Berichte

Eine Pflanze und ihre Sinne

  • Pflanzen sind einfach da. Waren schon immer da. Braun im Winter, Grün im Sommer. Sie richten sich wieder auf, wenn wir über sie hinwegtrampeln, sie wachsen nach, wenn wir sie ausreißen, sie sprengen Beton, um ihre hübschen Glieder zur Sonne zu recken. Ihr leises Rascheln im Wind und ihre satten Farben geben unserer Seele Frieden, ihre Hülle und ihre Früchte unserem Körper Nahrung. Und wenn wir dereinst gehen müssen, dann nähren sie sich aus uns und künden mit ihrer Pracht von dem Leben, dass wir führten.
    Pflanzen sind die Hülle unserer Erde, unser Nährboden und höchst faszinierende Lebewesen. Denn nicht nur Tiere oder Menschen verfügen über Sinne, sondern auch unsere grünen Nachbarn.

    Sehen

    Blumen neigen sich dem Licht entgegen. Mit Lichtsignalen kann man Wachstumsreize auslösen oder stoppen. So wird z. B. die Chrysanthemenblüte mit nächtlichen Lichtsignalen von Herbst auf Frühjahr vorgezogen. In Pflanzen wurden Lichtrezeptorproteine entdeckt, die die in unserem Auge sehr ähnlich sind. Die Blätter drehen sich ähnlich Satellitenschüsseln senkrecht zum Lichteinfall.
    Die Einfallsrichtung des Lichtes wahrzunehmen, ist für Pflanzen lebensnotwendig. Denn nur, wenn die Blätter genügend Licht absorbieren können, wird die Pflanze auch genügend Energie zur Verfügung haben, um aus dem gasförmigen Kohlendioxid der Luft und aus Wasser organische Moleküle wie Zucker, Stärke und daraus schliesslich Fette und Eiweisse aufzubauen. Damit dieser als Photosynthese bekannte Prozess optimal ablaufen kann, müssen die Blätter der Pflanze durch entsprechende Wachstumsbewegungen ständig "ins rechte Licht" gerückt werden.

    Fühlen

    Kletterpflanzen wachsen schneller, wenn sie in Kontakt mit einem Holzzaun kommen, da sie die raue Struktur als idealen Untergrund empfinden. Die Venusfliegenfalle klappt zu, wenn sie einen zarten Druckreiz erfährt. Sie reagiert damit auf genau die Berührung, die ihre Beute auslöst. Mimosen schließen und senken abrupt die Blätter, wenn man sie berührt. Es gibt sogar erste wissenschaftliche Thesen, dass Pflanzen ein inneres System haben, ähnlich unserem Nervensystem, durch das sie wie unser Hirn durch unseren Körper Signale und Botenstoffe schickt, nur 1000 mal langsamer. Pflanzen fühlen jedoch keinen Schmerz, sie reagieren nur auf Veränderungen ihrer Struktur oder Umwelt. Wenn eine Kartoffel beispielsweise in der Mitte durchgeschnitten wird, beginnt sie, eine neue Haut für die Schnittstelle auszubilden, um diese vor äußeren Einflüssen zu schützen.

    Riechen

    Wenn man eine unreife Avocado mit einer reifen Banane in eine Papiertüte legt, wird die Avocado schneller reif, weil die Banane Ethylen abgibt. Der Geruch dieses Gases leitet den Reifeprozess auch bei der Nachbarfrucht ein. Das ist ein natürlicher Vorgang, ursprünglich am Baum, um auch die anderen Früchte zu "wecken" und somit die optimale Reifezeit auszunutzen. Gerste, Beifuß und Erle kommunzieren ebenfalls mittels Düften, vorwiegend, um geeignete Standorte zu übermitteln.

