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Lebensmittelverschwendung- Ein alltägliches Übel

  • Lebensmittel sind dafür da, dass wir satt werden. Doch die neue Devise lautet nicht mehr hungrige Menschen satt zu bekommen, sondern satte Menschen hungrig zu machen.

    Verschwendung von Lebensmittel begegnet uns täglich, ohne dass wir es vielleicht bewusst wahrnehmen. Wenn wir in einen Supermarkt gehen, sehen wir nur gute, frische, perfekt aussehende Ware.
    Damit diese Auswahl zur Verfügung steht, werden täglich noch essbare Lebensmittel aussortiert.

    Gemüse, welches in die Regale geräumt und nicht am gleichen Tag verkauft wird, kommt weg und zwar in die Tonne.
    Wie viel die Supermärkte jedoch wegschmeißen wird oft geheim gehalten. Felicitas Schneider, eine Wissenschaftlerin aus Wien, durfte den Lebensmittelabfall in einem Supermarkt untersuchen und zählen. Sie und ihr Team haben über 10 Wochen hinweg in einem Supermarkt den Müll durchsucht um heraus zu finden, wie viel der weggeworfenen Lebensmittel noch genießbar gewesen wären.
    Pro Filiale werden rund 45kg pro Tag an noch essbaren Lebensmitteln weggeworfen.
    Das nur in einem kleinen Supermarkt.

    Ein Grund für diese unglaubliche Verschwendung ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Ist dieses Datum überschritten, so gilt das Produkt als „abgelaufen“, doch in kaum einem Fall ist das Produkt nicht mehr essbar. Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von dem Hersteller des jeweiligen Produkts selbst festgelegt und orientiert sich somit nicht an Gesundheitsbestimmungen, womit allerdings oft argumentiert wird. Die Unternehmen verkürzen die Haltbarkeitszeit der Produkte kontinuierlich, um mehr Ware herstellen zu können.
    Nur bei Ei-, Fisch-, und Fleischprodukten besagt das Haltbarkeitsdatum, dass der Verzehr nach dem Datum eventuell gesundheitliche Risiken birgt. Deswegen denken viele Leute, dass gilt für alle Lebensmittel.

    Das Wegwerfen von guten Lebensmitteln beginnt allerdings schon bevor unser Essen in den Supermarkt kommt, nämlich auf den Feldern. Zu klein oder zu groß geratene Kartoffeln, genauso wie Kartoffeln mit Dellen oder Verwachsungen werden bereits auf dem Feld aussortiert. Nicht jede Kartoffel sieht perfekt aus, doch leider wird das vom Verbraucher verlangt. So werden bereits auf dem Feld 40-50% der Ernte weg geschmissen. Die EU hat Normen für Obst und Gemüse festgelegt, das Paradebeispiel: Die Gurke. Der Handel hat nach geraden Gurken verlangt, da sie besser zu verpacken sind. Deswegen hat die EU dazu eine Norm festgelegt. Seit dem findet sich keine krumme Gurke mehr in einem Supermarkt. Die EU Norm wurde abgeschafft, doch die krumme Gurke, ist weiterhin im Handel unerwünscht.

    In Amerika hat sich eine Initiative gebildet, namens „community supported agriculture“ (CSA). Die Idee, die dahinter steckt ist, dass der Weg zwischen dem Produkt, welches vom Feld kommt und dem letztendlichen Verbraucher verkürzt wird. Die Bauern bringen ihre Ernte direkt zum Markt. Solche Verpackungsprobleme fallen dann weg. Die Kunden zahlen jeden Tag ca. 50 Cent und können dann so viel Gemüse und Obst mitnehmen, wie sie eben gerade brauchen. So müssen die Bauern kaum noch etwas weg werfen.

