Berichte

Python-Plage in Florida

  • Der Everglades-Nationalpark im US-Bundesstaat Florida wurde bereits vor mehr als 60 Jahren zum Schutz einer einzigartigen Marschlandschaft eingerichtet, in der u. a. Alligatoren, Seekühe, Pumas und Flamingos heimisch sind, mittlerweile gilt der tropisch warme Lebensraum sogar als UNESCO-Weltnaturerbe, doch die Artenvielfalt der Everglades ist zunehmend bedroht, eine immer rapider steigende Population asiatischer Pythonschlangen macht sich im Nationalpark breit und droht, das ökologische Gleichgewicht des Feuchtgebiets völlig zu zerstören.

    Vom Haustier zum Vernichter
    Die Dunkle Tigerpython ist eine der größten Schlangenarten der Welt und bewohnt die Regenwälder Südostasiens. Zur natürlichen Fauna der Everglades gehört die riesige Würgeschlange mitnichten. Da stellt sich die Frage, wie die Tigerpythons überhaupt nach Florida gelangen konnten?

    Die Antwort ist der zunehmende Wunsch nach exotischen Haustieren, sowohl in Europa, als auch in den USA wird das Hobby „Terraristik“ immer beliebter, und vielen Menschen sind kleine Geckos, Bartagamen und andere klassische Terrarientiere nicht interessant genug, stattdessen wird ein schimmerndes kleines Python-Jungtier gekauft, welches mit einer Länge von 60 Zentimeter noch einen hübsch anzusehenden kleinen Hausgenossen darstellt. Im Laufe der Zeit wachsen die kleinen Terrarium-Schlangen jedoch rapide, bis sie irgendwann Körperlängen von 3 – 4 Meter erreichen, und da ein Tier mit derartigen Maßen durchaus in der Lage ist, einen unvorsichtigen Menschen in’s Jenseits zu würgen, trennen sich zahlreiche Terrarianer irgendwann von ihren Furcht erregenden Mitbewohnern, indem sie die Schlangen einfach in die Wildnis aussetzen, einige landen dabei geradewegs im Everglades-Nationalpark. Zwar gilt die unfachmännische Auswilderung derartiger Exoten in den USA als Verbrechen, die Täter können jedoch meistens nicht identifiziert werden.

    Und so wie sich die Halter wohl nicht wirklich bewusst waren, welche Größen ihre dekorativen Haustiere eines Tages erreichen werden, so waren sie sich auch sicher nicht bewusst, welche fatalen Folgen ihr leichtsinniges und kriminelles Verhalten für die Natur Floridas hat!

    Willkommen im Schlangenparadies!
    In ihrer ursprünglichen Heimat, Südostasien, bewohnen Tigerpythons vor allem Regenwälder und halten sich bevorzugt in Gewässernähe auf, in den Everglades, einem riesigen tropischen Feuchtgebiet, haben die Würgeschlangen sehr ähnliche Lebensbedingungen und kommen deshalb ausgezeichnet mit diesem Lebensraum zurecht.
    Und wenn’s den Schlangen gut geht, vermehren sie sich auch, fatal ist dabei die Tatsache, dass Tigerpythons jährlich etwa 50 Eier ablegen, und somit ihren Bestand von Jahr zu Jahr rapide vergrößern, aus einer kleinen Population ausgesetzter Exemplare ist heute eine regelrechte Schlangenplage entstanden, man schätzt, dass sich mittlerweile Zehntausende Tigerpythons in den Everglades tummeln.



    Prädator vs. Prädator
    Die riesige Python-Population hat sich vor allem die „Pelztiere“ der Everglades als bevorzugte Beute ausgewählt, die Folgen sind verheerend, rund 90% der Waschbären, Luchse, Füchse und Opossums, die im Nationalpark beheimatet waren, sind mittlerweile verspeist worden, Wissenschaftler befürchten bereits ein gänzliches Aussterben einiger Säugetierarten. Auch die nur noch etwa 70 Pumas im Feuchtgebiet, die durch eine einzigartige rötliche Fellfärbung auffallen und vor allem unter dem Namen Florida-Panther bekannt sind, drohen als Python-Beute gänzlich ausgerottet zu werden!

