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Gas Flaring - Die schmutzigen Machenschaften der Ölmultis

  • Wie die Schornsteine einer fremden, unterirdisch lebenden Zivilisation ragen lange, dünne Rohre in den Himmel. An ihrem oberen Ende lodern mit unvorstellbarer Hitze hellrote Flammen. Schwarzer Rauch steigt in den Himmel, verpestet die Luft und bedeckt das gesamte Umfeld mit einer feinen Rußschicht.

    Dieses Szenario ist kein Science-Fiction-Film, es ist die bittere Realität. Bei der Erdölproduktion werden nämlich immer auch riesige Mengen von Erdgas an die Oberfläche befördert. Die oben beschriebenen Rohre sind sogenannte Gasfackeln, mit denen dieses Gas – genau – ganz einfach abgefackelt wird. Gas Flaring wird das Ganze in englischer Sprache genannt.

    Ein paar Zahlen gefällig?

    - Bei diesem Gas Flaring wird jedes Jahr ein Drittel des gesamten europäischen Erdgasbedarfs einfach so ungenutzt verbrannt.
    - Dabei entstehen 400 Millionen Tonnen Treibhausgase.
    - Das entspricht dem CO2 Ausstoß aller Autos in Deutschland, Frankreich und Großbritannien zusammen.

    Aber warum wird so viel Erdgas verschwendet, wo doch die Ressourcen immer knapper werden? Ganz einfach: Weil die Ölmultis damit Geld sparen. Zumindest kurzfristig. Denn würden sie das Erdgas aufbereiten und weiterverkaufen wollen, müssten sie erst einmal in modernere Anlagen investieren müssen – also Geld ausgeben. Da erscheint es ihnen einfacher und billiger, das ganze Gas einfach abzufackeln. Mit katastrophalen Folgen für das Klima und die Umwelt.

    Vor allem in Russland, Gabun und Nigeria wird das Gas Flaring praktiziert. Vor einiger Zeit hatte ich von dem ölverschmutzten Nigerdelta berichtet. Damals war mir noch gar nicht klar, dass diese Gasfackeln eine zusätzliche Belastung für Mensch und Natur darstellen. In Nigeria brennen die Gasfackeln des Ölkonzerns Shell seit über fünfzig Jahren: 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Riesige Mengen Kohlenstoffdioxid werden dabei in die Atmosphäre gepustet, Rußwolken sorgen für steigende Temperaturen, die Pflanzen verdorren, Menschen erkranken wegen den giftigen Gasen in der Luft. Und das, obwohl Gas Flaring in Nigeria verboten ist! Doch da der nigerianische Staat an der Ölproduktion mitverdient (55% der Einnahmen!), interessiert das niemanden so richtig.

    Dabei gibt es schon längst die Möglichkeit, das Begleitgas sinnvoll zu nutzen. Eine finnische Firma hat Generatoren entwickelt, die das Gas in Strom umwandeln. Mithilfe dieser Generatoren konnte PetroAmazonas, der staatliche Ölkonzern Ecuadors, die Gasfackeln bei seiner Ölförderung am Amazonas abstellen. Die Anschaffung und Installation der Generatoren kostete die Regierung 150 Millionen US Dollar. Diese Ausgabe bereut jedoch keiner: Dadurch, dass das Begleitgas nun genutzt werden kann, wird viel Geld gespart und die Investition zahlte sich bereits nach zwei Jahren aus. Außerdem wurde die CO2-Bilanz des Landes verbessert, wichtige Klimaziele wurden erreicht und Ecuador erhielt die begehrten CO2-Zertifikate von den Vereinten Nationen.

    Doch das ist leider nur ein kleiner Lichtblick unter vielen, vielen Negativbeispielen. Vor allem in Russland wird das Gas Flaring weiter praktiziert. Und auch wir in Deutschland tanken täglich gasgeflartes Öl aus Russland. Wir sind ganz einfach davon abhängig.

    Wer mehr über das Thema erfahren möchte, dem empfehle ich diese Dokumentation von arte:


Kommentare

5 Kommentare
  • LSternus
  • Puma
    Puma Dazu kann man nur . . . sagen,denn bei so viel Dummheit und Kutrzsichtigkeit fehlen einem einfach die Worte!!!
    21. Juni 2012
  • Taki
    Taki Man sollte das Erdgas verflüssigen und in den Pipelins mit dem Öl zur Rafenerie schicken. In einigen Staaten wird es schon gemacht. Somit muß das Gas nicht sinnlos abgefackelt werden. Wir müssen kein Erdgas von den Russen kaufen. Sch...  mehr
    23. Juni 2012
  • cookiefreak
    cookiefreak Unfassbar!
    11. September 2012