    In einem Pariser Großhandel, werden jeden Tag Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. Wenn in einer Orangenkiste eine oder zwei Orangen schlecht sind, landet die ganze Kiste im Müll. Die jeweilige Orangen heraus zu nehmen und die guten Orangen noch zu verkaufen, lohnt sich nicht, sagt ein Mitarbeiter des Großhandels. Fische und Meeresfrüchte werden am meisten weggeworfen. Was nicht am gleichen Tag noch verkauft wird, kommt weg.
    Fische und Meeresfrüchte, welche in unseren Meeren fehlen, werden gefischt und weg geworfen!
    Es gibt Organisationen wie die Tafel, die versucht aus dem Müll noch die essbaren Lebensmittel heraus zu suchen und dann an bedürftige Menschen zu verteilen. Doch es kann nur ein sehr kleiner Teil der weggeworfenen, noch genießbaren Lebensmittel gerettet werden. Véronique arbeitet für solch eine Organisation. Ihr Heimatland ist Kamerun. Sie muss mit ansehen, wie Lebensmittel aus ihrem Heimatland nach Europa verschifft werden, um dann auf den Müll zu landen. Sie erzählt, wie Bananen hier weg geworfen werden, die man sich in Kamerun nicht einmal leisten könnte. Véronique wird entlassen, weil ihre Ansicht und die ihres Chefs über noch essbare Lebensmittel zu unterschiedlich sind.

    In Deutschland sind Lebensmittel so billig geworden, dass auch frische Lebensmittel weg geworfen werden, da man sie einfach nicht mehr braucht, falls doch kauft man sie eben wieder nach. Aus in Österreich durchgeführten Studien lässt sich berechnet, dass pro Haushalt und Jahr bis zu 400€ in Form von Lebensmittel einfach weg geschmissen werden. Auf Deutschland hoch gerechnet wären das 20 Milliarden Euro pro Jahr für Lebensmittel die im Müll landen.

    Diese Verschwendung muss gestoppt werden. Während wir im Überfluss von Lebensmittel schwimmen, müssen andere Menschen auf der Welt verhungern!

    Was kann ich tun?
    -„Resteverwertung“: Ein Gericht verbraucht die nötigen Lebensmittel oft nicht ganz, die Reste können am nächsten Tag lecker neu kombiniert werden.
    - Kaufe nur so viel, wie du wirklich brauchst. Die Auswahl verführt oft zu Produkten, die wir nicht wirklich benötigen.
    - Beim Bauern direkt zu kaufen, spart den Lebensmitteln den Weg bis zum Supermarkt.
    - Kaufe regional und saisonal ein
    Hier noch eine Initiative, die mir besonders gefällt:
    Culinary Misfits

    Es gibt viele Möglichkeiten, um der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken.
    Euch fällt bestimmt noch sehr viel mehr ein. Jeder Gedanke und jede Idee ist erwünscht.

    Quelle: ARD Mediathek: Essen im Eimer- Die große Lebensmittelverschwendung

Kommentare

11 Kommentare
  • Lena11
    Lena11 Auch die Produktion der Backwaren entspricht nicht der tatsächlichen Kaufmenge. Bekannte von mir haben einen Bauernhof und sie bekommen täglich die leckersten Backwaren, welche sie an ihre Kühe als Ersatz für Kraftfutter verfütter...  mehr
    29. Januar 2013
  • Skipper
    Skipper Allein in Deutschland werden jährlich Lebensmittel im Wert von mehreren Milliarden Euro weggeschmissen und vernichtet. Wir müssen handeln!
    10. Februar 2013
  • Carinaa
    Carinaa Danke für den Bericht, ich werde jetzt deine Tipss befolgen :)
    31. Oktober 2013
  • LilianA
    LilianA Schlimm genug wie viel einfach unnötig gekauft und dann weggeschmissen wird! Wenn man schon irgendetwas zu viel kauft kann man es ja trotzdem verwerten, zu Tafeln bringen oder in die "foodsharing"-Platform einstellen, damit es wenigstens no...  mehr
    12. April 2014