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I pull on my Jeans and I feel alright!?

  • When I wake up in the morning light, I pull on my jeans and I feel alright...

    ...diesen Oldie ("Blue Jeans") kennt man vielleicht von aus dem Radio, aber ich muss gestehen, dass ich mich nicht mehr so "alright" fühle, wenn ich frühs in meine Jeans schlüpfe. Nicht dass die Jeans nicht gut aussieht... ;-) Aber die Jeans hang ja nicht schon immer so fertig im Laden. Bis dorthin legt sie normalerweise ca. 20 000 km (oder sogar 50.000 km!) zurück und hat somit einen echt weiten Weg, auf dem so allerhand passiert.

    Die ganze Geschichte beginnt in Ägypten mit der Baumwollproduktion. Diese wird in Monokulturen angebaut, wodurch ein hoher Einsatz von Düngemitteln nötig ist, da der Boden einseitig belastet wird. Auch an Pflanzenschutzmitteln wird nicht gespart - ein Baumwollstrauch wird bis zur Ernte ungefähr 25 mal gespritzt! Die Gifte können ungehindert in das Grundwasser oder benachbarte Getreidefelder gelangen.

    Die Baumwolle wird nach China transportiert und dort in Fabriken inmitten Staub, Lärm und Chemie verarbeitet. Die Arbeitsschutzmaßnahmen sind dort viel lockerer als z. B. hier in Deutschland. So kommt es dazu, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten müssen und an Weberhusten leiden, der durch eingeatmete Baumwollfasern ausgelöst wird. Damit die Fäden die Belastung der mechanischen Webstühle aushalten, werden sie mit biologisch nicht abbaubaren Chemikalien behandelt und dann werden die Pflanzenschutzmittel und Chemikalien aus Ägypten ausgespült und verschmutzen in China die Umwelt.

    Weiter geht die Reise auf die Philippinen. Hier werden die Garne und Stoffe mit chemischer Indigofarbe gefärbt. Nicht wenige der Farbstoffe und Hilfsmittel enthalten Schwermetalle oder sind krebserregend. Außerdem benötigt man für das Färben von einem Kilo Baumwolle hunderte Liter Wasser. Das Abwasser ist wegen seinen ganzen giftigen Inhaltsstoffen kaum mehr klärbar. Die Flüsse in der Nähe der Färbereien sind meist tot, die verseuchten Abwässer trotzdem einfach in sie geleitet werden.

    In Indien werden die Stoffe durch giftige Chlorbleiche heller gemacht. Die Stoffe, die für das Bleichen verwendet werden, sind schädlich für Haut, Augen und Atemwege und sie gelangen ja auch wieder ins Abwasser.

    Im New Mexico in den USA werden große Flächen durch den Abbau von Vulkansteinen zerstört. Diese braucht man, um eine stoned-washed Jeans herzustellen (daher der Name). Dazu wird die Jeans in einer Trommel mit diesen Steinen gewaschen, die anschließend als Sondermüll entsorgt werden müssen. Danach wird der Stoff mit formaldehydhaltigen Verbindungen, die krebserregend sind behandelt, damit die Jeans in der Waschmaschine nicht einläuft, und mit sonstigen Chemikalien, damit sie feuer- uns schmutzabwehrend ist.

    Die Jeans muss nun noch zusammengefügt werden: Man schicke Schnittmuster und Design in eine Fabrik in Taiwan, nehme Washinglabel aus den USA, füge Knöpfe und Nieten aus Italien hinzu und nähe dann alles in Taiwan zusammen, wo die Frauen unter schlechten Arbeitsbedingungen und zu geringen Löhnen bis zu 70 Stunden pro Woche an der Nähmaschine sitzen.

    Endlich ist die Jeans fertig und wird nach Deutschland transportiert, wo sie dann chemisch gereinigt und gebügelt letztendlich auf den Ladentisch kommt. Durch den Transport zwischen den ganzen Produktionsorten ensteht ein hoher Ressourcenverbrauch, z.B. durch das Flugzeug-Kerosin. Dazu kommen noch die CO2-Emissionen, die zum Klimawandel beitragen und nicht zu vergessen das ganze Verpackungsmaterial für den Transport.

    Der Weg einer Jeans ist in Deutschland womöglich aber noch nicht zu Ende. Wenn sie nämlich irgendwann in die Altkleidersammlung wandert, geht ihre Reise weiter. Zum Beispiel erst nach Holland zu Sortierung und dann mit dem Schiff nach Afrika, wo sie wieder verkauft wird. Dieser Altkleiderverkauf schadet aber wiederum den dortigen Textil- und Handelsfabriken und die Leute verlieren ihren Arbeitsplatz.

    Bei der Jeansproduktion entstehen wirklich allerhand Umweltprobleme, auf die man im ersten Moment gar nicht kommen würde. Immerhin verbraucht eine Jeans 6000 Liter Wasser bei der Produktion!!! Außerdem sind die ganzen Chemikalien ja immernoch in den Stoffen, wenn sie bei uns daheim im Schrank liegt. Die Gifte gelangen somit über die Haut in den menschlichen Organismus und viele Menschen reagieren allergisch auf die Stoffe. Außerdem sind sie krebserregend.

    Natürlich kann die Jeans bei der Herstellung auch einen anderen Weg gehen. Die hier beschriebene ist nur eine Möglichkeit der langen Reise einer Jeans. Fakt ist, dass die Baumwolle nur in warmen Ländern wächst und dort verarbeitet wird, wo es am wenigsten kostet, also wo beispielsweise die Arbeitskräfte am billigsten sind. Es kann auch sein, dass in der Jeans, obwohl sie Tausende Kilometer zurückgelegt hat, "Made in Germany" steht. Dann wurde einfach das Firmenlabel in Deutschland angenäht. Und weiter ist sicher, dass man davon ausgehen muss, dass bei der Herstellung einer Jeans in der Regel leider nicht auf die Auswirkungen auf die Umwelt geachtet wird.

    Die erschreckenden Fakten über die Jeans gehen mir morgens, wenn ich eine schöne Jeanshose aus meinem Kleiderschrank hole, blitzschnell durch den Kopf...

    ...I pull on my jeans and I feel alright???

     

    Fotos:  Evergreen

    Quellen:  Arbeitsblatt aus der WR-Unterricht in der 10. Klasse; http://www.praxis-umweltbildung.de/dwnl/kleidung/info_jeans.pdf

Kommentare

16 Kommentare
  • sternchen1
    sternchen1 echt ein sehr guter bericht. das eine jeans so viel schaden anrichtet hätte ich nicht gedacht
    23. September 2009
  • ClaraG
    ClaraG cooler bericht...
    war mir gar nicht richtig bewusst das jeans SO viel wasser verbrauchen..
    ich wusste das es viel ist aber das sind astronomische mengen..
    mit diesem wasser bräuchten tausende familien nicht zu vedursten..
    ...  mehr
    2. Oktober 2009
  • Evergreen
    Evergreen @mellihase und fuds: ich bezweifle sehr dass mein lehrer uns das erzählt hat, weil er nachdenklich ist. wahrscheinlich stands im lehrplan. leider nur so. die meisten leute interessierts ja gar nicht. uns eben schon ;-) lg
    4. Oktober 2009
  • marisar
    marisar Klasse Bericht ! eine günstigere methode die umwelt zu schonen wäre beispielsweise ein secondhand shop.Ist zwar keine so gute lösung wie öko-jeans kaufen, aber auf die art unterstützt man zumindest diese konzerne nicht !!
    8. Oktober 2009