Berichte

Korsika

  • Zerklüftete Felswände, weiße Sandstrände, azurblaues Meer, sattgrün bewaldete Berghänge – Korsika ist Paradies. Ein Paradies mit Problemen, wie mir während meines Urlaubs auf der viertgrößten Mittelmeerinsel klar wurde.

    Korsika gehört zu Frankreich, obwohl die Insel näher an Italien liegt und die Korsen sich eher autonom fühlen, und hat sich seine Unberührtheit weitestgehend bewahrt. Große Teile der gebirgigen Insel sowie die gesamte Tier- und Pflanzenwelt stehen unter Naturschutz und weil es praktisch keine Industrie dort gibt, ist die Luft sauber und das Wasser kristallklar.
    Aber perfekt ist die Idylle nicht.

    Tourismus ist neben der Landwirtschaft (Weinanbau und Zitrusfrüchte) der wichtigste Wirtschaftszweig auf Korsika. Und wie so oft bringen Touristen außer Geld noch etwas anderes ins Land: Müll. Wilde Deponien wuchern an einigen Berghängen, die größeren Straßen sind von Plastikverpackungen gesäumt und auch einige der Strände sehen inzwischen leider nicht mehr so traumhaft aus. Die Einwohner sehen das nicht gern, aber zuständig fühlt sich auch niemand. Mit der Müllentsorgung hapert es: es gibt zu wenige Müllcontainer, die zu selten geleert werden, und nicht genügend Müllverbrennungs- oder -recyclinganlagen. Zudem produzieren die Franzosen auch ziemlich viel überflüssigen Müll. So gibt es dort quasi kein Pfand – und alle Mineralwasserflaschen landen in der Tonne oder eben im Gebüsch.
    Natürlich gibt es auch Projekte, die dieser Umweltverschmutzung entgegenwirken: viele kleine Dörfer gehen am Ende der Saison gemeinsam Müllsammeln und in allen Supermärkten kosten Tüten Geld, so dass die meisten Touristen nach der ersten Einkaufstour an einen Korb oder eine Tasche denken :)

    Das zweite größere Umweltproblem sind die Waldbrände, die jeden Sommer auf der Insel wüten und regelmäßig tausende Hektar der artenreichen Wald- und Buschlandschaft zerstören. Die wenigsten dieser Brände haben natürliche Ursachen. Jedes Jahr fliegen Versicherungsbetrüger, Grundstückseigentümer, Bauspekulanten und Viehhalter, die Weideland gewinnen wollten, auf. Ich war ziemlich geschockt, als wir an einem solchen Waldbrand in den Bergen über der „Hauptstadt“ Ajaccio vorbei fuhren. Schmutzig braune Rauchschwaden stiegen in den Himmel auf und orangene Flammen leckten gierig in den Himmel. Ein Berggipfel war schon komplett abgebrannt. Wo es nichts mehr zum Brennen fand, hinterließ das Feuer tote, graue Ödnis und verkohlte Baumstümpfe. Mehrere Löschflugzeuge flogen zwischen Meer und Feuer hin und her, nahmen Seewasser auf und warfen es über dem Brand ab.
    Ohne Bäume und Sträucher erodiert der Boden an den Berghängen sehr schnell und das Löschen mit Meerwasser führt nicht selten zur Versalzung der oberen Erdschichten, wodurch die Vegetation sich nur langsam wieder erholen kann.
    Dieser Brand konnte zum Glück gelöscht werden, aber er war und wird nicht der einzige dieses Jahr bleiben...

Kommentare

10 Kommentare
  • Lea133
    Lea133 Ich war in den Sommerferien auf Korsika und finde, dass diese wunderschöne Insel vor Massentourismus und dem daraus resultierenden Müll geschützt werden muss!
    14. September 2012
  • AnnaGreen
    AnnaGreen Der Artikel ist echt gut geschrieben!
    26. Oktober 2012
  • gutesHerz
    gutesHerz toller Bericht und schönes Bild :) das wasser ist soo klar :O schön :)
    24. November 2012
  • david.s
    david.s das ist echt traurig mit dem Müll. Wie kann es sein den leuten die Natur so egal ist.
    17. Januar 2013