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Der Rosa Flussdelphin - ein Portrait

  • Vor ein paar Tagen haben wir euch in der "kurzen Frage" gefragt über welches Tier ihr gern mehr erfahren würdet. Der Amazonas-Flussdelphin hat das Rennen gewonnen! Deswegen kommt hier das Artenschutzportrait über diese interssante Art für euch!

    „Was siehst du vor dir, wenn du an einen Delphin denkst?“ – Die meisten Menschen, ich und euch wahrscheinlich eingeschlossen, würden auf diese Frage in etwa so antworten: weites Meer, ein paar Rückenflossen, die still die Wasseroberfläche durchflügen oder eine Gruppe von Delphinen, die am Horizont aus dem Wasser springen.
    Doch wer denkt daran, dass das Szenario auch ganz anders aussehen könnte? Ein großer bräunlicher Fluss, im Hintergrund dichter Regenwald und im Vordergrund blaugraue, rosa Gestalten mit schmalen langen Schnauzen, ohne wirkliche Rückenflosse.

    Ja in der Tat, Delphine gibt es nicht nur in den großen Weltmeeren sondern auch im Süßwasser. Acht Arten von Flussdelphinen gibt es weltweit, eine von ihnen ist der Amazonas-Flussdelphin (Inia geoffrensis) Biologisch gesehen gehört er zur Klasse der Säugetiere, zur Ordnung der Wale und innerhalb dieser zur Familie der Flussdelphine. Er unterteilt sich in drei Unterarten.

                                                 Botos sind sehr neugierige Tiere

    Der Amazonas-Flussdelphin, auch Boto oder rosa Flussdelphin genannt, kommt in fast allen Süßwasserlebensräumen vor, die zum Flusssystem des Amazonas oder des Orinoko gehören. Das heißt sie sind in Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador und Guayana heimisch. Man kann sie dort sowohl in großen Flüssen und größeren Bächen als auch in Seen und überschwemmten Waldflächen antreffen. Während der Trockenzeit findet man sie jedoch meistens in Flüssen. Bei Hochwasser wandern sie in überschwemmte Wälder und Schilfbereiche.

    Rosa gefärbte Unterseite, schmale, lange Schnauze, kleine Augen, keine Rückenflosse – auf dem Foto eines Botos, erkennt man dessen Merkmale sofort. Seine Färbung ist besonders interessant. Seine Oberseite ist dunkel blaugrau gefärbt, wohingegen seine Unterseite durch eine rosa Färbung auffällt. Jungtiere sind meist grauer als erwachsene Amazonas-Flussdelphine. Die Färbung variiert allerdings je nach Gewässerfarbe und Aktivität des Delphins. Sind die Tiere sehr aktiv nimmt ihre rosa Färbung zu. Die lange Schnauze der Botos ist mit Tasthaaren versehen und obwohl Amazonas-Flussdelphine kleine Augen haben, können sie relativ gut sehen. Statt einer Rückenflosse, wie andere Delphinarten sie besitzen, haben sie nur einen niedrigen Kamm. Zudem besitzen Botos große, biegsame Flipper (Seitenflossen), die sie paddelartig zur Vorwärtsbewegung einsetzen.

    Krabben, Krebse, kleine Schildkröten, Wibellose aber vor allem Fische stehen auf dem Speiseplan der Botos. Mit Hilfe der Echolotpeilung können die Botos ihre Beute auch im trüben Wasser gut orten oder dank ihrer Tasthaare sogar ertasten. Noch eine weitere Charakteristik ihres Körperbaus zahlt sich bei der Nahrungssuche aus. Ihre Nackenwirbel sind nicht miteinander verwachsen. Dies ermöglicht ihnen die freie Bewegung des Kopfes, um auch Fische zwischen Wurzeln und Ästen überschwemmter Urwaldriesen zu erbeuten. Eine weitere wichtige Besonderheit zeigt sich im Gebiss der Tiere. Sie besitzen zusätzlich zu ihren normalen kegelförmigen Delphinzähnen im vorderen Kieferteil noch breitere hintere Zähne ähnlich unseren Backenzähnen. Wozu die gebraucht werden? Zum Knacken der Panzer von Krebsen oder anderen Schalentieren.