    Hören

     Kiefern und Eschen geben in Trockenphasen Vibrationen per Ultraschall an ihre Artgenossen weiter, um sie auf die drohende Trockenheit vorzubereiten. Auch vibrierende Hummelflügel senden wahrscheinlich Signale an die Pflanzen, welche, ist allerdings noch ungeklärt.
    Pflanzen haben zwar keine Ohren, aber jede ihrer Zellen hat eine Membran, empfindlicher als das menschliche Hörorgan, welche auch Musik oder die menschliche Stimme wahrnehmen. Weintrauben zum Beispiel lieben besonders Mozart. Sie wachsen schneller, größer, saftiger und werden weniger oft von Schädlingen befallen.

    Schmecken

    Pflanzen richten ihre Wurzeln nach Mineralien im Boden aus. Die feinen Fädchen am Ende der Stammwurzel schmecken feiner als jede menschliche Zunge.


    Weitere erstaunliche Merkmale an Pflanzen:

    Pflanzen können sich erinnern, vorrausschauend wachsen, eiskalt kalkulieren, für zukünftige Ereignisse planen und eng mit Tieren zusammenarbeiten bzw. -leben.
    An dem Beispiel Erbsenranke fanden Wissenschaftler heraus, dass sich Pflanzen erinnern können. Wenn die Bohnenranke (welche sich bei Berührung einkringelt) im Dunkeln berührt wird, merkt sie sich das bis zum ersten Sonnenlicht, um sich dann zu ringeln wenn sie wieder genügend Energie dafür getankt hat. Außerdem wissen Pflanzen, wann Frühling ist, anhand der gespeicherten Kälteerfahrung des Winters, der hinter ihnen liegt.
    Wenn Tomaten ein Tief oder einen anderen Wetterumschwung anrücken spüren, können sie bereits Tage vorher eine dickere Haut zum Schutz ausbilden.
    Schmarotzerpflanzen tasten ihre Beute ab, um bereits vier Tage vor ihrem Angriff zu kalkulieren, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt, die angestrebte Wirtspflanze anzuzapfen.
    Ein weiteres sehr interessantes Beispiel für eine intelligente Pflanzenwelt ist die Akazie in Kenia. Die Ameisen, die auf ihr leben, schützen die Akazie vor Schädlingen. Im Gegenzug bildet die Akazie Nektar als Nährstoff und angeschwollene Dornen als Wohnraum für die Ameisen aus.
    Außerdem senden Pflanzen Botschaften und Gift aus, wenn sie von Schädlingen attakiert werden. So locken sie zum Beispiel Raubwanzen oder dergleichen an, die dann wiederum die Schädlinge verspeisen.

    Pflanzen sind faszinierende, intelligente und überaus feinfühlige Wesen, die nicht nur unseren Speiseplan, sondern auch unser Leben bereichern. Sie können zwar nicht laut mit uns sprechen oder uns wirklich verstehen, geschweige denn dass sie Gefühle oder Schmerzempfinden haben, aber trotzdem sind sie einen zweiten Blick wert und mit Respekt zu behandeln.









    Quellen: FUNKUHR Fernsehmagazin
    Informationsdienst Wissenschaft https://idw-online.de/pages/de/news2260
    Internationales Institut für Erfahrungsheilkunde http://www.iifeh.de/pflanzenkommunikation.php
     

Kommentare

8 Kommentare
  • Carina
    Carina Kann mich nur anschließen: Wirklich interessant. Danke für den Artikel!
    11. März 2013
  • JanaMarie
    JanaMarie Sehr faszinierend :)
    25. März 2013
  • Tarja_H
    Tarja_H Super Artikel! Das hat Spaß gemacht zu lesen und war total interessant.
    Das Pflanzen auch etwas ähnliches wie unser Nervensystem haben sollen finde ich besonders spannend.
    In der Uni haben wir auch gelernt, dass Pflanzen sich sogar gegenseitig ...  mehr
    25. März 2013
  • Lautlos
    Lautlos Danke für eure Rückmeldungen! Das Thema hat mich einfach so fasziniert, dass ich einen dringenden Mitteilungsbedarf darüber entwickelt habe x\'D
    8. April 2013