    Doch sogar ein völliges Verschwinden der Pelztiere würde fatalerweise die Python-Plage nicht stoppen, denn die Riesenschlangen finden bereits neue Beutetiere, immer mehr Vögel fallen den Tigerpythons zum Opfer, darunter Kanadareiher und Waldstörche, für die der Everglades-Nationalpark ein wichtiges Brutgebiet darstellt.

    Es gibt kaum eine Art in den Feuchtgebieten Floridas, die sich gegen die invasiven Pythons verteidigen kann, es wurden sogar schon Angriffe auf ausgewachsene Hirsche dokumentiert.
    Die populären Mississippi-Alligatoren gehören zu den wenigen Tierarten, die den Tigerpythons zumindest teilweise Einhalt gebieten, zwar gelingt es den Schlangen immer wieder, auch einen kräftigen Alligator zu verschlingen, oftmals scheitern die Eindringlinge jedoch an der Wehrhaftigkeit ihrer gepanzerten Gegner. Die gesamte Plage werden die Mississippi-Alligatoren jedoch mit Sicherheit nicht aufhalten können, dafür ist die Python-Population einfach zu gigantisch …

    Kein Ziel in Sicht!
    Um die Zukunft der Everglades steht es durch die Schlangen-Plage mehr als schlecht. Als erste Gegenmaßnahmen hat man die Pythons mittlerweile zur Jagd freigegeben, die Gesetze für den Import von Riesenschlangen verschärft und Einrichtungen zum Auffang exotischer Haustiere gefördert, doch Experten bezweifeln, trotz all dieser Maßnahmen stark, dass der Python-Bestand in absehbarer Zeit dezimiert werden kann und befürchten einen baldigen ökologischen Untergang des einzigartigen Naturparadieses „Everglades“!

    Die erschreckenden Entwicklungen in Florida zeigen sehr drastisch, welche Folgen die übereilte und undurchdachte Anschaffung exotischer Haustiere haben kann, und ich denke, das auch wir, hier in Deutschland, uns vor der Aufnahme eines Tieres, besser drei- oder viermal überlegen sollten, ob eine Anakonda oder ein Nasenbär wirklich ein geeigneter Mitbewohner ist. Generell ist es nicht falsch, einmal darüber nachzudenken, inwieweit wir überhaupt Schlangen, Echsen, Schildkröten u. a. als lebendige Zimmerdekoration benötigen …

    Die zerstörerische Kraft eingeführter Schlangen hat man übrigens auch schon auf der Pazifikinsel Guam zu Spüren bekommen, hier hatte eine wesentlich kleinere Schlangenart, die Braune Nachtbaumnatter fast den gesamten Vogelbestand der Insel vernichtet und mehrere Tierarten gänzlich ausgerottet (siehe: Untergang und Rettung - die Geschichte der Guam-Ralle)

    gez. Maxim Podobed 2012

Kommentare

18 Kommentare
  • Zerschmetterling
    Zerschmetterling Und wieder trifft die Schlangen eigentlich keinerlei Schuld.
    Sondern der unachtsame Mensch, holt sich von den Tieren fasziniert, einen Exoten ins Haus. Bis der dem Menschen dann zu groß und gefährlich wird, und dann wird ein Tier, ohne nachzude...  mehr
    29. August 2012
  • Puma
    Puma Der vater einer Freundin von mir hat mir davon auch schon erzählt.Ein Tier,das die gefangen haben,war 7 Meter lang.....Es ist schon schlimm,wie dämlich und verantwortungslos manche Menschen sind...
    29. August 2012
  • lotte98
    lotte98 das ist ja wirklich schlimm! wird schwer eine lösung zu finden!
    6. September 2012
  • david.s
    david.s Das ist schrecklich. Es muss dringend eine Lösung gefunden werden.
    17. Januar 2013