage, für 15 Monate in dem rund 130m² großen und futuristisch wirkenden Haus zu leben. Die Familie soll Erfahrungen sammeln – und die Teilnehmer des 2°Campus durch ihr Haus führen.

    Der durch den Nachhaltigkeitsrat ausgezeichnete 2°Campus des WWF und der Robert Bosch Stiftung bieten zum zweiten Mal 20 Jugendlichen die Möglichkeit in die Welt der Wissenschaft einzutauchen. Über das Jahr verteilt befassen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter zwischen 15 und 19 Jahren mit den Themen Umwelt- und Klimaschutz.

    Das ganz normale Leben in der Nachhaltigkeit

    Eines sagt die 13-jährige Freyja Wieches gleich vorweg: Sie leben wie eine normale, vierköpfige Familie. Fernseher, Musikanlage, Kühlschrank und viele weitere elektronischen Geräte sind vorhanden. Zwar sind diese Geräte mit der höchsten Energieeffizienz versehen, doch unterm Strich ist der Verbrauch hoch. Hinzu kommen zwei Elektrofahrzeuge und neben Luftwärmepumpe und Wärmetauscher noch allerlei technische Raffinessen hinzu.

    Zwar erzeugt das Haus mehr Strom als es verbraucht, dennoch lässt es sich nicht vermeiden, dass das ein oder andere Mal der Strom aus dem öffentlichen Netz bezogen wird. Denn gerade in der wolkigen und sonnenarmen Winterzeit, produzieren die Solarzellen auf dem Dach nicht genügend Strom. Dennoch, so Vater Wieches, „saßen wir noch nie im Dunkeln.“ Damit auch an sonnenarmen Tagen oder Wochen nicht das öffentliche Stromnetz benötigt wird, lässt sich überschüssiger Strom durch Lithium-Ionen-Akkus speichern. Diese befinden sich aufgrund der Brandgefahr außerhalb des Hauses und kommen von alten Elektrofahrzeugen.

    Haushalt per Display

    Im Inneren des Hauses zeigt Freyja den Jugendlichen stolz das Display, mit dem sich Funktionen des Hauses mit den Fingern bedienen lassen. So hat Familie Wieches für zu speziellen Uhrzeiten Einstellungen programmiert: Morgens gehen die Jalousien automatisch hoch, abends gehen einige Lichter aus, die Heizung reguliert sich. Und dennoch: „Nicht die gesamte Technik macht Sinn oder ist nötig“, sagt Herr Wiechers.

    Neben den technischen Möglichkeiten, die das Haus nutzt, sind viele Einsparmöglichkeiten nur durch eine sehr gute Dämmung möglich. Sie besteht aus einer 76 Zentimeter dicken Wand aus Hanf und Zellstoff und ist somit komplett wiederverwendbar. Gerade der Punkt Wiederverwendbarkeit wird beim Plus-Energie-Haus groß geschrieben. Denn rund 60 Prozent des anfallenden Mülls auf deutschen Mülldeponien besteht aus Bauschutt, welcher von alten Häusern stammt und als Sondermüll gilt.

    „Zeigt, was möglich ist“

    Tobias Krug, Experte für Energieeffizienz und Gebäude des WWF Deutschland, sieht das Plus-Energie-Haus als „einen wichtigen Beitrag zur Energiewende im Gebäudesektor. Dieses Projekt und viele andere Beispiele zeigen, was schon heute technisch möglich ist.“

    Familie Wieches ist überzeugt vom Haus der Zukunft. Ob sie denn wieder in einziehen würden, wenn dies machbar wäre? „Auf jeden Fall“, sagen Freyja und ihr Vater. "Aber dann bitte im Prenzlauer Berg.“

    Bilder: © A. Morascher / WWF

Kommentare

8 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Klingt insgesamt so, als wäre das Ganze noch sehr ausbaufähig.
    Bin gespannt, was die nächsten Jahre noch so auftaucht.
    28. März 2013
  • JohannesB
    JohannesB @Peet:
    Völlig klar, Geschmack ist subjektiv.
    Der Punkt ist nur, dass die Leute ja bereit sein müssten, in einem effizienten Haus zu leben: Sie müssen sich darin auch wohlfühlen.
    Wenn\'s nur "hässliche" Energiespar-Geb...  mehr
    28. März 2013
  • Peet
    Peet @Johannes: Wie die Familie schon sagte, sie würden jede Chance nutzen, um wieder in diesem Haus zu wohnen. Scheinen sich also dort wohl zu fühlen. Die einen mögen diese Richtung, die anderen diese. Und die Familie kam mir jetzt nicht irgend...  mehr
    29. März 2013
  • Fabia
    Fabia Ich denke der Punkt bei dem Haus ist ja weder das Aussehen noch die Lage des Grundstücks (was sich beides auch bestimmt teilweise ändern lassen könnte), sondern das was dahinter steckt! Außerdem sagt das äußere eines Hauses...  mehr
    30. März 2013