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Wie Fische zu Vegetariern werden

  • "Frischer Fisch, frischer Fisch! Wer will frischen Fisch?!"
    Ja, der Hunger der Menschen nach gutem Fisch ist unersättlich und der Bedarf steigt unerbittlich. Doch unsere Meere, Flüsse und Seen geben nicht unendlich viel her!
    Die Fangmenge liegt momentan bei etwa 90 Millionen Tonnen Fisch pro Jahr, viel mehr ist nicht zu holen. Und wir alle kennen die Probleme der Überfischung. Hinzukommt, dass schon heute die Ernährung vieler Menschen nicht gesichert ist - das wird in Zukunft noch schlechter aussehen, wenn wir so weitermachen wie bisher.

    Was kann man also tun, wenn die Meere nicht mehr Fisch hergeben? Richtig, man züchtet den Fisch! Klingt ziemlich simpel und hat auch tatsächlich einige Vorteile. Zum einen werden, wie schon erwähnt, die Bestände der Weltmeere geschont. Außerdem benötigt ein Zuchtfisch weitaus weniger Futter als ein wildlebender Fisch, da er so gut wie keine Kalorien für die Jagd aufwenden muss. Aber genau da liegt auch schon da größte Problem: denn auch wenn ein in einer Fischfarm gezüchteter Fisch weniger Futter braucht, fressen muss er trotzdem!
    Dieses Futter ist gar nicht so leicht zu beschaffen, schließlich sind die meisten Speisefische die wir kennen keine Vegetarier! Eine Forelle zum Beispiel frisst mit Vorliebe Insekten, kleine Fische und Krebse.

    Und hier tut sich auch schon das erste Paradox auf: denn um die in Gefangenschaft lebenden Fische zu füttern, werden nun Fische aus dem Meer in Fabriken zu Fischmehl verarbeitet, um dann an die Zuchtfische verfüttert zu werden. So viel also zum Thema: Schutz der Weltmeere!
    „Die weltweite Fischmehlproduktion liegt zwischen viereinhalb und sieben Millionen Tonnen pro Jahr“ , sagt Ulfert Focken, Experte für Aquakultur und Fischernährung am Thünen-Institut für Fischereiökologie in Ahrensburg. Diese Menge lasse sich aber einfach nicht mehr groß steigern. Um den Bedarf an Speisefisch auch weiterhin zu decken, hatten norwegische Forscher nun eine interessante Idee: warum können nicht auch Fische vegetarisch leben?!

    Fische benötigen sehr viel Eiweiß, können jedoch fast ihre gesamte Energie in Wachstum und Bewegung umsetzen, da sie wechselwarme Tiere sind und keine Kalorien für den eigenen Wärmehaushalt aufwenden müssen.
    Der Fischmehlanteil im Futter der Fische soll nun Stück für Stück verringert und durch pflanzliche Stoffe ersetzt werden.
    Was hierbei wichtig ist: die Mischung machts! Denn auch eine Forelle lässt sich nicht von heute auf morgen dazu bewegen keinen Fisch mehr zu essen ;-)

    Und, was nimmt man da jetzt so, um den Fisch zufriedenzustellen? Nun, herkömmlich sind Soja, Raps und Weizen. Kombiniert man diese mit ein paar Vitaminen, Mineralien und Aminosäuren, hat man das perfekte Futter für die Fische. Denn natürlich darf es der Gesundheit der Tiere auch nicht schaden. Außerdem hat die Europäische Kommission nun Schlachtabfälle von Schweinen und Geflügel wieder zum Verfüttern erlaubt.
    "Es herrscht Rohstoffknappheit, von der der Verbraucher im Supermarkt aber nichts mitbekommt.“, sagt Florian Nagel, wissenschaftlicher Mitarbeiter der GMA (Gesellschaft für Marine Aquakultur) in Büsum. Da sollte man nutzen was man kann!
    Die norwegische Forscherin Margareth Overland geht sogar noch einen Schritt weiter: sie will unter anderem Fichtenholz, Kohlendioxid und Methangas in die Nahrungskette der Fische mit einbauen. Bestimmte Bakterien wachsen auf eben diesen Stoffen außerordentlich gut und bestehen dann zu 70% aus Protein. Perfekt für die Zuchtfische!
    Auch aus Miesmuscheln, die für den Verkauf zu klein sind, wird heutzutage Fischfutter gewonnen. Dabei ist es gar nicht immer so leicht den Geschmack der verschiedenen Arten zu treffen! Während sich Forellen bereits fast ganz vegetarisch ernähren lassen, sind Fische wie der Steinbutt, die Seezunge oder der Wolfsbarsch deutlich anspruchsvoller.

    Dabei darf man eines nicht vergessen: die Gesundheit der Fische darf nicht leiden, denn das würde sich früher oder später auch bei den Menschen, die sie essen bemerkbar machen. Da Pflanzen im Laufe der Evolution vielfältige Methoden entwickelt haben sich gegen Fressfeinde zu schützen, müssen die Forscher sehr genau hinsehen. Denn während die Landtiere sich an viele Pflanzeneigenschaften angepasst haben, sind Fische den Dornen und chemischen Stoffen hilflos ausgeliefert. Das Futter muss erst stark aufbereitet werden

    Ihr seht, an der Ernährung unserer Speisefische wird kräftig geforscht. Und Vegetarismus kommt immer mehr in Mode ;-)

     

    Quelle:

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/ueberfischung-der-meere-soja-fuer-seezungen-raps-fuer-den-lachs-1.1627015

    Fotos:

    © Wild Wonders of Europe, Martin Falklind / WWF

    © Thomas Stephan / WWF

Kommentare

6 Kommentare
  • Saskia74
    Saskia74 komische Idee, aber villeicht wird es ja was.
    27. März 2013
  • Jayfeather
    Jayfeather oookay :D lustige idee aber ich finde man sollte das was da alles zur fütterung genutzt wird einfach gleich selbst essen und die fische in ruhe lassen.
    @LSternus: ich war eig auch immer gegen vegane Katzen/Hundeernährung aber nach dieser seite h...  mehr
    27. März 2013
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Halte nichts davon ^^
    Es gibt ja wohl nichts riskanteres, als einem Lebewesen seine natürliche Nahrung zu verwehren.
    Wenn der Mensch die Meere überfischt hat dann kann er eben keinen Fisch mehr essen. Pech.

    Was ist das für eine Einstellun...  mehr
    28. März 2013
  • Helen1698
    Helen1698 Danke für den informativen Bericht! :) Ich finde die Idee allerdings ziemlich krank, die natürliche Nahrungsgewohnheiten (kann man das so sagen? :D) von Fischen umzustellen, nur damit der Mensch seinen Fisch essen kann! Also, wenn ich Fisch esse...  mehr
    30. März 2013