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Todesfallen im Schutzgebiet der Schweinswale

  • Mit einer Länge von 1,5 bis 2 Metern sind Schweinswale die kleinsten Wale in offenen Gewässern. Und in der Ostsee vom Aussterben bedroht! Aufgrund des Fischfangs sind - auch im Schutzgebiet der Schweinswale - in immer größerer Tiefe Stellnetze, in denen sich Schweinswale auf ihren bis zu sechs Minuten langen Tauchgängen häufiger verheddern und qualvoll ersticken. Immer mehr tote Schweinswale weisen Verletzungsspuren von Stellnetzen auf!


    © Bernd Lammel / WWF

    Auch mit ihrem Echolot haben Schweinswale keine Chance, die Fangnetze zu bemerken und so dem qualvollen Tod zu entgehen. Deswegen kämpft die einzige Walart Deutschlands in Ostsee um ihr Überleben. Den meisten Anteil der Todesursachen trägt der Fischfang, der auch in den deutschen Meeresschutzgebieten ohne Rücksicht oder Einschränkung betrieben wird.
    Jochen Lamp, Meeresschutzexperte des WWF sagt zum Thema: „Fischerei ist die menschliche Aktivität, die den Artenreichtum der Meere am stärksten schädigt – trotzdem findet sie in unseren Meeresschutzgebieten ungehindert statt und fordert auch prominente Opfer wie den Schweinswal“. Über 30 Prozent der Meeresgewässer in Nord- und Ostsee hat Deutschland als Schutzgebiet ausgewiesen. Das sind mehr als 4 500 Quadratkilometer, eine Fläche, ungefähr so groß wie Bremen, Saarland, Hamburg und Berlin zusammen. Doch darf jeder Quadratmillimeter dieser Schutzgebiete befischt werden, da seit sechs Jahren keine Auflagen für die Fischerei in Schutzgebieten erlassen werden. Des Weiteren erläutert Lamp: „ Während in den Behörden Stillstand herrscht, ersticken die Schweinswale weiterhin qualvoll in Stellnetzen“.


    In den elf Jahren von 1994 bis 2005 ist der Bestand der Schweinswale zwischen Kattegat und Fehmarn um drastische 60 Prozent geschrumpft! Laut WWF nimmt die Zahl der Todfunde besonders in der westlichen Ostsee zu. Sobald sich ein Schweinswal, der bis zu 90 Meter tief tauchen kann, in einem Stellnetz verheddert, hat er keine Möglichkeit mehr zu entkommen – er erstickt qualvoll!


    Nun fordert der WWF, dass 50 Prozent der Meeresschutzgebiete fischerfrei bleiben müssen, damit sich das angeschlagene Ökosystem erholen kann. Auch im restlichen Schutzgebiet müssen Maßnahmen ergriffen werden: Ökologisch bedenkliche Fangtechniken müssen räumlich oder zeitlich begrenzt werden. Für die 20 Schweinswalschutzgebiete von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sieht der WWF besonderen Handlungsbedarf, da sich die Schweinswalmütter während der Jungenaufzucht von Mai bis August vor allem in der Eckernförder Bucht oder im Gebiet vor Fischland-Darß auf. Zudem sollten die Bundesumwelt- und Bundeslandwirtschaftsministerium die schadhaften Folgen der Fischerei einschränken und dezimieren, und Maßnahmenvorschläge an die EU-Kommission reichen, um die sechs Meeresschutzgebiete der AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) zu erhalten. Außerdem müssen, so der WWF, bis Ende 2013 die Management-Maßnahmen für die Natura-2000 Gebiete festgelegt sein. So fasst Lamp zusammen: „Um den Ostseeschweinswal zu schützen, muss die Politik auf allen Ebenen dringend ihre Hausaufgaben machen“.


    Weitere Probleme des Schweinswals sind andere menschliche Aktivitäten, die ihren Lebensraum verändern und so die Schweinswale gefährden. So sind beispielsweise die Schnellfähren und der damit einhergehende Lärm aufgrund des Baus von Offshore-Windkraftanlagen ebenfalls ein Problem. Außerdem geht man davon aus, dass die hohe Schadstoffkonzentration im Meerwasser die Fortpflanzungsfähigkeit und Immunität der Meeressäuger einschränkt.                                                                                                    

    Besonders die Population der Schweinswale in der Ostsee ist gefährdet. Die Ostseeschweinswale unterscheiden sich genetisch von anderen Vorkommen und bilden eine eigene, kleine Population, die man auf 100-400 Tiere schätzt. So gefährdet schon der Tod von zwei bis drei Walen pro Jahr das Überleben der gesamten Population!
     

    Passend zum Tag des Ostseeschweinswals am Sonntag, den 20. Mai, wünsche ich den Schweinswalen alles Gute, und dem WWF viel Glück, dass es gelingt, die Ostseepopulation der Schweinswale zu sichern! Auf den Ostseeschweinswaltag, und dass es diesen Tag noch sehr lange geben kann!

    Text: eagle4nature (Fabian Nagel)
    Bilder: © Bernd Lammel / WWF : Wikimedia Commons ; Wikipedia
    Quelle: WWF Deutschland

Kommentare

11 Kommentare
  • Veggieburger
    Veggieburger Allein das erste Foto hat mich schon so erschrocken... wie kann man in eien Naturschutzgebiet fischen. Da muss ich Urmeli zustimmen!!!
    22. Mai 2012
  • Wolfsmaedchen
    Wolfsmaedchen Ich hoffe wirklich, dass sich das ändert mit dem Fischen im Schutzgebiet!
    23. Mai 2012
  • Wolfsmaedchen
    Wolfsmaedchen Ich hoffe wirklich, dass sich das ändert mit dem Fischen im Schutzgebiet!
    23. Mai 2012
  • grinsekatze
    grinsekatze Die armen Schweinswale! :o
    Hoffentlich ändert sich da endlich mal was! Danke für deinen Bericht!
    15. August 2012