Berichte

Für den Luchs durch den Pfälzerwald – Teil 2

  •  Foto (c) Sina Bohm | Anstrengender Abstieg ins malerische Elmstein

     

    Hast du den ersten Teil noch nicht gelesen? Hier geht es zurück zu Teil 1 ...

     

    Die Sponsorenwanderung für den Luchs entpuppt sich langsam als Steigerungslauf. An Tag 5 laufen wir 22 Kilometer. Gut, dass wir uns davor ordentlich stärken können. Der freundliche Hausmeister der Schule kocht uns am Morgen einen Kaffee und unser Frühstück besorgen wir unterwegs in einer Bäckerei. Gestärkt und motiviert laufen wir los. Das erste Highlight erwartet uns am Ende einer ordentlichen Steigung: Ein hoher Turm, von dem aus man den Pfälzerwald überblicken kann. Die 99 Stufen schaffen wir jetzt auch noch, denken wir uns und stapfen nach oben. Eigentlich haben wir es eilig, da heute die längste Strecke sein soll, aber am Ende verbringen wir viel Zeit hier und haben Spaß beim Fotografieren und Filmen.

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Hoch, hoch und immer höher ...

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Spaß auf dem Turm

     

    Den Rest der heutigen Strecke über geht es noch mehrmals bergauf und zum Schluss – wie sollte es anders sein – umso heftiger bergab. Singen lenkt etwas ab, aber die schmerzenden Füße lassen sich kaum ignorieren. Noch ein Schritt und plötzlich öffnen sich die Bäume vor uns. Wir blicken den steilen Hang herab auf Elmstein. Wieso habe ich noch nie von diesem malerischen Ort gehört?, frage ich mich. Das Dorf schlängelt sich ein schmales Tal empor. Am oberen Ende ragt ein Felsen in das Tal herein, auf dem sich eine Burgruine erhebt. Darunter die Kirche und auf der anderen Talseite ein kleines Kloster. Bei dem Anblick kramen wir trotz Erschöpfung und schmerzender Glieder noch einmal die Kameras hervor. Ein paar Schritte weiter kommen wir auf eine Plattform mit Bank, von der aus man eine schöne Sicht auf Dorf und Ruine hat. Und auf eine Eisdiele. Da gehen wir hin! Der nette Besitzer bringt uns neben selbst gemachtem Eis auch die lokale Zeitung von heute. Darin befindet sich ein Artikel über eine Luchssichtung. Die Raubkatze sonnte sich gerade gemütlich auf der Straße, als ein Radfahrer vorbeikam.

     

    In einem kleinen Laden in Elmstein kaufen wir für das Abendessen ein und nehmen mit dem zusätzlichen Gepäck die letzten Kilometer in Angriff. Als wir im Naturfreundehaus Elmstein ankommen, sind wir am Ende der Kräfte. Immerhin können wir hier die Nacht auf richtigen Betten verbringen. So ein Luxus! Vor dem verdienten Schlaf wartet ein spannendes Gespräch mit Julian von LIFE Luchs, dem Auswilderungsprojekt im Pfälzerwald, auf uns. Er beantwortet uns offene Fragen und erzählt uns von Projekt und Leuten. Besonders fasziniert sind wir von der Geschichte des Luchses, der nach der Auswilderung schnurstracks den Heimweg ins Jura angetreten hat. Dabei folgte er keinesfalls dem Weg durch die Wälder, wie Forscher es vermutet hätten, sondern lief ungetrübt mitten durch die Industrielandschaft – ohne von einem einzigen Menschen gesehen zu werden. Der Geist der Wälder in Aktion. Julian bestätigt uns auch, was wir selbst schon erlebt haben: Der Luchs ist im Pfälzerwald größtenteils gut angesehen. Auch Förster und Jäger unterstützen das Projekt, sogar mit einer eigenen Infobroschüre.

