Berichte

Expeditionen ins Tierreich – Pionier Heinz Sielmann

  • Expeditionen ins Tierreich ist eine deutsche Naturfilmreihe, die vom NDR produziert wird. 1960 startete sie im deutschen Fernsehen.

    Seitdem robben sich Tierfilmer durch den Matsch, schlagen sich durch den Urwald und schwitzen in den Wüsten der Welt – und sie entlocken der Natur immer neue Geheimnisse, die sie mit der Kamera einfangen.

    Diese von Heinz Sielmann begründete Tradition bringt die Natur vor der Haustür sowie aus fernen Ländern ins heimische Wohnzimmer.
    Heinz Sielmann ist einer der bekanntesten Tierfilmer Deutschlands. Außerdem war er Ökologe, Biologe, Verhaltensforscher, Produzent und Publizist. Bereits 1938 drehte Sielmann seinen ersten Tierfilm „Vögel über Wiesen und Haff“, welcher aber noch ein Stummfilm war. Er studierte Biologie und Zoologie. 1949 wurde dann sein erster Kinofilm „Lied der Wildbahn“ uraufgeführt. In diesen ersten Jahren seines Wirkens waren es die Verhaltensweisen der Tiere, die Heinz Sielmann den Menschen in seinen Filmen nahebringen wollte. Zudem produzierte er Unterrichtsfilme wie „Zimmerleute des Waldes“ oder „Im Hamsterrevier“. 1957 ging dann sein Traum von einer Reise nach Afrika in Erfüllung. Während dieser Reise drehte er den Film „Herrscher des Urwalds“, der 1959 ins Kino kam.
    Ab 1960 arbeitete er dann für den NDR. Während dieser Zeit wurde „Expeditionen ins Tierreich“ zu einer festen Institution und mehr als 170 Folgen entstanden, die seit den 70ern gesendet wurden. Heinz Sielmann entwickelte sich in den folgenden Jahren zum engagierten Natur- und Tierschützer. Denn durch die vielen Dokumentationen und Filme beobachtete er die zunehmende Naturzerstörung. Um Aufklärung zu schaffen, produzierte er unter anderem den Film „Naturschutz in Deutschland – wie retten wir unsere Zukunft?“ Im Jahr 1994 gründete er dann mit seiner Frau Inge die Heinz Sielmann Stiftung, die sich zur Aufgabe gemacht hat Refugien zu bewahren, junge Menschen für den Naturschutz zu begeistern und das „Heinz – Sielmann – Archiv des Naturfilms“ aufzubauen.
    Am 6. Oktober 2006 verstarb Sielmann. Zu Lebzeiten wurde er mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt, u. a. wurde er auch in das Council des WWF berufen, erhielt das Bundesverdienstkreuz und erhielt eine Ehrenurkunde für besondere Verdienste vom WWF.

