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Der Pakt gegen den Panda? Eine Meinung zur aktuellen Debatte um den WWF

  • Spiegel, Zeit, FAZ, FAS, SZ, ARD, WDR. Der WWF sieht sich aktuell starkem Gegenwind ausgeliefert und weiß kaum noch wohin. „Kumpel der Konzerne“ oder „Der Pakt mit dem Panda“ sowie „Schwarzbuch WWF“ sind prägnante und leider auch einseitige Namensgebungen für eine Reportage, Dokumentation oder einem Sachbuch, die einen ausgeglichenen Journalismus präsentieren sollen.

    Was hat es damit auf sich? Oftmals scheint doch etwas Wahres an solchen Geschichten dran sein, oder nicht?

    Als WWF Förderer, ehrenamtliches Mitglied in der WWF Jugend Redaktion und natürlich bei diversen Aktionen der WWF Jugend in verschiedenen Städten werde ich mittlerweile oft bezüglich des WWF und seine Machenschaften angesprochen – teilweise auch nur wegen des Tragens eines T-Shirts.

    In Bloggerkreisen ließt man vermehrt Zustimmungen zu eben dieser Berichterstattung über den WWF. Ganz so, als ob alle drauf gewartet haben, dass der WWF in den Schmutz gezogen wird und alle mit dem Finger drauf zeigen können. Doch was hat es mit den Fakten auf sich? Was hat der WWF zu sagen? Dies wird leider immer wieder ausgeblendet und wenn eine Stellungnahme zugelassen wird, wird diese sowieso abgewunken oder sie ist mehr ein schlechter Witz – so wie im jetzigen Spiegel in den Leserbriefen zu sehen ist.

    Als die Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“ von Wilfried Huismann im Spätsommer 2011 in der ARD ausgestrahlt wird, ist der WWF ebenso überrascht wie natürlich seine über 430.000 Förderer. Die Empörung ist gerade auf Facebook sehr gut mitzuverfolgen, da der so genannte „Shitstorm“ wochenlang andauert.

    Die Dokumentation spricht von Vertreibung einiger Ureinwohner, von Kooperationen mit Monsanto und Wilmer sowie Zertifikaten, die vom WWF vergeben werden aber keinen Nutzen hätten. Die Anschuldigungen sind so stark, dass der WWF Deutschland von jetzt auf gleich eine Antwort liefern soll. Was völlig utopisch gefordert wird, kommt wenig später in einer Art Faktencheck (1) vom WWF Deutschland hervor. Doch wie zu erwarten, sind diese Antworten für viele nicht ausreichend aber dennoch waren sie besser als eine ganze Dokumentation – denn sie beinhalten bis heute handfeste Fakten und keine wagen Pauschalisierungen oder Meinungen sowie falschen Übersetzungen von WWF Mitarbeitern in Indonesien.

    Der WWF stellt sich bis heute seinen Kritikern. Umso verwunderlicher ist das Auftreten der Süddeutschen Zeitung, die eine mehr als nur eine positive Rezension (2) über das „Schwarzbuch WWF“ schrieb, in der der WWF Deutschland nicht mit einer einzigen Silbe eine Gegendarstellungen zu den Anschuldigungen geben durfte. Das prekäre an der Sache: Der WWF liefert auf viele Fragen Antworten, die nie einen Weg in den Artikel finden (3)/(6). Dort werden angeblichen Fakten wie Kooperationen mit Monsanto oder Wilmer klar Einhalt geboten. Ebenso das der WWF Deutschland nicht zensiert oder das der WWF nicht mit Anwälten um sich wirft.

    Liest man sich den Schriftverkehr zwischen SZ und WWF Deutschland durch, sowie die erschienenen Artikel anderer Medien, so scheint klar zu werden: Es geht kaum um den WWF, als um eine Story, die sich verkaufen lässt. Das der WWF juristisch aktiv wird, nachdem die Dokumentation „Der Pakt mit dem Panda“ einfach verschriftlicht wird und das Ganze als Sachbuch abgetan wird, sollte keinen verwundern. Denn das Landgericht Köln hat erneut bestätigt (4), dass die Dokumentation aufgrund von Falschaussagen nicht wiederholt werden darf.

    Je öfter eine Aussage getätigt wird, bedeutet nicht direkt, dass sie richtiger wird. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber eben nicht auf seine eigenen Fakten. Das „Schwarzbuch WWF“ scheint diese Aussage nicht zu kümmern. Denn wer sich die Gegendarstellung des WWF Deutschland dazu durchließt, kann differenzierter an die Sache herangehen (5)!

    Übrigens: Wie war das noch mal mit Kennedy und dem Attentat, Herr Huismann? Sensationen und Skandale sind gut und schön, aber wo wird die Grenze überschritten?

    (1) http://www.wwf.de/wwfinformiert/
    (2) http://www.sueddeutsche.de/wissen/schwarzbuch-wwf-die-dunkle-seite-des-panda-1.1366518
    (3) http://www.wwf.de/schwarzbuch-wwf/antworten-an-die-sueddeutsche-zeitung/
    (4) http://www.wwf.de/wwfinformiert/gericht-entscheidet-erneut-fuer-den-wwf/
    (5) http://www.wwf.de/schwarzbuch-wwf/unsere-stellungnahme-zum-buch/
    (6) http://www.sueddeutsche.de/medien/gerichtsurteil-zu-schwarzbuch-wwf-erwartet-wenn-die-glaubwuerdigkeit-leidet-1.1382129

    Dieser Bericht ist in meinem Blog - peterjelinek.wordpress.com - erschienen. Schaut doch mal vorbei und erfahrt mehr über mich. Ich würde mich freuen! :)

    Bild: Copyright Peter Jelinek

Kommentare

5 Kommentare
  • Peet
    Peet @Maurice: Was ist so schlimm an einem Blog. ;) Ich arbeite wenigstens an einem und verfolge das Ganze :)
    15. Juni 2012
  • LSternus
    LSternus Seriöser Journalismis isz selten heut zu Tage - leider. Manch mal denke ich (und ich entschuldige mich wenn sich mein schwarzer Humor zeigt), dass Goebbels irgendwie überlebt hat und Journalist geworden ist.
    Noch was zum Spiegel: Der hat Heinric...  mehr
    15. Juni 2012
  • LSternus
    LSternus @Elephant: Gott bewahre! Die Bild wird alles daran setzen den WWF in Stücke zu reißen!
    Als Wölfe ein einzelenes Schaf in Sachsen gerissen hatten, hat die Bild Zeitung geschrieben: "Wölfe überfallen Streichelzoo!"
    15. Juni 2012
  • Anne95
    Anne95 Super Bericht, ich bin auch deiner Meinung!! Ich finde es schlimm, wie sich die Leute von solchen Artikeln beeinflussen lassen und nicht mal selber nachdenken oder sich selbst informieren, ob das so stimmen kann. Es wird einfach alles geglaubt, was in der...  mehr
    17. Juni 2012