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Mit den Förstern durch den Pfälzerwald

     

    Davon können wir uns am sechsten Tag noch einmal selbst überzeugen. Im ersten Wanderabschnitt treffen wir zwei Förster, die uns anderthalb Kilometer begleiten. Sie erzählen uns von ihrer Arbeit und ihrer Einstellung zu den Luchsen. In jedem ihrer Worte schwingt Faszination und Zuneigung zu Wald und Lebewesen mit. Diese Förster unterstützen die natürlichen Vorgänge in der Natur, wo sie können. Es motiviert, zu hören, dass sie den Luchs dabei als Unterstützer und selbstverständliches Mitglied der Waldbewohner sehen.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Interessiert lauschen wir den Förstern

     

    Am Ende der gemeinsamen Strecke nimmt einer der Förster Krista und Svenja, die beide Fußprobleme haben, mit nach Enkenbach. Wieder zu viert wandern wir weiter einen Hang mit Fichten hoch. Mit Singen und dem gemeinsamen Erfinden einer Geschichte vertreiben wir uns die Zeit. Unterwegs freuen wir uns über die Sichtung eines Schwarzspechts – ein erstes Mal für uns alle.

     

    Der Moment, als wir schließlich aus dem Wald heraustreten, ist magisch. Wir überblicken Wiesen und Felder und weiter hinten Enkenbach, unser Ziel. Die letzten Kilometer schwanken wir zwischen total-fertig-sein und der Begeisterung, dass wir es tatsächlich geschafft haben. Im selben Moment, in dem wir unsere Geschichte mit einem „und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage“ beenden, taucht nach 23 langen Kilometern vor uns die Kindertagesstätte auf. In deren Jugendräumen werden wir unsere letzte gemeinsame Nacht verbringen. Svenja und Krista empfangen uns mit Kamera, Jubelrufen und Nudeln mit Tomatensoße. Was gibt es besseres?

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Gespräch mit dem Bürgermeister und 1. Beigeordneten von Enkenbach-Alsenborn

     

    Bevor wir am Mittag des siebten Tages abreisen, treffen wir den Ortsbürgermeister und den 1. Beigeordneten von Enkenbach-Alsenborn. Beide haben vom Luchsauswilderungs-Projekt bisher nur aus der Zeitung erfahren und freuen sich, von uns weitere Informationen zu bekommen. Am Ende können wir sogar einen Kontakt für Annes Luchs-Theater-Aktion knüpfen. Wieder einmal sind wir begeistert von der Freundlichkeit der Pfälzer.

     

    Letzten Endes sind wir statt den geplanten 70 Kilometern sage und schreibe 95 Kilometer gewandert. Keiner von uns hätte gedacht, dass wir das können und jetzt schwingen wir mit Leichtigkeit die Rucksäcke auf den Rücken und wählen am Bahnhof die Treppe statt der Rolltreppe. Ist ja sogar ordentlich nach Norm für bestes Treppen-steig-Gefühl erbaut – wie langweilig. Wir vermissen die Berge schon, bevor wir zu Hause angekommen sind.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Geschafft! Letztes Gruppenfoto am Ziel.

     

    Insgesamt haben wir es geschafft, mit der Sponsorenwanderung 591 € Spenden zu sammeln. Mit den Geldern werden neue Kamerafallen für das Luchs-Monitoring im Naturpark Obere Donau finanziert. Damit können die Forscher die Entwicklung der neuen Luchs-Population dokumentieren und sicherstellen, dass sie sich auf Dauer stabilisiert. Während der gesamten WWF Jugend Luchskampagne sollen 2000€ Spenden gesammelt werden, um insgesamt 10 Kamerafallen zu finanzieren. Auch ihr könnt helfen über www.betterplace.org oder das WWF-Spendenkonto (Verwendungszweck: Sammelspende Kamerafalle Luchs). Wenn ihr mehr über die Luchskampagne und die nächsten Aktionen wissen wollt, schaut doch mal auf der Kampagnenseite vorbei.

     

     

     

Kommentare

4 Kommentare
  • FranziL
    FranziL Wirklich super! :)
    11. September 2017 1 gefällt das
  • Cookie
    Cookie Es ist so schön zu lesen, mit wie viel Aufgeschlossenheit die Pfälzer dem Luchs und euch begegnen! ^_^ Danke für den zauberhaften Bericht und euer Engagement - einfach Wahnsinn, dass ihr mit der Sponsorenwanderung schon über ein Viertel des Spendenziels z...  mehr
    11. September 2017 1 gefällt das
  • JohannesB
    JohannesB Toll! :)
    Danke für die Eindrücke und v.a. Euren Einsatz!
    11. September 2017 1 gefällt das
  • Jayfeather
    Jayfeather Es war echt eine schöne Zeit mit euch! :) sowas können wir gerne nochmal wiederholen :)
    11. September 2017 3 gefällt das