Berichte

Streichelobjekt und Souvenir - Die Ausbeutung der afrikanischen Löwen

  • Als ich gestern Morgen die Zeitung aufschlug, blieb mir fast das Müsli im Hals stecken. Grund dafür war ein schockierender Bericht: "Das Geschäft mit den Löwen-Babys" von Angelika Wölke, erschienen in der Neuen Ruhr Zeitung (NRZ).

    Da ja die Anti-Wilderei-Kampagne gerade aktuell ist, ist mir der Bericht ins Auge gesprungen. Jedoch war mir das Problem bis jetzt nur bei Elefanten und Nashörnern bekannt, keineswegs aber bei Löwen. Doch es ist so, dass die Mähne von Löwen als attraktives Souvenir gilt, weswegen immer mehr Löwen Großwildjägern und Jagdtouristen zum Opfer fallen. Einer Studie der Duke University (North Carolina) zufolge ist die Zahl der Tiere in Afrika "in den vergangenen 50 Jahren von fast 100.000 Tieren auf 35.000 gesunken".

    Ähnlich wie beim Elfenbeinhandel in Thailand ist hier das Problem, dass die Einfuhr von Souveniren dieser Art nach Europa für Privatleute völlig legal ist, wenn man die Tiere selbst erlegt hat.
    "20 erlegte Löwen haben deutsche Afrika-Reisende 2012 als Souvenir mit nach Hause gebracht" (Stefan Raths, Genehmigungsabteilung Bundesamt für Naturschutz)

    Wie bei Elfenbein auch lässt sich mit den Löwen viel Geld machen. In Südafrika werden Löwenbabys sogar extra für den Tourismus gezüchtet. Das funktioniert etwa so: Kaum geboren, werden sie bereits getrennt von der Mutter aufgezogen und "vermietet" - als "Streichelobjekte" für Touristen. 5000 Tiere sollen es allein in Südafrika sein. Wenn sie zu groß geworden sind und dem "Streicheltourismus" nichts mehr nützen, "werden diese halbzahmen Tiere über das Internet für reiche Trottel zum Abschuss freigegeben" (Johannes Kirchgatter, WWF-Afrika-Referent).
    "Die Löwen werden für den Abschuss in ein umzäuntes Gebiet gebracht. Viele zeigen keine Scheu vor den Menschen und laufen den Trophäenjägern direkt vor die Flinte" (Thomas Pietsch, Wildtierexperte "Vier Pfoten"). Diese Art der Jagd wird „Gatterjagd“ genannt.

    Die Trophäen haben ihren Preis. "Männliche Löwen kosten je nach Alter, Größe und körperlichen Merkmalen wie Mähnenfärbung von 10.000 bis 25.000 Euro oder mehr, Weibchen sind bereits für 3000 Euro zu haben" (Thomas Pietsch).

    Laut Johannes Kirchgatter werden auch die wilden Löwenpopulationen geschwächt. Den Tieren wird nicht nur der Lebensraum genommen, sondern auch die Anführer der verschiedenen Rudel.
    Ein weiteres Problem: "In Gefangenschaft aufgewachsene Löwen können nicht mehr ausgewildert werden" (Thomas Pietsch)

    Und als ob das alles nicht schon schlimm genug wäre, werden die Löwen nicht nur des Fells wegen gejagt, sondern auch wegen ihrer Knochen (ähnlich wie beim Horn des Nashorns). Diese dienen für medizinische Zwecke. „Vor allem in Laos und Vietnam wird aus den zermahlenen Gebeinen „Wein“ hergestellt, ein Trank, dem Heilkräfte zugeschrieben werden.“ Wobei noch nicht einmal nachgewiesen ist, dass das stimmt. Der WWF hat in seinem Video über die Anti-Wilderei-Kampagne das Heilkräfte-Argument in Bezug auf Nashörner entkräftet. Bei den Löwen wird es demnach höchstwahrscheinlich nicht anders sein...


    Ich finde es wichtig, dass so ein Artikel veröffentlicht wird, denn viele wissen (noch) nichts über diese abscheulichen Machenschaften. Besonders schockierend und unglaublich abstoßend finde ich, dass die erlegten Löwen auch nach Deutschland gebracht werden – als Souvenir. Die EU sollte das Gesetz, welches die Einfuhr der Tiere „nur für kommerzielle Unternehmen“ verbietet, verschärfen. Ob kommerziell oder nicht, diese Art von „Souvenir“ gehört nicht in unsere Wohnzimmer!


    Quelle: "Das Geschäft mit den Löwen-Babys" von Angelika Wölke, NRZ, Ausgabe vom 26. Februar 2013
     Bild:  © Michael Poliza / WWF

Kommentare

8 Kommentare
  • Niiura
    Niiura Ekelhaft!
    27. Februar 2013
  • Smilex
    Smilex Shockierend! wirklich! Und man sollte WIRKLICH denken, die Menscheit lernt langsam, aber sicher dazu .. aber anscheinend haben die Menschen seit dem Zirkus in Rom nicht WIRKLCH ihre Interessen geändert -,-
    28. Februar 2013
  • Fidelia
    Fidelia Oh mein Gott!!
    Es gibt echt immernoch viel zu viele Menschen, denen der Ernst der Lage nicht bewusst ist!!
    1. März 2013
  • LSternus
    LSternus Das ist ja pervers!
    Löwen dazu abrichten in den Tod zu laufen.
    1. März 2013