Berichte

Licht und Schatten beim Tigerschutz

  • Einer WWF-Analyse zufolge erfüllen auch zwei Jahre nach dem internationalen Tiger-Gipfel in St. Petersburg Zweidrittel aller untersuchten Tiger-Schutzgebiete nicht die notwendigen Mindeststandards, um einen ausreichenden Schutz der seltenen Großkatzen vor Wilderei zu gewährleisten. Vielen Schutzzonen fehlt es an ausreichendem Personal. Die Strafverfolgung von Wilderei und Schmuggel seitens der Behörden ist ungenügend. "Das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft, die Bestandszahlen der Tiger bis ins Jahr 2022 von heute etwa 3.200 auf mehr als 6.000 zu verdoppel kann nur gelingen, wenn endlich in den entscheidenden Tiger-Lebensräumen die Wilderei auf nahezu null reduziert wird“, sagt Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland.

    Hochrangige Regierungsvertreter aller dreizehn Tigerverbreitungsstaaten treffen sich in diesen Tagen in Neu Dehli. Diese Aufmerksamkeit nutzt der WWF, um den Verantwortlichen erneut ins Gewissen zu reden. Probleme gibt es noch genug: Den Tiger-Schutzgebieten fehlt es an einem einheitlichen Management und international vergleichbaren Schutz-Standards. So gibt es etwa im Royal Belum State Park in Malaysia, der vom WWF als entscheidend für das Überleben des Malayischen Tigers eingestuft wird, erhebliche Wilderei. Kein Wunder, so lange für eine Fläche von über 1.000 Quadratkilometern nur 17 Ranger eingesetzt würden. Zum Vergleich: Im indischen Nationalpark Kaziranga sind rund 800 Vollzugsbeamten für rund 860 Quadratkilometer verantwortlich.

    "In vielen Tiger-Heimatländern geht es vor allem darum, die Natur auszubeuten. Es werden Milliarden Euro in neue Infrastrukturprojekte gesteckt, Lebensraumzerstörung schreitet voran, aber effektive Wilderei-Bekämpfung gibt es oft nicht", kritisiert WWF-Experte Volker. So sind auch zwei Jahre nach dem Internationalen Tigergipfel in St. Petersburg bisher nur sieben Tigerverbreitungsstaaten, darunter Indien, Vietnam und Nepal, im Global Tiger Forum (GTF) organisiert. Doch nur eine permanente, internationale Struktur, die den Tigerschutz überwacht und vorantreibt, kann eine effektive, grenzüberschreitende Bekämpfung auch von Wilderei und Schmuggel gewährleisten. Der WWF fordert daher vor allem von China und Russland, endlich dem Forum beizutreten.

    Neben aller Kritik gibt es aber auch positive Entwicklungen, sagt Volker. Ein Pilotprojekt zur Wilderei- und Schmuggelbekämpfung wurde in Nepal, Bhutan, Indien und Malaysia gestartet. In Indonesien haben weitere sieben Anti-Wildereieinheiten durch WWF-Unterstützung ihre Arbeit zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tigers aufgenommen. Und auch in der Mekong-Region wurden im vergangenen Jahr Ranger ausgebildet, für die der WWF die notwendige Feldausrüstung bereitstellte.

    Als erfolgreich hat sich 2011 außerdem die Einrichtung von Informationsnetzwerken in den Gemeinden, die um Tiger-Schutzgebiete herum liegen, erwiesen. Damit wird es für Wilderer zunehmend schwerer, bei ihren illegalen Taten unentdeckt zu bleiben. Die Effektivität der Naturschutzarbeit in der Mekong-Region beweisen demnach steigende Populationszahlen von Huftieren, die auch den Tiger nicht verborgen bleiben dürften. Vermehrt finden sich nach WWF-Informationen deren Spuren in immer größeren Teilen des Waldes. Bis sich die Maßnahmen jedoch in steigenden Tiger-Bestandszahlen niederschlagen, müssen noch einige Anstrengungen unternommen werden. Wir vom WWF bleiben da dran! Fest versprochen!

Kommentare

6 Kommentare
  • Puma
    Puma Hey wie toll,gute Nachrichten!!Da freut man sich.Die Nachzügler schaffen es mit der Wildereibekämpfung garantiert auch noch!!
    16. Mai 2012
  • Tanja140211
    Tanja140211 Das freut mich sehr, aber es soll noch besser werden! ; )
    Wir müssen so weiter machen! Danke WWF
    18. Mai 2012
  • raubkatze
    raubkatze Echt schade, dass so schöne Tiere wie Tiger vom Aussterben bedroht sind; Hoffentlich zeigt der Einsatz des WWF bald noch mehr Wirkung!!!!
    18. Mai 2012
  • ingachen
    ingachen Wirklich schlimm, dass es überhaupt Menschen gibt, die so grausam sind, dass sie diese anmutigen Tiere aus reiner Profitgier töten und ihnen den Lebensraum nehmen..
    Umso bemerkenswerter ist es, wie der WWF sich einsetzt! Hoffentlich gibt es bal...  mehr
    2. Juni 2012