Berichte

Die Welt bewegen - Von Haiattacken und Haischutz

  • Stellt euch vor, ihr werdet von einer Biene gestochen…Die Reaktion vieler Menschen wäre darauf hin, diese Biene zu zerquetschen (auch wenn mich so was immer ärgert…).Wie müsste es dann wohl erst aussehen, wenn der Angreifer ein 1000kg schwerer (weißer) Hai ist? Und euch bei diesem Vorfall ein Bein, ein Fuß oder gar beides benutzungsunfähig gemacht werden? Würden sich die meisten danach nicht wie bei der Biene für die Ausrottung dieser Tiere einsetzten? Die Überraschung ist groß – die meisten Opfer von Haiattacken zählen zu den größten Haischützern überhaupt! (also ab jetzt bitte auch die Bienen schützen ;))

    Für manch Außenstehenden mag es unbegreiflich sein.  Wie kann man von einem Hai angegriffen werden und diese Art dann hinterher schützen? Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Angegriffenen einfach das Meer lieben. (Ist ja auch wahrscheinlich, denn sonst würden sie ja nicht so viel tauchen gehen und könnten nicht angegriffen werden).

    Pro Jahr werden weltweit nur ungefähr 65 Menschen (von 7 Milliarden!) von Haien angegriffen und dabei verletzt. Eine dieser Angegriffenen war Debbie Salamone, eine Turniertänzerin und in der Freizeit leidenschaftliche Taucherin. Sie hatte 2004 im Atlantischen Ozean nahe der Küste Floridas ihren Zusammenstoß mit einem Hai erlebt.

    Es war eine schreckliche Begegnung, als im hüfthohen Wasser ein Hai meinen Fuß zerfetzte. Wie durch ein Wunder überlebte ich den Angriff. Es dauerte Monate, bis ich ein paar Schritte gehen konnte.“ Debbie Salamone

    Das Tanzen war nach dem Angriff erst mal unmöglich. Es folgten Operationen und Monate im Krankenhaus. Da es im Krankenhaus nicht gerade spannend war, hatte sie viel Zeit zum Nachdenken. „Ich habe die Natur und das Schwimmen im Ozean immer geliebt und als Zeitungsreporterin oft über Umweltthemen geschrieben. Warum hatte sich die Natur jetzt gegen mich gewandt? fragte sie sich. Doch schließlich fing sie an diese Begegnung mit dem Hai als Prüfung ihrer Liebe zur Natur zu sehen. Ihre Entschlossenheit, die Meere und ihre Bewohner zu schützen, sollte auf die Probe gestellt werden. Denn wenn ihr wirklich etwas daran lag, sollte sie auch jetzt damit weitermachen. So traf sie ihre Entscheidung. Seit sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde, setzt sich nun aktiv für Haie und deren Schutz ein. Unteranderem in dem sie andere „Hai-Opfer“ anwarb auch zu schützen und der Organisation  Pew Environment Group beitrat, um die Haie vor dem Aussterben zu retten – ein sehr wahrscheinliches Schicksal, wenn die Menschen damit weitermachen, jedes Jahr Millionen Haie zu töten. *

    Obwohl viele der Menschen die von einem Hai angegriffen wurden, Arme und Beine verloren haben, sind sie leidenschaftliche Haischützer.  Vielleicht sind sie ja durch ihre Erfahrungen die idealen Fürsprecher für die Haie. "Sind wir so selbstgefällig, dass wir glauben, wir hätten das Recht, auch nur irgendeine Tierart an den Rand des Aussterbens zu bringen?", so der australische Kampftaucher Paul de Gelder (34), welcher 2009 ein Bein und einen Arm verlor, als ihn ein Hai während einer Übung im Hafen von Sydney angriff. (Im folgenden Jahr Sep. 2010 sprach er schon für mehr Schutz für diese Tiere). Für die, die eine Haiattacke überlebt haben, ist dieser Kampf ein persönlicher. Vielleicht möchten sie, dass ihr Unglück einem höheren Gut dient. Krishna Thompson zum Beispiel glaubt daran, dass er seine Feuerprobe überlebt hat, damit er seiner Berufung folgen und sich für den Haischutz einsetzen kann. Er verlor 2001 sein rechtes Bein und dass während er eigentlich seinen zehnten Hochzeitstag feiern wollte. "Ich habe eine zweite Chance im Leben bekommen", sagt er. "Es muss einen Grund geben, warum ich noch hier bin, und ich glaube, ein Teil dieses Grundes ist der Schutz der Haie. Ich bin hier, um diesen Tieren eine Stimme zu geben, um die Umwelt und die Gesellschaft zu einem besseren Ort für uns alle zu machen."

    Wenn das nicht von echter Stärke zeugt...

     

     

    *Ein paar (ganz kurze) Fakten zur Gefährdung der Haie:

    Haie sind inzwischen sehr gefährdet. Mehr als 200 Haiarten benötigen Schutz. Das liegt z.B. daran, dass auch Haie häufig als Beifang in Netzen verenden, oder am „Finning“. Wobei den Haien auf offenen Ozean Flossen abgeschnitten werden und die Tiere hinterher wieder in Ozean geworfen werden,  wo sie sterben. (Doch natürlich ist das hier nicht alles)

    Quelle: "Die Haiatacke, die mein Leben veränderte" WELT  Bild: wikimedia commons

Kommentare

15 Kommentare
  • Buntspecht
    Buntspecht Der Bericht ist wirklich toll, das mit der Biene echt cool. Die Leute die sich danach noch einsetzen sind echt fazinierend.
    2. Juni 2012
  • LSternus
    LSternus Toller Bericht.Ich freu mich, dass die meisten Opfer von Haiangriffen sich für den Schutz von Haien einsetzen.
    Warum können das dann nicht auch die Menschen die noch keinen "Feindkontakt" mit Haien hatten?
    6. Juni 2012
  • NDelphine
    NDelphine Dieser Bericht ist echt toll. Das so viele Menschen sich nach einem Haiangriff für den Schutz dieser Tiere einsetzen ist einfach schön zu hören. Die Geschichte mit dem "Finning" habe ich schon einmal gehört. Ich habe ein Vide...  mehr
    21. Oktober 2012
  • Leo2712
    Leo2712 Toller Bericht. Finning finde ich sowas von grausam und abartig. Es ist wirklich eigenartig dass sich menschen nach einem Haiangriff für diese Tiere einsetzten. Aber auch wirklich toll.
    29. Oktober 2012