Berichte

Die Klimarettung darf kein Traum bleiben!

  • Ein Kommentar des WWF-Klimabotschafters Johannes Barthelmeß zur UN-Klimakonferenz in Doha 2012

    Ein "Meilenstein" klingt gemeinhin historisch, bedeutend, denkwürdig. Findet der DUDEN. Genau die passende Bewertung der gerade zu Ende gegangenen UN-Klimakonferenz in Doha findet unser Umweltminister Peter Altmaier. Ein „wichtiger Meilenstein“ für den Klimaschutz sei da am Persischen Golf erreicht worden.

    Moment mal. In letzter Minute wurde mit Ach und Krach in Katar das völlige Verhandlungsscheitern verhindert, der katarische Gipfelpräsident hat mit einem eigenwilligen Alleingang die Konferenz gerettet. Bei der Rettung des Klimas gab es aber keine mit bloßem Auge sichtbaren Fortschritte. Wie passt das zusammen mit der Einschätzung des Ministers?

    Um's gleich zu sagen: Gar nicht. Dass Politiker ihre Ergebnisse mit großen Worten in ein gutes Licht rücken möchten, sind wir gewohnt. Man kann es ihnen auch nicht wirklich übel nehmen, würde wohl (fast) jeder so machen. Aber zufrieden zu sein, nur weil der GAU gerade nochmal ausgeblieben ist, das ist selbst für einen ausgemachten Pessimisten eine seltsame Betrachtung der Dinge.
    Soll ich jetzt jeden Abend die ganze Nachbarschaft zur Party einladen, nur weil mich heute nicht der Blitz getroffen hat? Soll ich auf weiße Weihnachten hoffen, nur weil vom nicht vorhandenen Schnee nichts abtaut? Aus Nichts (Gutem) etwas Positives zu machen, macht einem das Leben für den Moment leichter, es verstellt aber den nötigen nüchternen Blick auf die Realität. Und die sieht, um es vorsichtig auszudrücken, beunruhigend aus. Von katastrophalen vier Grad Erwärmung warnte jüngst die Weltbank.

    Die Erwartungen an die Konferenz in Katar waren sehr gering, es waren praktisch keine vorhanden. Entsprechend klein war das allgemeine Interesse an den Verhandlungen und entsprechend leise wird jetzt der „Aufschrei“ ob des traurigen Ergebnisses sein. Wenn es überhaupt einen Aufschrei gibt. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Leute kurz mal resigniert den Kopf schütteln und das war’s. "The same procedure as every year" eben. Nur, dass die Klimaverhandlungen kein "Dinner for One" sind und (zumindest Stand heute) keinen Grund zum Lachen geben. Panik wäre fehl am Platz, Besorgnis ist aber angebracht.

    In den letzten zwei Jahrzehnten ist es nicht gelungen, den Ausstoß an Treibhausgasen wirksam und ausreichend einzudämmen. Wie soll es nach dem Stillstand der letzten Jahre gelingen, bis 2015 einen Weltklimavertrag zustande zu bekommen, der für alle Länder verbindlich ist und unser Klima rettet?

    Immerhin räumte Herr Altmaier in seiner Einschätzung ein, dass man sich größere Fortschritte "erträumen hätte können." Das kommt der Realität schon ein gutes Stück näher. Man kann diesen Satz aber auch so interpretieren, dass es träumerisch also naiv wäre, an einen echten Durchbruch bei der Klimakonferenz zu glauben.

    Spätestens wenn die Rettung des Klimas zum unrealistischen Traum verkommt, muss dringend etwas passieren: Wir müssen aufwachen und handeln! Und wir müssen andere aufwecken, allen voran Herrn Altmaier und seine Kollegen, sonst drücken die noch ein paar Mal zu oft die Schlummertaste …

     

    Fotos: © J. Barthelmeß

    Die Ergebnisse der Konferenz gibt es hier zusammengefasst.

Kommentare

11 Kommentare
  • Amanda
    Amanda Sehr informativ undüberzeugend !!!
    10. Dezember 2012
  • Amanda
    Amanda Sehr informativ undüberzeugend !!!
    10. Dezember 2012
  • Cosima
    Cosima Ein richtig gut gelungener Kommentar. Toll geschrieben. Leider hast du glaub ich auch recht mit deiner Einschätzung der Klimakonferenz. Eine Konferenz zeigt sich in ihren Ergebnissen.
    10. Dezember 2012
  • Nivis
    Nivis Ich finde, dass du einen sehr wichtigen Punkt angesprochen hast:
    Solche Staatstreffen sind zu 98 % heiße Luft und diese Tatsache ist schon zu einer "Alltäglichkeit" geworden, die die Menschen auch kaum noch wahr nehmen....
    10. Dezember 2012