Berichte

Umweltminister bei uns in der Schule

  • Wie bereits in meinem Bericht angekündigt, war am 30. Januar 2013 Johannes Remmel, der Landesumweltminister von NRW, bei uns in der Rudolf-Steiner-Schule Dortmund und es war wirklich ein gelungener Besuch! :)


    Wir hatten ihn im Rahmen unseres Klimawandel-Projektes der Oberstufe eingeladen, wo wir zu den Themen „Erneuerbare Energien“, „Energiepolitik“, „Alternativen im Verkehr“ und zu den Fragestellungen „Was kann die Schulgemeinschaft oder jeder einzelne praktisch gegen den Klimawandel tun?“ Inhalte erarbeitet hatten.


    Die Veranstaltung begann mit einem Vortrag in unserem gut gefüllten Saal. Zunächst brachte Herr Remmel seine Begeisterung über das Engagement an unserer Schule zum Ausdruck, denn unter anderem liefern seit 2001 zwei große Solaranlagen unseren Strom. Dann kam er aber auch zu seinem eigenen Engagement: am 23. Januar wurde für NRW das erste deutsche Klimaschutzgesetz verabschiedet. Demnach sollen bis 2020 die Treibhausgasemissionen in NRW um 25 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt werden, was auch dem Ziel der Bundesregierung entspricht. Das ist doch schon einmal eine gute Nachricht, denn wie Herr Remmel selbst betonte, liegen die Kohlendioxidemissionen in NRW zur Zeit noch bei 16 Tonnen pro Jahr und müssen im Jahr 2050 bei ca. drei Tonnen liegen!



    Außerdem sehe er großes Potential in neuen Technologien und der Industrie (er vertrat somit nicht das Grünen-Klischee, gegen die Industrie zu sein), um eine ökologische industrielle Revolution durchzuführen, die besonders in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Wohnen notwendig sei (der Meinung waren wir beim 2° Campus ja auch!). Allerdings müsste das Engagement für eine solche Revolution auch aus der Bevölkerung kommen, so Herr Remmel. Deshalb erklärte er uns, dass die Heizungspumpe die meiste Energie im Haushalt verbraucht (gut zu wissen, oder?) und es dafür Ersatz von einer Firma aus Dortmund gäbe, der 80 Prozent weniger Energie verbrauche und sich nach drei Jahren selbst trage.
    Zum Abschluss sagte er, dass er in der Energiewende nicht wie die Bundesregierung nur eine reine Stromwende sehe, sondern vor allem im Bereich der Wärme und Dämmung großes Einsparungspotential liege. Er stellte den Vergleich auf, dass sich jährlich ca. 14.000 Mädchen für Germanys Next Topmodel bewerben und er sich dieses Engagement für neue Entwicklungen und innovative Ideen wünsche. So richtete er den Appell an uns, dieses Ziel zu verfolgen und zum Beispiel als Forscher in diesem Bereich die beste Entwicklung machen zu wollen.
    Im Anschluss an diese Einführung konnten Fragen aus dem Publikum gestellt werden.



    Die erste Frage zielte darauf ab, warum trotz des Wissens um grüne Alternativen Stromanbieterwechsel häufig nicht passieren. Herr Remmel erwiderte, dass er vermute, dass das daran liege das die Menschen Gewohnheitstiere seien. Er betonte aber, dass es sich immer lohnt, eine Photovoltaikanlage bei sich zu installieren, da sie sich nach wenigen Jahren selbst trägt und der Strom aus erneuerbaren Quellen umgerechnet immer noch günstiger wäre, als der konventionelle Strompreis. Deshalb ermunterte er uns alle Stromwechselpartys zu veranstalten und dabei die Gäste zu überzeugen! ;)
    Auch auf die Frage nach seinem Auto reagierte Herr Remmel gut. In seinem Beruf benötige er zwar eines, allerdings habe er sich für ein kleines besonders leichtes Aluminiumfahrzeug mit einem sehr geringen Verbrauch entschieden. Außerdem erklärte er, dass es das Phänomen gäbe, wenn der Chef keinen großen Wagen fährt, fahren die Mitarbeiter noch kleinere Autos und in dieser Kettenreaktion sehe er große Möglichkeiten.
    Auf eine weitere Frage hin erläuterte Herr Remmel, dass die Entscheidung zu einem neuen nachhaltigen Lebensstil vor allem aus der Bevölkerung kommen muss und dass man ihn den Menschen nicht nur aufdoktruieren sollte. Als positives Beispiel nannte er die Schweiz, wo durch einen Volksentscheid das ausgeweitete ÖPNV-Netz entstand.


