Berichte

Der Waldrapp - Europas Pechvogel

  • Als gewöhnliche Vogelart kann man den Waldrapp (Geronticus eremita) wohl kaum bezeichnen, sein nacktes rötliches Gesicht und die langen schwarzen Federn am Hinterkopf lassen den europäischen Schwarmvogel, dessen Körpermaße mit einer Spannweite von über 130 Zentimetern und einem Gewicht von ca. 1,4 Kilogramm durchaus beachtlich sind, auf den ersten Blick an einen Geier erinnern, doch spätestens an seinem gebogenen roten Schnabel, lässt sich leicht erkennen, das es sich bei dem eingängig schwarz gefiederten Waldrapp mitnichten um einen Geier, sondern ganz klar um eine Art der Ibisse handelt, Aas stellt bei ihm dementsprechend nicht die Hauptnahrungsquelle dar, stattdessen verdrückt der Waldrapp all das, was er beim Herumstochern auf dem Boden so auffinden kann, Insekten, Würmer, Spinnentiere, Larven, Skorpione und Schnecken sind Grundelemente seiner Ernährung, als Nahrungsergänzung kommen noch Pflanzenteile, kleine Nagetiere, Reptilien und Amphibien hinzu. Wenn es um die Wahl des Lebensraumes geht, ist der Waldrapp ziemlich flexibel, ihm sind sowohl feuchte Wiesen, als auch trockene Steppen recht, für die Brut, die sich jährlich von März bis Juni vollzieht, werden jedoch stets Felswände aufgesucht, mit Zweigen, Blättern und Gräser richten die Vögel in felsigen Nischen ihre Nester ein, in die dann schließlich 2-4 Eier gelegt werden. Wenn etwa einen Monat später die Jungen schlüpfen, genießen sie Schutz und Fürsorge beider Elternteile, und da Waldrappe sehr gesellig sind und meistens in größeren Gruppen brüten, kann man sogar beobachten, wie sich die einzelnen Mitglieder einer Gruppe gegenseitig bei der Aufzucht des Nachwuchses helfen, ein wahrlich fortschrittliches Sozialverhalten, doch selbst ein derart ausgeprägtes Teamwork schützt die seltenen Ibisse nicht vor jeder Gefahr …

     

    Einst war der Waldrapp in weiten Teilen Europas, Nordafrikas und Vorderasiens verbreitet, man fand ihn in Spanien, Frankreich, Ungarn, Serbien, Montenegro, Italien, der Schweiz, Österreich und auch Deutschland. Doch die Vögel  wurden bereits vor hunderten von Jahren so stark bejagt, das sie  heute nur noch in der Türkei, in Syrien, in verschiedenen nordafrikanischen Staaten und auf der Arabischen Halbinsel überleben konnten und selbst dort ist der Waldrapp nach wie vor allerlei Gefahren ausgesetzt, besonders schädlich für die letzten Populationen ist die zunehmende Besiedlung und intensive Bebauung ehemals wilder Areale. Auch den Felsklippen, die der Ibis dringend zum Brüten braucht, kommt der Mensch mit Häusern und Äckern von Jahr zu Jahr näher und behindert somit eine ungestörte Aufzucht von Jungvögeln, doch auch die Nahrungsbeschaffung wird für die Waldrappe immer schwieriger, denn wilde nährstoffreiche Böden verschwinden zunehmend und werden durch riesige, mit Pestiziden bearbeitete, Landwirtschaftsflächen ersetzt, außerdem wird der Waldrapp in weiten Teilen seines bereits stark dezimierten Verbreitungsgebietes nach wie vor intensiv bejagt, dies alles trägt dazu bei, das es von dieser Vogelart nur noch wenige hundert Exemplare in freier Wildbahn gibt.  

    Eines der letzten gesicherten Refugien des Waldrapps ist der Souss-Massa-Nationalpark im nordafrikanischen Staat Marokko. Hier leben etwa 200 Exemplare, deren Brutplätze von Artenschutzaktivisten streng überwacht werden. Eine große Hoffnung für das Überleben des dortigen Vogelbestandes stellen derzeit tausende Waldrappe in europäischen, afrikanischen und asiatischen Zoos dar, durch internationale Auswilderungsprojekte sollen sie den Waldrapp-Bestand dauerhaft hoch steigen lassen. Im Souss-Massa-Nationalpark leben bereits zahlreiche Exemplare, die ursprünglich aus zoologischen Einrichtungen in Spanien, Österreich und Marokko stammen, die Integration in die wilde Population gelingt dort weitestgehend problemlos.

    Auch in Mitteleuropa wurden in den letzten Jahren erste Auswilderungsprojekte gestartet, in der Toskana, im österreichischen Grünau und auch in der deutschen Gemeinde Burghausen. Die ersten Freilassungen verliefen erfolgreich, durch Hilfe von Umweltschützern konnten sich die, mit GPS-Sendern ausgestatteten, Tiere langsam aber sicher in der Wildnis zurechtfinden und auch Nachwuchs zeugen, doch nicht alle Versuche endeten mit Erfolg, so wurden dieses Jahr mindestens zwei Waldrappe, die in Burghausen ausgewildert wurden, beim Flug über Italien von Jägern abgeschossen, ein herber Rückschlag, der sich hoffentlich so bald nicht wiederholt …

    Dies war ein Beitrag aus der Reihe: CR-Porträts 

    Text: Rhino (Maxim Podobed)
    Bilder: Wikimedia Commons
    Infos: Wikipedia.de, Tierdoku.com, IUCN Red List, Burghauser Anzeiger 

     

Kommentare

8 Kommentare
  • Rhino
    Rhino @ Gluehwuermchen: Danke, wird beherzigt!
    26. November 2012
  • Stoffie
    Stoffie super bericht! wusste gar nicht das wir auch in deutschland mal solche vögel hatten :(
    hoffentlich bleibt uns diese art erhalten!
    3. Dezember 2012
  • lotte98
    lotte98 Toller bericht! Hoffendlich ist dieser tolle vogel bald wieder öfters vertreten :)!
    15. Dezember 2012
  • Jolly
    Jolly Toller Bericht, war schön zu lesen und auch mal interessant etwas über aussterbebedrohende Tiere zu erfahren, vorallem, das dafür etwas getan wird. Toll!
    18. Dezember 2012