    Chronik der „Expeditionen ins Tierreich“

    • „Das Jahr der Störche“ ist der erste Film in der Reihe. Die Dokumentation gibt einen Einblick in das Jahrhunderte alte Zusammenleben von Mensch und Storch. Es ist die erste Verhaltensdokumentation im deutschen Fernsehen.
    • Im selben Jahr bricht Sielmann zu den Galapagos – Inseln auf. Dort dauern die Dreharbeiten 9 Monate. Während dieser Zeit entstehen auch außergewöhnliche Unterwasseraufnahmen. Aus dem umfangreichen Material entstehen ein weiterer Kinofilm und eine dreiteilige Fernsehfassung, die 1963 dem Publikum präsentiert werden.
    • Unter schwierigsten Drehbedingungen verbringt Heinz Sielmann 19 Monate in Australien und im Pazifischen Raum. Das Ergebnis ist ein packender Mehrteiler, der 1965 ausgestrahlt wird.
    • Am 25. August 1967 wird dann das Farbfernsehen eingeführt und Heinz Sielmann kann nun auch den Zuschauern vor dem Fernseher und nicht nur den Kinozuschauern die farbigen Bilder präsentieren.
    • Im Jahr davor bricht er zu seiner längsten Expedition auf. 19 Monate geht es durch die Wildnis Nordamerikas. Im Jahr 1968 wird der erste Teil seiner mehrteiligen Amerikareihe „Lockende Wildnis“ ausgestrahlt und wird zum TV – Ereignis.
    • Im Jahr 1969 wird aus den kaum erforschten Regenwäldern Neuguineas berichtet. Als einer der Ersten präsentiert Heinz Sielmann seinen Zuschauern Aufnahmen exotischer Lauben – und Paradiesvögel.
    • Die Produktion „Begegnungen im Spechtrevier“ wird 1973 ausgestrahlt und bringt Sielmann den internationalen Durchbruch. In Großbritannien wird er ab nun „Mr. Woodpecker“ (Herr Specht) genannt, da er für diese Dokumentation kleine Spechte großgezogen hatte.
    • Im Jahr 1982 wird die 100. Sendung der „Expeditionen ins Tierreich“ ausgestrahlt. Sie trägt den Titel „Heinz Sielmann – Ein Leben unter Tieren“.
    • Im Jahr 1989 thematisiert Heinz Sielmann die Einflüsse des innerdeutschen Grenzstreifens auf Flora und Fauna. Und plädiert für eine enge Zusammenarbeit zwischen Ost und West beim Thema Tier – und Umweltschutz. 20 Jahre später wird wieder vom „Grünen Band“ berichtet. Denn es konnten sich seltene Tier- und Pflanzenarten im sogenannten Todesstreifen entwickeln.
    • Im Jahr 1991 verabschiedet Heinz Sielmann sich mit einem heimischen Thema von den Zuschauern. „Von Perlmuscheln und Neunaugen“ ist sein letzter Film für die Sendereihe „Expeditionen ins Tierreich“, die er 30 Jahre lang prägte.
    • Doch auch ohne Heinz Sielmann gehen die Produktionen vom NDR weiter und so wird 1999 ein weiterer Naturfilm mit dem Namen „Wildes Masuren“ gesendet.
    • 2001 wird die 250. Sendung ausgestrahlt.
    • Im Januar 2002 gelingen einem Kameramann des NDR Naturfilms die ersten Filmaufnahmen der ersten wieder freilebenden Wölfe in Deutschland.
    • Eine Reihe von Neuerungen tritt nun bei der Sendereihe auf: zum ersten Mal werden Animationen, neue Erzählweisen und Spielfilmszenen eingesetzt. In der Dokumentation „Der Siegeszug der Pferde“ kommen dann zum ersten Mal computeranimierte Szenen zum Einsatz. Sie dienen zur Erweckung des Urpferdes.
    • Im Januar 2004 machen sich die Tierfilmer mit einem Biologen auf die Reise in den brasilianischen Dschungel. Dabei gelingt ihnen das Unglaubliche: sie bekommen eine bis dato unbekannte Säugetierart vor die Kamera – ein Nabelschwein, das größte Südamerikas. Die erste Entdeckung eines landlebenden Großsäugers seit 10 Jahren – eine zoologische Sensation.
    • Im darauf folgenden Jahr erscheint „Andalusien – Land zwischen Himmel und Hölle“. Es ist der erste deutsche Tierfilm im hochauflösenden High Definition Format. Heute werden die Tierfilme nur in diesem Format gedreht.
    • Im weiteren Verlauf des Jahres 2005, präsentiert Ruslana (Gewinnerin des Songcontest 2004) den Zuschauern ihre Heimat: die Ukraine. So entsteht ein Film über die Wildnis der Ukraine.
    • „Die Wiese“ ist ein Film über den scheinbar bekannten Lebensraum Wiese. Mit Hilfe von High Definition Qualität und erstmals eingesetzten Super – Zeitlupenaufnahmen, bringt der Film erstaunliche Dinge zu Tage.
    • Im Jahr 2007 kann der NDR wieder eine enge Zusammenarbeit mit der BBC seit der Ära Sielmann verzeichnen. Diese Zusammenarbeit kommt in der Dokumentation „Die größten Wasserfälle der Erde – Naturwunder Iguaçu“ zum Ausdruck.
    • Im selben Jahr erhalten die Tierfilmer Oliver Goetzl und Ivo Nörenberg für ihre Produktion „Finnland – Bären, Elche, Riesenmarder“ einen der höchsten Preise auf dem Jackson Hole Wildlife Film Festival. Dies ist die größte Ehrung, die ein Nachwuchs - Tierfilmer erhalten kann. Die Jury honorierte mit diesem Preis die bislang ungefilmten Verhaltensaufnahmen von Vielfraßen in freier Wildbahn.
    • Im Jahr 2008 gewinnt der NDR Tierfilm erneut einen Preis. Beim Wildscreen Naturfilmfestival in Bristol erhält der Film „Abenteuer Yukon – Der lange Weg zum Eismeer“ den „Panda Award“. Er ist der bedeutendste Preis in der Branche. In dem Film folgt Andreas Kieling (auch einer der bekanntesten Tierfilmer Deutschlands und Bärenexperte) dem Lauf des Yukon von Kanada bis Alaska mit einem Kanu und einem Segelschiff. Vor allem die Authentizität gefällt der Jury.
    • Am Ende des Jahres startet eine vierteilige Co – Produktion des NDR, WDR und ORF. „Wilde Heimat“ zeigt deutsche und österreichische Lebensräume und begleitet Tiere durch die vier Jahreszeiten.
    • Im Jahr 2009 startet die siebenteilige Serie „Wildes Russland“. Sie ist die weltweit erste umfassende Darstellung der russischen Natur. Mit 1.200 Drehtagen und 600 Stunden Filmmaterial ist es das aufwendigste Tierfilmprojekt des deutschen Fernsehens.
    • Im selben Jahr wird erneut eine Produktion des NDR Tierfilms ausgezeichnet.
    „Mythos Wald“ wird wieder beim „Jackson Hole Wildlife Film Festival“ ausgezeichnet. Diesmal in der Kategorie „Beste Kamera“ und schlägt damit sogar Produktionen der BBC und Disney.
    • 2010 gelingt einem Kamerateam wieder eine Sensation: sie filmen einen der seltensten Menschenaffen der Welt. Cross River Gorillas sind eine seltene und noch nie gefilmte Unterart des Westlichen Flachlandgorillas.
    • 2010 treten gleich drei Produktionen in den Wettkampf um die „Oscars“ des Naturfilms an.

