Berichte

WWF Jugend Redaktionstreffen - Junge, ist datt Watt schön!

  • "Du, hatts gerade angefangen zu regnen?"
    "Hm, ne, der Sand hat sich nur manifestiert."
    "Manifestiert?!? Hm, seltsam..."

    Fünf Minuten später...

    "Hm, biste sicher das das Sand ist? Ich glaub weniger."
    "Hm, watt nen Dreck. Jetzt regnet's."

    Zehn Minuten später...

    "Verdammt, jetzt hagelt’s auch noch?"
    "Gut, dass der Leuchtturm noch weit weg ist. Dann können wir den Hagel ja richtig genießen."

    Jaja, was war das doch für ein Wochenende. Die WWF Jugend Redaktion traf sich für drei Tage in Husum am Wattenmeer. Hätte ich gewusst was da auf mich zukommt, ich hätte es jeder Zeit wieder gemacht! Ein Wochenende voller lustiger Momente, interessanter Infos, viel Hagel, einem DDR-Föhn, schmerzenden Füßen - und vor allem mit guten Freunden.

    JohannesB, MarcelB, midori und ich sind auf dem Weg von Berlin nach Husum. Heute geht es für drei Tage ab nach Husum zum nächsten Redaktionstreffen der WWF Jugend. 14 Redakteure von uns kommen dorthin und einige habe ich selber noch nie persönlich getroffen. Die Wetteraussichten lassen nichts Gutes erahnen. Und das, obwohl wir in Berlin rund 28 Grad haben...

    So fahren wir vier Stunden mit dem Zug, bis wir bei rund 15 Grad und Wind in Husum aussteigen. Während der Zugfahrt wird die Gruppe immer größer: HannaS, LaLoba, MaRyLou, Nivis und Oekojule kommen hinzu, sodass wir zu acht am Bahnhof stehen. Dort angekommen warten schon Marcel und Sarah25 auf uns. Die Restlichen sollten im Laufe des Abends noch dazu kommen, und zwar im wunderschönen Garten von WWF-Mitarbeiterin Anja.

    Bei Lagerfeuer und relativ angenehmen Temperaturen essen wir Tofuwürstchen und Salate, machen uns selbst Holunder-Limo (JohannesB und midori waren sehr wagemutig mit dem Zeug...) und zum Nachtisch gibt es selbstgemachtes Apfelmus vom Apfelbaum im Garten - einfach nur wunderschön. Selbst der kurze Regenschauer kann uns die Stimmung nicht verderben. Später am Abend kommen schließlich Carina, Gluehwuermchen und Rhino hinzu, sodass wir nun alle vollständig beisammen waren. Auch Hans-Ulrich schaut bereits vorbei. Er arbeitet für den WWF Deutschland in Husum, wo er seit Jahren die Naturschutzprojekte rund um das Wattenmeer koordiniert. Morgen wird er uns das Wattenmeer aus unmittelbarer Nähe zeigen...

    Der nächste Tag beginnt mit einem seltsamen Geräusch, das mich aus dem tiefen Jugendherbergsschlaf reißt. Um gefühlt sechs Uhr morgens fangen die Mädels an, mit einem DDR-Föhn gründlich das Badezimmer zu reinigen, sodass ich, und ich vermute mal noch andere, das Gefühl haben, es steht die ganze Zeit jemand mit einem Föhn neben dem Bett. Nach dem Frühstück heißt es dann schön warm einpacken für die bevorstehende Wattwanderung! Obwohl es Ende Mai ist, empfiehlt es sich, mit Klamotten, die geradezu für den Winter geeignet sind, auf Wattreise zu gehen...

    Während uns ein Kleinbus quer durch Husum schaukelt, erklärt uns WWF-Experte Hans-Ulrich bereits die ersten erstaunlichen Aspekte dieser Region. Wir halten kurz an und erfahren, dass unmittelbar in der Nähe zu Husum einer der ersten Windparks mit 22 Windrädern in den 80er Jahren entstanden ist und dass es dazu extra ein Informationszentrum gab. Mittlerweile wurden die 22 Windräder durch fünf deutlich leistungsfähigere ersetzt. Ebenso erklärt uns Hans-Ulrich die Deichanlagen und wir dürfen einen ersten Blick auf das Wattenmeer werfen, das vor uns lag.

