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Raising Resistance - Die Konsquenzen der Sojaproduktion

  • "Stell dir vor du stehst auf einem kleinen Stück Land, schaust nach Norden und siehst Sojafelder. Auch 300 Meter westlich stößt du auf Sojafelder, dort wird gerade Herbizide versprüht. Auch nach Süden hin bietet sich dir ein kilometerweiter Anblick auf Sojafeldern. Östlich sieht die Aussicht auch nicht besser aus. Auf dem Land, auf dem du stehst, sind die Pflanzen vertrocknet. Die angebauten Erdnüsse und Kartoffeln sind verdorben. Früher war die Landwirtschaft deine Lebensgrundlage. Jetzt musst du um deine Existenz kämpfen."

    Genauso geht es Geronimo. Dem Kleinbauern gehört ein kleines Stück Land in seiner Heimat Paraguay. Für ihn ist die Erde die Quelle des Lebens und „die Fabrik der Armen". Die Erde gibt seiner Familie und ihm alles, was sie zum Leben brauchen. Die „Campesinos“ sind Selbstversorger, doch ihre Existenz ist bedroht durch die Sojaproduktion.

                                                                              Geronimo

    Paraguay ist heute weltweit der viertgrößte Exporteur gentechnisch veränderter Sojabohnen. Soja wird gentechnisch verändert, damit sie resistent gegen das Herbizid Glyphosat ist. Glyphosat wirkt unselektiv gegen alle Pflanzenarten. Die gentechnisch veränderte Soja ist somit einfach vor Unkraut zu schützen. Doch das Herbizid zerstört nicht nur das Unkraut auf den Sojafeldern, sondern auch die angebauten Pflanzen auf den angrenzenden Grundstücken der Campesinos. Ihre Ernte wird zerstört. Zusätzlich verursacht der Einsatz von Herbiziden nicht abschätzbare gesundheitliche Risiken.

     „Manchmal sehe ich den Wald in meinen Träumen vor mir.“, sagt Juana, die Frau von Geronimo. Die gesamte Umgebung ihres Dorfes wurde durch den explosiven Sojaanbau in Mitleidenschaft gezogen. Das Dorf Santa Rosa liegt heute wie eine Insel in einem Meer von Soja. Doch die Kleinbauern des Dorfes wollen sich nicht geschlagen geben und für ihre Unabhängigkeit und Würde kämpfen.

                                                                            Juana

    Raising Resistance beschreibt wie sich ein kleines Dorf gegen die Sojaproduktion auflehnt. Zunächst äußern die „Campesinos“ ihre Existenzängste in Gesprächen, später sehen sie sich zur Landbesetzung gezwungen. Aus den „Campesinos“ werden Aktivisten. Sie schlagen ihr Lager inmitten eines Sojafeldes auf, um den Besitzer an der Aussaat zu hindern. „Hier herrscht praktisch Krieg.“, sagt der Anführer der Campesinos.

                 Kampf der Campesinos für ihre Rechte und Würde

    Doch der Film lässt nicht nur Campesinos zu Wort kommen, sondern auch Sojaproduzenten. Valirio Eichelberger, ein mittelständischer Sojaproduzent brasilianischer Herkunft, ist vom Sojaanbau abhängig. „Wir wollen doch auch nur Geld verdienen, um uns ein schönes Haus kaufen zu können“, erklärt seine Frau. „Das ist das Gesetz der Macht. Wer expandieren will, den kann nichts aufhalten.“, erklärt Clemente Busanello, ein anderer Sojaproduzent. Seine Felder umfassen 5000 Hektar.

