Berichte

Green Metropolis

  • New York, Hong Kong, London - ökologisch gesehen die Besten Orte zum Leben... oder?

    Diese doch auf den ersten Blick etwas paradox anmutende Behauptung wird von David Owen, Journalist beim "New Yorker" und Autor des Buches "Green Metropolis", aufgestellt. Umso mehr Menschen auf dichtem Raum zusammen leben, umso umweltverträglicher verhalten sie sich, so Owen. Doch wie kann das sein?

    Owens Argumente bezüglich seiner These sind durchaus stichhaltig: ein hoher Prozentsatz an Menschen, die in Städten wohnen, benutzen öffentliche Verkehrsmittel, laufen oder fahren Fahrrad statt sich ins Auto zu setzten, da Geschäfte, Freunde oder die Arbeit so oft am Besten erreichbar sind. Die Wohnungen sind kleiner und verbrauchen somit auch weniger Energie zum Heizen, gerade in Häusern in denen sich zwei Wohnungen jeweils eine Wand "teilen". Große, energieverschwendende Geräte werden seltener gebraucht, überhaupt die gesamte Infrastruktur wird gemeinsam effizienter genutzt. Studien zufolge verbrauchen Menschen in Städten nur halb so viel Strom wie Menschen außerhalb. Ein New Yorker Einwohner verursacht zum Beispiel 30% weniger CO2 Emissionen als der durchschnittliche Amerikaner. 

    Owen geht sogar noch einen Schritt weiter und behauptet, dass selbst eine auf dem Land lebende Familie, ausgestattet mit einem Hybrid Auto, dreifach gedämmten Fenstern und einer Wärmepumpe im Endeffekt mehr Energie verbraucht als ein Stadtbewohner, da ihr Haus vermutlich größer ist, die Fahrt zur Schule, zur Arbeit und zum Einkaufen länger dauert(und nur mit dem Auto zu bewältigen ist), ein großer, künstlich angelegter Garten zu bewässern ist und die Infrastruktur durch die großflächige Verteilung der Menschen verdoppelt werden muss. "Wasted energy is wasted energy, no matter how it's generated", sagt Owen. Auf den ersten Blick verringert es also den Einfluss auf die Natur wenn sich die Menschen weit auf einer Fläche Land verteilen (auf jeden Fall sieht es schöner aus und riecht besser), doch im Endeffekt geht dadurch viel Energie verloren, das Problem von Umweltverschmutzung wird schwerer zu entdecken und zu beheben.

    Owens nächste Idee um das Leben in Städten noch "grüner" zu machen, ist, und das finde ich persönlich sehr interessant, nicht nur öffentliche Verkehrsmittel immer attraktiver zu machen, sondern Autofahren immer unattraktiver werden zu lassen. So ist er dafür, immer weniger Autos in die Innenstadt zu lassen und den Fußgängern den Vortritt zu gewähren, Straßen nicht mehr zu verbessern, keine neuen Parkplätze mehr zu schaffen und die alten mit hohen Gebühren zu belegen. Es soll weniger Platz auf den Straßen sein damit Staus entstehen und generelle Gebühren zum Benutzen von Straßen und Brücken sollen eingeführt werden, um die Menschen praktisch auf die Bürgersteige und in die öffentlichen Verkehrsmittel zu "zwingen". Owen bezeichnet alles was Autofahren angenehmer macht, so z.B. Freisprechanlagen für das Handy oder den "Drive-In" bei McDonalds als umweltschädlich. "Raise the price of doing bad, while making good more attractive". Und das solange, bis die Menschen von selbst mitspielen.

    Anstatt also alle raus aufs Land zu treiben sollte man lieber intelligente Lösungen finden, um Plätze wo Menschen bereits leben so umweltfreundlich wie möglich zu machen. Durchaus eine interessante Idee, finde ich, doch was meint ihr? Ist diese Argumentation schlüssig? Der Autor selbst gibt zu, dass manche seiner Vorschläge im Moment noch schlecht realisierbar sind und natürlich gibt es viele Großstädte, die genau das Gegenteil beweisen. Doch sollten wir dann nicht genau daran arbeiten? An unseren "grünen Metropolen der Zukunft"?

    Für alle die jetzt neugierig geworden sind:

    http://www.amazon.de/Green-Metropolis-Smaller-Driving-toSustainability/dp/1594488827

    Gibt es bis jetzt leider nur in Englisch so weit ich weiß, aber vielleicht kommt es ja bald auch in Deutsch raus =)

Kommentare

10 Kommentare
  • franzi94
    franzi94 Ich finde, er hat ganz genau Recht. Ein Mehrfamilienhaus verbraucht immer weniger Energie als ein Einfamilienhaus. Oder auch in WGs wird Energie gespart, wel ja alle zusammenwohnen, heizen, Geräte benutzen usw. Und die Idee, Fahrräder und die Bahn als Hau...  mehr
    6. Oktober 2009
  • MJ1499
    MJ1499 also ich sag ja nichts gegen seinen artikel, ich will nur sagen, dass man auch auf dem land mit öffentlichen verkehrsmitteln fahren kann^^und das stimmt ja sonst schoon, hab ich was anderes gesagt?? ich habs nur noch ausgeweitet denke ich...
    6. Oktober 2009
  • Doro
    Doro echt interessanter gedankengang!
    natürlich ist nicht alles so realisierbar, aber teilweise könnte man es wirklich anwenden.
    und die idee, autofahren unattraktiv zu machen ist nicht allzu neu, aber extrem wichtig! meiner meinung nach, müsste man alles, was...  mehr
    7. Oktober 2009
  • HannaS
    HannaS Super Artikel! Macht man sich ja nicht so viele Gedanken drüber, aber stimmt total.
    Und dass man auch auf dem Land öffentliche Verkehrsmittel benutzen kann, mag ja in einigen Regionen stimmen - aber es ist auf jeden Fall nicht so komfortabel und es gibt a...  mehr
    19. Oktober 2009