    Natürlich haben die „Expeditionen ins Tierreich“ bzw. der NDR Tierfilm noch viel mehr Produktionen erschaffen. So ist z.B. von ihnen auch der Kinofilm „Serengeti“.
    Die Kameramänner- und frauen nehmen für die Drehs viel auf sich. So sitzen sie stundenlang in ihren Verstecken um überhaupt einmal ein Tier vor die Linse zu bekommen. Aber die Aufnahmen, die sie dabei machen, sind dafür umso spektakulärer. Es zeigt sich auch, dass Tiere friedliche Lebewesen sind, denn nie wurde ein Kamermann oder eine Kamerafrau ernsthaft verletzt. Klar gab es mal Angriffe, aber die verliefen nie mit ernsthaften Verletzungen. Oft erlebten die Filmer, dass Tiere friedliebend sind. Andreas Kieling zum Beispiel filmte jahrelang Braunbären und Grizzlys in ihrer natürlichen Umgebung, doch nie wurde er von den Bären angegriffen, obwohl er ihnen sehr nahe kam. Sie akzeptierten ihn, denn er tat ihnen ja nichts. Und von solchen tollen Erlebnissen zehren die Kameraleute. Einer erzählte, dass sie auf einem Baum im Regenwald saßen um eine Adlerfamilie zu beobachten. Und hinter sich hörten sie die Kettensägen von den Arbeitern, die die Bäume fällten. Er sagte, die Vorstellung, dass der Baum, auf dem das Adlernest schon jahrelang war, nächstes Jahr nicht mehr sein wird, war eine schreckliche. Viele Kameraleute hoffen, dadurch, dass sie den Leuten die Schönheit der Natur zeigen, dass die Leute wachgerüttelt werden und mehr für den Naturschutz tun. Außerdem zeigen die Entdeckungen der unbekannten Tierarten, bei denen die Kameraleute dabei waren, dass sie viel für die Wissenschaft tun. Mein Respekt gebührt den Kameraleuten, dass sie so lange ausharren und viele Gefahren auf sich nehmen, um den Leuten die Natur näher zu bringen. Ich hoffe, genau wie die Kameraleute, dass die Leute, die das im Fernsehen oder im Kino sehen, wirklich sagen: „Ich tue mehr für den Umwelt- und Naturschutz.“