    Diese Mischung aus der Einsicht, dass dringend etwas gegen den Klimawandel getan werden muss und die Bereitschaft, selber dafür einzustehen (siehe oben: Klimaschutzgesetz) und aber auch dem Appell an das Publikum, selber aktiv zu werden, gefiel mir sehr gut!


    Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Klimawandel-Projektes noch die Möglichkeit, im kleineren Rahmen mit Herrn Remmel zu diskutieren.

    Zu der Frage „Wie können erneuerbare Energien für jedermann erschwinglich gemacht werden?“ erläuterte uns Herr Remmel, dass er dafür die Einführung von Strompreisen, die linear zum Verbrauch sind, notwendig findet. Am Beispiel der Glühbirne erklärte er auf Nachfrage, dass dies ein Negativbeispiel sei, wie man nicht mit dem Klimaschutz verfahren sollte. Vor allem aufgrund des giftigen Quecksilbers wäre dort eine Produkthaftung, also ein Rücknahmeverfahren, vonnöten, das auch in allen anderen Bereichen im Sinne des Recyclings und Cradle-to-Cradles sinnvoll wäre. Grundsätzlich sehe er die Notwendigkeit einer besseren Verbraucheraufklärung mit einer eindeutigen Klassifizierung, wie beim Ei, so Herr Remmel.
    Als nach der EEG-Umlage gefragt wurde, erwiderte er, dass es seiner Meinung nach keine Ausnahmen für große Unternehmen geben sollte, sondern nur auf Antrag einen Erlass mit strengen Richtlinien für Klimaschutz-Maßnahmen. Außerdem ergänzte er, dass die Umlage geringer ausfallen würde, wenn die Situation an der Börse anders wäre und die erneuerbaren Energien zu einem höheren Preis gehandelt werden könnten.
    Auf die Frage „Wie weit ist die Forschung in NRW im Bereich der erneuerbaren Energien bereits vorangeschritten und welche Mittel stehen dafür im Landeshaushalt zu Verfügung?“ antwortete Herr Remmel, dass die Forschung in NRW bereits sehr ausgeprägt wäre und auch entsprechend gefördert würde. Allerdings merkte er an, dass er eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit, zum Beispiel im Bereich der Soziologie oder Psychologie mit der Naturwissenschaft für notwendig befindet.


    Abschließend kann ich nur sagen, dass ich sehr positiv überrascht war von der einsichtigen und sympathischen Haltung von Herrn Remmel! Man musste ihn gar nicht daran erinnern, dass dringend etwas für den Klimaschutz getan werden muss, sondern es wurde deutlich, dass es ihm selbst nicht schnell genug vorangeht und dass er sich sehr dafür einsetzt. Ich glaube, wenn alle Politiker so denken würden, wie Herr Remmel, würde es uns und unserer Erde besser gehen…


    Fotos:
    Hilke Schwingeler
    Harald Thon

     

Kommentare

10 Kommentare
  • Westernpferdle
    Westernpferdle Finde ich super, dass ihr so etwas auf die Beine gestellt habt! Unserer Schule würde es auch mal gut tun, etwas mehr auf Umweltschutz zu achten!
    20. Februar 2013
  • Cosima
    Cosima Toller Bericht!
    Und eine super Aktion. Politiker mit Jugendlichen sprechen zu lassen, finde ich ist immer eine richtig gute Sache. Vor allem wenn man auch wirklich ein Gespräch zustande kommt und nicht nur Parteipropaganda getrieben wird.
    21. Februar 2013
  • Stoffie
    Stoffie danke für den bericht! so ne aktion sollte man deutschlandweit mal an schulen durchführen!
    24. März 2013
  • AnnaGreen
    AnnaGreen Lisa, vielen Dank für diesen motivierenden und zugleich äußerst interessanten Bericht! Es tut unglaublich gut zu wissen, dass es durchaus einige Politiker gibt, die an ihren Prinzipien festhalten, auch wenn sie dafür manchmal einen et...  mehr
    24. September 2014