    Zudem erfahren wir mehr über die länderübergreifenden Naturschutzprojekte zum Schutz von Gänsen und anderen Zugvögeln, die mittlerweile wieder in großer Zahl vorhanden sind. So konnten sich Nonnen- und Ringelgänse (links im Bild) wieder zahlreich ansiedeln. Außerdem erklärt uns Hans-Ulrich, wie schwierig es ist, im Geflecht der verschiedenen Interessensvertreter Naturschutz zu betreiben. Die Einrichtung des Nationalparks Wattenmeer, welches mittlerweile auch Weltnaturschutzerbe ist, hat geschlagene 17 Jahre gedauert - um nur ein Beispiel zu nennen.

    Am Ziel angekommen geht es auch schon zu Fuß los. Die Seeluft strömt in die Lungen, und oben auf dem Deich angekommen erwischt es uns eiskalt. Der Wind bläst dermaßen krass, dass man sich schon fast gegen den Wind fallen lassen kann. Ich selber habe wirklich Schwierigkeiten die Kamera in Ruhe zu halten. Auch weiter unten lässt der Wind kaum nach - was die rastenden Ringelgänse aber kaum zu stören scheint. Links von uns lag der Leuchtturm - beliebtes Postkartenmotiv der gesamten Nordseeküste.

    Kurz vor dem eigentlichen Wattenmeer kommt dann der Moment der Wahrheit: Schuhe und Socken aus, Hose hochkrempeln - und dann rein ins Vergnügen! Die ersten Minuten geht es noch durchs knöchelhohe Wasser, dann stehen wir auf dem Meeresboden. Der Wind pfeift uns um die Ohren und ich frage mich ernsthaft, wie lange wir hier bleiben wollen. Wie sich später herausstellt doch noch ein Weilchen... und das, obwohl mir jetzt schon kalt ist. Da hätte ich wohl doch mehr anziehen müssen...

    Dennoch haben wir mit dem Wetter immer noch Glück. Die Sonne lässt sich ab und zu blicken und trockener Sand fegt an unseren Füßen entlang, was merklich an den Waden kribbelt. Das Ganze erinnert kaum noch an ein Meer, sondern eher an eine Salzwüste und wirkt auf mich sehr beeindruckend.

    Wir laufen immer weiter ins Wattenmeer hinein, bis wir schließlich das Meer erreichen. Dort erklärt uns Hans-Ulrich das Wechselspiel der Gezeiten und zudem die Artenvielfalt hier im Meer. Auch wenn das Wattenmeer als artenreich gilt, ist es doch im Vergleich zu anderen Ökosystem gar nicht so übervoll an verschiedenen Arten. Die Arten, die es aber gibt, sind ganz besondere! Denn die Lebewesen müssen damit klar kommen, dass sich in gewissen Arealen das Wasser regelmäßig zurückzieht und sie im trockenen liegen. Gerade das ist es, was das Wattenmeer einzigartig macht.

    Maxim (Rhino) - sichtlich happy!

    Nach knapp über einer Stunde stellt sich dann die Frage, ob wir uns auf den Rückweg machen oder noch ein Stück weiter entlang des Wassers laufen. Gott sei Dank entschieden wir uns für den Heimweg, auch wenn uns das nicht vor dem ankommenden Hagelsturm schützen sollte. Denn mittlerweile war das Gefühl vollständig aus meinen Füßen verschwunden.

    So, nun könnt ihr noch einmal an den Anfang des Berichts gehen und euch durchlesen, was dann ab der Hälfte des Rückweges geschah und die Bilder genießen, die hier jetzt folgen. Die Worte oben und die Bilder reichen sicher aus, um das Erlebte zu dokumentieren...

     

    Kurz vor dem Hagelsturm.

    JohannesB fliegt...

     Noch einige Sekunden bis zum Hagelsturm :-)

    Durchnässt, voller Schmerzen (oder wie man das nennen will) und ziemlich fertig schleppen wir uns schließlich - wieder mit Schuhen (!!!!) - zum rettenden Leuchtturm, und danach zum Bus, der uns zur warmen Dusche in der Jugendherberge bringt. Doch wir haben noch mehr vor! Auf in die Innenstadt von Husum! Dort erwartet uns Hans-Ulrich im Nationalparkhaus Wattenmeer, wo sich auch das WWF-Wattenmeerbüro befindet, und das Leuten die Möglichkeit gibt, sich ausgiebig über den Nationalpark Wattenmeer zu informieren.

