Berichte

Die Biber-Falle

  • Wer auch immer von euch einen Garten hat, kennt das Problem mit Sicherheit: Schädlinge. Es fängt bei Insekten an, geht weiter über Schnecken bis hin zu Vögeln und Kaninchen. So putzig diese Tierchen auch sind, wenn sie einem die frisch gepflanzten Blumen abfressen oder selbst angebautes Gemüse ausgraben, kann man schon ziemlich wütend werden. Auch wenn die Tiere es nicht böse meinen, ist es wohl ärgerlich.


    Jetzt kommt zu der Liste der üblichen Verdächtigen noch ein Neuling hinzu. Denn ob man es nun glauben will oder nicht, seit Neustem ist es nun auch erlaubt, Biber zu fangen und zu töten, wenn von den Tieren eine erhebliche wirtschaftliche Gefährdung oder „Gefahren für die öffentliche Sicherheit“ ausgehen. Dies hat vor wenigen Wochen das Verwaltungsgericht auf Klage vom „BUND Naturschutz in Bayern e.V.“ entschieden. Das Landesratsamt Dillingen an der Donau hatte bestimmten Personen erlaubt „störende“ Bieber zu erschießen. In acht der betroffenen Gewässer gab das Gericht dem BUND Recht, in den verbleibenden sieben wurde der Antrag abgelehnt.

    Aber Moment mal, wie kommt man eigentlich auf die Idee, dass ein Biber eine Gefährdung darstellen könnte? Egal ob nun für Mensch oder Wirtschaft?

    Nun, dazu könnte euch die Familie Jakob aus Mühlhausen bestimmt einiges erzählen. Denn sie gehören zu den Leuten, bei denen seit Neustem immer häufiger auch Biberfleisch auf dem Teller landet. Auch wenn das Fleisch eher ein Nebenprodukt zum eigentlichen Ziel ist: die Tiere loszuwerden.

    Walter Jakob ist Teichwirt und mächtig genervt von den Bibern, denn sie bedrohen inzwischen schon seine Existenz. Zum einen unterhöhlen sie die Weiherdämme, welche dann sobald eine schwere Maschine zur Bewirtschaftung drüber fährt, einstürzen können. Dass das gefährlich werden kann, dürfte jedem klar sein. Außerdem laufen ihm immer wieder Teiche durch die von den Bibern gegrabenen Röhren aus und die Fische schwimmen weg. Seine Karpfen werden so beispielsweise aus ihrer Winterruhe gerissen und sterben.

    Das müssten die Teichwirte nicht hinnehmen, urteilt auch die örtliche Naturschutzbehörde in Erlangen-Höchstadt. Spezielle Biberberater schauen sich auf Antrag die durch die Tiere verursachten Schäden genau an und beurteilen dann, ob der Abschuss freigegeben wird.
    Generell darf nur zwischen September und Mitte März gejagt werden und natürlich nur eine begrenzte Anzahl. Schön ist es dennoch nicht.

    Persönlich hat Walter Jakob nichts gegen die Tiere, aber sein Geschäft durch sie zerstören lassen will er sich auch nicht. Er kritisiert, dass Jäger immer häufiger als eine Art Schädlingsbekämpfer eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen versagt haben.
    Denn natürlich gibt es auch einen Grund, warum Jakob vermehrt mit Bibern zu kämpfen hat: Überpopulation. Dadurch, dass der Biber keine natürlichen Feinde mehr hat, siedelt er immer häufiger auch in Teichlandschaften und nicht nur an Fließgewässern, die sein eigentliches Habitat darstellen. Somit hat das Naturschutzamt auch keine Sorge, dass die Biber in der Region in nächster Zeit aussterben könnten. Und auch dem Kormoran und Fischotter könnte es bald an den Kragen gehen, auch diese vermehren sich unkontrolliert. Erwin Höps, einer der drei Biberberater im Kreis, ist schon länger der Meinung, dass man auf Dauer mit den Schäden durch Biber und Co. wird leben müssen. Denn wenn sich nichts ändert, werden sie sich immer schneller vermehren.

    Was ist denn dann nun das eigentliche Problem? Die Teichwirte, welche die Tiere abschießen oder eine Überpopulation an Bibern, ausgelöst durch die jahrelange Ausrottung natürlicher Feinde?

    Was sagt ihr? Ist es okay ein paar Biber aus wirtschaftlichen und sicherheitstechnischen Gründen zu töten? Oder sollten lieber schonendere Maßnahmen ergriffen werden (wie z.B. Zäune oder Lebendfallen)?

     

     

    Quellen:

    http://www.planet-wissen.de/natur_technik/wildtiere/wildtiere_deutschland/wildtiere_bibermanagement.jsp

    http://www.kostenlose-urteile.de/VG-Augsburg_Au-2-S-13143_Fangen-und-Toeten-von-Bibern-nur-bei-erheblichen-wirtschaftlichen-Schaeden-oder-Gefahren-fuer-die-oeffentliche-Sicherheit-zulaessig.news15313.htm

Kommentare

4 Kommentare
  • Carina
    Carina Das eigentliche Problem ist meiner Meinung nach mal wieder, dass der Mensch alles durcheinander gebracht hat: Der Biber hat keine natürlichen Feinde mehr und muss jetzt zum Abschuss freigegeben werden. Schön ist das wirklich nicht - ich habe in ...  mehr
    11. März 2013
  • Janine
    Janine @Carina: Raubtiere wie Luchs, Bär und Wolf sind z.B. natürliche Biber-Feinde. Aber da gibt\'s ja in Deutschland nicht mehr so viele... Man kann ja nicht erwarten, dass nach der Ausrottung eines Tieres (wie dem Wolf) alles andere bleibt wie es is...  mehr
    12. März 2013
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Ich stimme meinen Vorrednerinnen zu. Alles nur ein Schlamassel resultierend aus dem Umgleichgewicht, das der Mensch geschaffen hat.

    Über die genauen Zusammenhänge zu urteilen ist hier aber eigentlich nicht möglich, weil man nicht drinstec...  mehr
    12. März 2013
  • LSternus
    LSternus Ich binn wie immer für einen Kompromiss - Leben mit Bibern und Ökologische Teichwirtschaft.
    Den Rest sparr ich mir, denn ich habe das gefühl ich habe zu min. drei verschiedenen Themen bereits Ähnliches geschrieben.

    Oder anders ich geb...  mehr
    12. März 2013