    Bekannte Tierfilmer und Tierfilmproduzenten sind:
    • James Algar
    • Ernst Arendt
    • David Attenborough
    • Christian Baumeister
    • Thomas Behrend
    • Jacques-Yves Cousteau
    • John Downer
    • Ernst Sasse
    • Werner Fend
    • Alastair Fothergill
    • Hans Fricke
    • Oliver Goetzl
    • Thoralf Grospitz
    • Bernhard Grzimek
    • Michael Grzimek
    • Jan Haft
    • Hans Hass
    • Felix Heidinger
    • Kurt Hirschel
    • Steve Irwin
    • Malcolm Douglas
    • Rob Bredl
    • Luc Jacquet
    • Andreas Kieling
    • Hugo van Lawick
    • Henry Makowski
    • Nigel Marven
    • Helmut Mülfarth
    • Kurt Mündl
    • Ivo Nörenberg
    • Marlin Perkins
    • Götz Dieter Plage
    • Eugen Schuhmacher
    • Hans Schweiger
    • Heinz Sielmann
    • Dirk Steffens
    • Horst Stern
    • Jens Westphalen


    Der Kanal der Expeditionen ins Tierreich:
    http://www.youtube.com/user/expeditionen?feature=results_main
     

    Qellen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Tierfilm
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/expeditionen_ins_tierreich/index.html
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/expeditionen_ins_tierreich/expeditionenchronik101.html
    http://www.sielmann-stiftung.de/de/stiftung/sielmann/vita_heinz_sielmann.php
    http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/expeditionen_ins_tierreich/logo158_v-einspaltig.jpg

     

Kommentare

5 Kommentare
  • Pferdefreak gefällt das
  • Julia018
    Julia018 Ja, Andreas Kieling ist toll. Für mich ist er auch eines meiner Idole.
    26. Juni 2012
  • Wasserjunge
    Wasserjunge Ich habe hier bei mir in der Nähe eine von vielen "Heinz Sielmann Stiftungen". In Elstal( bei Berlin) ;).
    Da gibt es z.B. Wisente und Przewalski Pferde...
    Wirklich schön dort ;)
    28. Juni 2012
  • Zerschmetterling
    Zerschmetterling Heeeeeeeey Dud,

    was für ein informativer Bericht.
    Was mir gefallen hat, ist, dass du "friedLIEbend" geschrieben hast....  mehr
    29. Juni 2012
  • Julia018
    Julia018 @Wasserjunge: Oh das ist ja toll, dass du bei dir in der Nähe einer der Heinz - Sielmann - Stiftungen hast ;). Kann ich mir denken, dass es dort schön ist :).

    @Zerschmetterling: Dud, das war schon beabsichtigt ;).
    1. Juli 2012