                                                                        Sojabohnen

    „Das Soja-Modell ist Mord am Volk“, steht auf dem Schild einer Demonstrantin in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Aus allen Landesteilen sind Campesinos angereist und demonstrieren friedlich vor dem Regierungssitz des Präsidenten für ihre Rechte. Doch die Demonstration wird blutig niedergeschlagen. Der damilige Präsident Paraguays Fernando Lugo zeigte Verständnis für die aussichtslose Lage der Campesinos aber seine Versuche, die Situation zu ändern scheiterten an dem wirtschalftlichen Druck der auf der Regierung lastet. „Wir zahlen einen hohen gesellschaftlichen Preis – und dennoch müssen wir anerkennen, dass die steigende Produktion und der Export von Soja eine sehr wichtige Einnahmequelle für das Land darstellen.“

    Raising Resistance veranschaulicht gut die Lebenssituation der Campesinos und den Konflikt der Sojaproduktion. Dabei werden alle Beteiligten zu Wort gelassen. Paraguay steht hierbei stellvertretend für viele Orte Südamerikas und weltweit. Orte, wo genetisch manipulierte Sojabohnen angebaut werden, um den hohen Lebensstandard in Europa und Nordamerika zu halten und die steigende Nachfrage nach billigem Fleisch zu decken. Der Film lädt die Menschen zur Reflexion ein, auch über das eigene Konsumverhalten.

                                                                      Sojasprösslinge

    „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.“ Der Film beschreibt nicht nur die Folgen des Sojanbaus, sondern auch den entschlossenen Kämpfergeist der Bauern. Das hat mir sehr gut gefallen. Geronimo steht auf seinem Stück Land, schaut auf die Sojafelder und hat trotzdem ein Lächeln auf dem Gesicht. Er ist Optimist und glaubt daran, dass die Gerechtigkeit siegen wird. Dieses Lächeln Geronimos werde ich so schnell nicht vergessen.

    Hier der Trailer von Raising Resistance, leider wurde bzw. wird der Film in vielen Kinos nicht gezeigt, im November soll er jedoch auf DVD erscheinen.


    Fakten über Soja:

    - In den letzten zehn Jahren hat sich die Anbaufläche für die Gen-Sojaproduktion in  Südamerika schätzungsweise von 18 auf 43 Millionen Hektar vergrößert und ist damit heute so groß wie die Fläche der Europäischen Union.
    - In Lateinamerika und den USA werden heute über 90%, weltweit mehr als 70% genmanipulierte Sojabohnen angebaut.
    - 80% der weltweiten Sojaernte werden als Tierfutter verwendet.

    Man kann die Schuld für die Probleme des Sojaanbaus nicht nur bei den Sojaproduzenten suchen, wir müssen auf uns selbst schauen. Ist es nicht verständlich, dass auch ein Mensch in Paraguay ein schönes Haus haben möchte und deswegen Soja anbaut? Unser hoher Lebensstandard geht auf Kosten vieler anderer Menschen.Wir sollten uns fragen, ob es nötig ist, so viel (billiges) Fleisch zu essen. Und wir sollten unsere Mitmenschen über die Konsequenzen des billigen Fleischkonsums informieren.
     

    Copyright aller Bilder: Produktion von Raising Resistance

Kommentare

8 Kommentare
  • Sarah25
    Sarah25 @tierherzchen: Ich selber bin auch Vegtarierin und habe eigentlich fast noch nie Soja gegessen, weil Gemüse einfach viel besser schmeckt. Allerdings ist der Anteil der Sojaernte, der wirklich als Soja verkauft wird sehr gering im Vergleich zu dem was...  mehr
    19. September 2012
  • Carinaa
    Carinaa Dieser Bericht bringt mich echt zum nachdenken. Ich esse hauptsächlich nur Bio-Fleisch, trotzdem denke ich jetzt darüber nach, ganz auf Fleisch zu verzichten, da man ja viel anderes essen kann.
    Ein wirklich toller Bericht.
    29. September 2012
  • neongruenerengel
    neongruenerengel Jetzt erst als ich den Bericht zum dritten mal durchgelesen habe ist mir aufgefallen das ich den Film vor gut drei monaten geguckt habe. Das ist echt komisch warum ist mir das nicht früher aufgefallen ???
    30. September 2012
  • Traeumerli
    Traeumerli Wow, ein echt guter Bericht! Den Film will ich mir unbedingt ansehen, da das Thema sehr wichtig ist. Auch wenn Paraguay so weit weg erscheint, sind wir doch ALLE indirkt dafür verantwortlich durch unserem Wunsch nach billigen Fleisch.

    Schon im Trai...  mehr
    26. Oktober 2012