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Entlaufener Baum gesucht!

  • Frankfurt - Auf Grund bis jetzt ungeklärter Vorkommnisse  ist am Montag, den 03. September in Frankfurt ein Baum entlaufen. Der Besitzer dieses Baumes, in diesem Fall die Stadt selber und dessen Bürgermeister, beklagten den Verlust sehr. Es sei eine Katastrophe, so der Bürgermeister, was sollten denn jetzt die anderen Städte von ihm und seiner Stadt halten? Auch befürchtet der Bürgermeister weitere Baumflucht. Es sei mit einer regelrechten Auswanderung der Stadtbäume zu rechnen. Alleinig die Bäume in den paar Parks scheinen bleiben zu wollen. Als Gegenmaßnahmen werden bereits Baumflüsterer aus weit entfernten Städten mit glücklichen Bäumen zu Rate gezogen. Die Experten sollen die Verhandlungen mit den Bäumen übernehmen. Zurzeit liegen noch keine konkreten Ergebnisse vor.

    Der Anlass für diesen (fiktiven) Zeitungsartikel? Die jetzigen Lebensumstände von Bäumen in Großstödten.

    „Wenn Bäume könnten, dann liefen sie aus den Städten davon!“ Dieser Spruch kommt vom  Baumexperten Eiko Leitsch. Der Hintergrund ist der, dass es Bäumen immer schlechter in Städten geht. Verschiedene Faktoren verursachen dies. Jeder spricht momentan von Green City, Green Building oder Green Capital – alles nur Gerede mit einer schönen Fassade, wenn man dem Experten glaubt. Seit über 30 Jahren beobachtet und untersucht Eiko Leitsch das Rhein-Main-Gebiet, beschäftigt sich mit Baumwuchs, Wurzelausbreitung  und wie es um das Grün in dem städtischen Gebiet allgemein steht. Denn diesem geht es nicht so toll, einfach ausgedrückt. Die Bäume haben schwere Kämpfe mit Witterungen und Platzmangel für die Wurzeln auszutragen und ob sie ihn gewissen ist ungewiss. Hinzu kommen Angriffe von Schädlingen und Nachverdichtung sowie Gebäudemodernisierung.

    Man könnte sagen, die Bäume und die Politik liegen momentan in einer Art Streit. Die Stadt will grünes Zeugs haben, aber achtet dabei nicht so sehr darauf wie es dem Grünzeugs dann geht. „Baurecht bricht Baumrecht“ sagt E. Leitsch nur dazu. Zwar wird im Rhein-Main-Gebiet vor einem Bauvorhaben jeder Baum einzeln geprüft, doch ihm reicht das nicht, denn meistens würden die Entscheidungen zu Lasten der Bäume gehen. Hinzu komme noch, dass die Oberen zwar das grün haben wollen, aber sich nicht um solchen Kram wie Bau(m)recht kümmern, sondern dieses den unteren Naturschutzbehörden und anderen überlassen. Es herrsche eine große Unkenntnis über das System Baum und das „Nicht-festlegen-Wollen“ der Politik. Eine Stadt wie Frankfurt müsse ein Konzept für die Zukunft parat haben, wie sie mit Grünflächen und Bäumen in der Stadt umgehen wolle, wie sie bestehende, funktionierende Grünflächen, aber auch das Grün auf privaten Grundstücken in den Stadtteilen erhalten wolle. Masterpläne bräuchte die Stadt, ohne ginge es nicht mehr. Je stärker der Zuzug in die Stadt sei, desto dringender sei das Konzept. Bauen und Bäume behalten geht nicht im jeden Fall auf, doch eine Möglichkeit sei es, hinterher neue Bäume zu pflanzen. So etwas müsse auch offen gesagt werden.

    Ein Baum mit dem die Bürger Emotionen verbinden und für den sie Kämpfen reiche ebenfalls nicht. Ein Baum ist kein „Ausstattungselement“, sondern ein Lebewesen! Das ein Baum auch mal Jahre nach einem Eingriff in die Wurzeln plötzlich ihre Standfestigkeit verlören, das falle offenbar Planern und Bürgern schwer zu akzeptieren. Denn das gefährlichste für einen Baum ist der Eingriff in die Wurzeln. So etwas müsse dokumentiert werden, fordert Leitsch. „Die Wurzeln eines Baumes sind in der Erde genauso groß und ausladend wie es seine Krone ist.“ Diesen Grundsatz möchte Leitsch am liebsten jedem Planer und Architekten unter das Kopfkissen legen. Doch so einfach ist es eben nicht.

    Die Stadt ist für den Baum zu einem Extremstandort geworden, daraus folgt, dass es passieren kann, dass unsere einheimischen Arten wie Linden, Eichen und Eschen aus den Städten verschwinden würden und stattdessen Exoten kommen müssten.

    „Mir fehlt derzeit die Verbindlichkeit“, sagt Leitsch. Alle redeten vom Grün, alle wollten es, im konkreten Fall werde aber wenig dafür getan. Dabei müsse jedem klar sein: „Grün kann ein Investitionshemmnis sein, und es kostet Geld für Pflege und Unterhaltung. Ein Baum wirft Schatten und hat Laub, das er im Herbst abwirft. Man kann sein Wachstum nicht aufhalten.“

     

    Quelle: Frankfurter Allgemeine

     

Kommentare

13 Kommentare
  • Alexbeppo
    Alexbeppo Toller Bericht! Interessantes Thema, hatte dazu noch nichts vorher gehört.
    6. September 2012
  • Punky
    Punky Toller Bericht, muss man sagen! :)
    Das Bild mit dem rennenden Baum kenn ich, das gibt\'s schon ewig, hab ich mal auf facebook gesehn :D
    6. September 2012
  • Meelyn
    Meelyn Ja leider wissen viele nicht dass Pflanzen auch Lebewesen sind.
    Oft werden auch Bäume gepflanzt weil es Vorschrift ist, dass auf den Parkplätzen der Einkaufsläden so und so viel Bäume zu stehen haben. Dann wird es abgenommen, sprich U...  mehr
    9. September 2012
  • Carinaa
    Carinaa Wenn ich mir heutzutage die Parks ansehe, liegt überall Müll rum und so.. Und so nah an der Straße...
    27. September 2012