    Hans-Ulrich erzählt uns bei einer heißen Schokolade über die Entstehungsgeschichte dieses Hauses und zeigt uns einige Teile aus der aktuellen Ausstellung. Interessant ist hier zu sehen, dass das Wattenmeer ein Hort für Millionen von Vögeln ist, die hier ihr Futter für die langen Flugreisen in aller Welt finden.

    Am Abend dann ein weiteres Highlight - das Pokalfinale Dortmund gegen Bayern München, für das uns Hans-Ulrich in sein gemütliches Wohnzimmer einlud. Ich weiß, nicht jeder hier findet Fußball 'weltbewegend', aber für mich als Dortmunder und für JohannesB, der die bayrische Vertretung unter uns war, war es doch der lang erwartete Moment, den ich jetzt hier ausgiebig mit einem Liveticker noch mal wieder geben werde...

    Dortmund erhöht gerade!

    Ne Spaß, Dortmund hat natürlich 5:2  (!!!!!) gewonnen und alle waren glücklich (Johannes weniger). ;)

    Besonders wichtig sind solche Treffen für uns deshalb, weil wir dann ganz viel über die Zukunft der WWF Jugend sprechen. So diskutieren wir auch in Husum bis spät in die Nacht über die Community, die neuen Tools der Website, unsere Redaktion, neue Themen für Artikel und das Magazin, und vieles mehr... Dieser Tag wird für mich immer in Erinnerung bleiben und das nicht nur wegen des 5:2 der Dortmunder...!

    Ebenfalls Teil des Redaktionstreffens ist eine Fortbildung, die Marcel für uns macht. Für diese Fortbildung hatten wir uns ein Argumentationstraining gewünscht. Marcel erklärt uns einige wichtige Regeln, den Aufbau guter Argumente und wie man möglichst konstruktiv diskutiert. In der anschließenden Übung können wir dann die neu erlernten Tipps und Tricks anwenden und bekommen jeweils ein Feedback was wir wo vielleicht noch besser machen könnten.

    So schnell das Treffen auch auf uns zukam, so schnell endet es auch wieder. Nach einer wilden Runde Tischtennis müssen wir dann doch zum Bahnhof, und die Wege trennen sich - aber natürlich nur zwischenzeitlich, nur bis zum nächsten Redaktionstreffen! Bis dahin werden wir von der Redaktion wieder fleißig für euch recherchieren, diskutieren und die WWF Jugend jeden Tag noch besser machen!

    Ein großes Dankeschön geht von uns an Marcel Gluschak, dem Community Manager der WWF Jugend, der dies alles für uns ermöglicht hat. Das Wochenende und die mittlerweile seit rund drei Jahren bestehende WWF Jugend Redaktion ist ein großartiges Projekt für uns - aber natürlich auch für die WWF Jugend!

    Eigens gehäkelter Glückspanda "Paddy" für Marcel!

    Hier gibt es weitere Bilder: flickr.de

    Hier das Video:

    Bilder: Peter Jelinek / Hans-Ulrich Rösner (Headerbild / Pokalspiel)

Kommentare

17 Kommentare
  • micah
    micah Am meisten beeindruckt mich ja, dass man einen Panda häkeln kann?!! Cooler Bericht, jetzt hat man fast das Gefühl, man wäre dabei gewesen :)
    15. Mai 2012
  • Sarah25
    Sarah25 :) Schön geschrieben Peter, aber die Wattwanderung hört sich eirklich wie ein Höllentrip an ;D und das war sie ja doch nicht, obwohl ich noch immer rote Punkte von den Hagelkörnern auf den Waden habe :P...
    also die Wattwanderung war ka...  mehr
    15. Mai 2012
  • midori
    midori Danke Peter für die schöne festgehaltene Erinnerung. Man erlebt es tatsächlich ein zweites Mal! ;o) Es war wirklich ein super schönes Wochenende. Wobei ich mich während des Hagelsturms schon gefragt habe, womit ausgerechnet wir d...  mehr
    17. Mai 2012
  • FabianN
    FabianN Toller Bericht, man kann es sich richtig vorstellen!

    Wie gern ich da schon dabei gewesen wäre... (:
    17. Mai 2012