    Im Vergleich zu seinen bekanntesten Verwandten im Meer, dem Großen Tümmler, ist der Amazonas-Flussdelphin wesentlich leichter. Er wiegt ausgewachsen ca. 85 bis 130 Kilo. Trotzdem sind beide Arten etwa gleich groß. Botos haben eine Länge von 2 bis 2,5 Metern. Weibchen sind meist etwas kleiner als ihre männlichen Artgenossen, ansonsten sind keine äußeren Unterscheidungsmerkmale zwischen den Geschlechtern zu erkennen. Ähnlich wie bei ihren Verwandten im Meer beträgt die Tragzeit der Botos zwischen 10 und 12 Monaten. Es kommt stets ein Junges mit einer Körperlänge von ca. 80 Zentimeter zur Welt. Seine Lebenserwartung beträgt etwa 20 Jahre. Ein Wettrennen mit seinen Verwandten im Meer würde der Amazonas-Flussdelphin nicht gewinnen. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von drei bis vier Kilometer pro Stunden ist er ein eher langsamer Schwimmer.

    Zerstörung des Lebensraums, Fischernetze und Dämme sind akute Bedrohungen für die Amazonas-Flussdelphine. Durch die fortschreitende Waldzerstörung verlieren die Botos in der Regenzeit ihre Jagdzeit ihre Jagdgebiete. Außerdem kommt es durch die Entwaldung zu Erosion und Einschwemmen von Sedimenten. Dies verändert die chemische Zusammensetzung des Wassers und somit auch den Fischbestand. Manche Fischer verfolgen Botos, da die diese als Konkurrenz ansehen. Meistens werden die Tiere jedoch unabsichtlich als Beifang getötet. Da Botos sehr neugierig sind, haben sie auch keine Angst vor Motorbooten, weswegen es immer wieder zu Verletzungen durch Schiffsschrauben kommt. Auch der Bau von Dämmen und Wasserstraßen gefährdet die Botos. Ihre Lebensräume werden „zerschnitten“ und ihre Population so in kleine abgeschnitten Teilpopulationen gespalten, welches zu einem Mangel an genetischem Austausch führen kann.

    Weit gravierender für die Amazonas-Flussdelphin ist die Verschmutzung ihrer Gewässer. Öl sickert durch schlecht gewartete und defekte Pipelines in die Flüsse. Pestizide von den landwirtschaftlichen Flächen nahe der Flüsse finden den Weg ins Wasser. Quecksilber, welches seinen Einsatz beim Goldwaschen findet, wird achtlos in die Gewässer gekippt. So reichern sich im Körper der Tiere immer mehr Schadstoffe an, die sich negativ auf ihre Gesundheit auswirken.

    Viele Daten fehlen. Insgesamt ist vieles über den Amazonas-Flussdelphin noch unbekannt. Etwa ob sie wirklich als Einzelgänger leben oder wann sie ihre Geschlechtsreife erreichen. Selbst zuverlässige Bestandszahlen gibt es nicht. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund warum der Amazonas-Flussdelphin in der Roten Liste in der Kategorie „Data Deficient“ also „Daten mangelhaft“ aufgeführt wird. Bis 1996 wurde er jedoch in der Kategorie „Verletzlich“ gelistet. Man geht davon aus, dass der Boto gefährdet ist. Auch die Bestandsentwicklung ist laut IUCN unbekannt. Um zuverlässige Daten über die Flussdelphin-Population zu erhalten, hat der WWF Kolumbien zusammen mit anderen Organisationen die erste groß angelegte Zählung dieser Tiere initiiert.


    Damit sich jedoch auch in Zukunft rosa Gestalten ihren Weg durch Flüsse und überschwemmte Gebiete Amazoniens bahnen können, müssen wir ihren Lebensraum vor weiterer Zerstörung bewahren.

    Hier geht es zu einem Video über den Amazonas-Flussdelphin (leider nur auf Englisch)

     

    Quellen: www.iucnredlist.org, www.wwf.de

    Fotos 1,2,5 und Titelbild: © naturepl.com / Mark Carwardiene / WWF

    Foto 3,4: © Anton Vorauer/ WWF

Kommentare

14 Kommentare
  • Wasserjunge
    Wasserjunge Habt Ihr echt gut gemacht!
    Tolle Info´s und Bilder.
    Schöne undinteressante Tiere!!! ;)
    2. Juli 2012
  • JanaMarie
    JanaMarie Wirklich interessante Tiere diese Flussdelfine. Danke für den tollen Artikel! :)
    10. Juli 2012
  • JanaMarie
    JanaMarie Wirklich interessante Tiere diese Flussdelfine. Danke für den tollen Artikel! :)
    10. Juli 2012
  • 1234
    1234 Richtig tolle Tiere sind das, ich hatte das Glück die in echt zu sehen in Brasilien. Da sind auch immer Kinder mit denen geschwommen. Die sind richtig interessant und auch sehr schön anzusehen.
    30. August 2012