Berichte

Für den Luchs durch den Pfälzerwald – Teil 1

  • Foto (c) Svenja Lemke

     

    Wir haben es geschafft! Zu sechst sind wir fünf Tage durch den Pfälzerwald gewandert. Von Bad Bergzabern nach Enkenbach-Alsenborn, mitten durch das neue Luchsgebiet. Unterwegs haben wir mit einem Luchsexperten, Förstern, Politikern und Anwohnern gesprochen und mit jedem Schritt Spenden für Kamerafallen gesammelt.

     

    Wir sind kaum in Bad Bergzabern im Pfälzerwald eingetroffen, da werden wir schon von den ersten Anwohnern angesprochen. Von wo kommt ihr? Wo wollt ihr hin? Mit unseren großen Rucksäcken erregen wir die Aufmerksamkeit der Menschen. Wir, das sind Sina, Maike, Krista und ich. Später am Abend kommt Svenja dazu. Für die Nacht vor der großen Wanderung wurden uns Räume im Protestantischen Gemeindehaus des Ortes zur Verfügung gestellt. Hier können wir gemütlich das Abendessen für den nächsten Tag vorbereiten, uns Informationen zum Luchs aneignen und uns beim Kartenspiel kennenlernen.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Krista weiht das Luchs-Buch, das die ganze Kampagne begleiten soll, mit einer Zeichnung ein

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Aufbruchbereit am ersten Morgen

     

    Am nächsten Morgen geht es zeitig los. Wir sind guter Dinge, die Sonne scheint und bald betreten wir den ersten Waldpfad. Immer wieder pflücken wir Brombeeren am Wegrand. In der ersten Pause stellen wir noch einmal mit gesammeltem Wissen die Rucksäcke richtig ein. Wir sind flott unterwegs und irgendwann werden die Beine müde. Ein Marathonläufer, der mitten im Wald mehrmals aus verschiedenen Richtungen an uns vorbeijoggt, sorgt da für ungläubige Blicke. 11 Kilometer später erreichen wir das Naturfreundehaus Bethof.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Die erste Burgruine, die wir auf unserer Wanderung erblicken

     

    Foto (c) Svenja Lemke | In die Knie gehen mit dem schweren Rucksack ist eine Sache - aber wie danach wieder hochkommen?

     

    Für 16 Uhr haben wir hier eine kleine Infoveranstaltung über den Luchs angekündigt. Das Team vom Campingplatz Naturfreundehaus Bethof hat die Nachricht verbreitet und es kommen tatsächlich einige Interessierte vorbei. Es wird eine lockere Runde, in der offen über den Luchs geredet wird. Dabei erweist es sich als nützlich, dass wir alle Wissen aus verschiedenen Bereichen mitbringen. So können wir neben den Luchsfragen auch einige zum Thema Wolf beantworten. Dem Luchs sind die Anwesenden durchweg positiv gesinnt, beim Wolf ist es schwieriger. Aber bei dem Thema bleiben wir nicht lange hängen, sondern widmen uns dem Luchsprojekt. Die Anwesenden beteiligen sich engagiert mit Unterstützerfotos für das Fotomosaik, einem künstlerischen Eintrag in unser Luchsbuch und sogar einem Videostatement. Am Ende erlassen uns die Besitzer des Naturfreundehauses sogar die Endreinigungskosten, die wir hätten zahlen sollen und spenden den Betrag stattdessen. Besser hätte die Sponsorenwanderung gar nicht beginnen können.

     

    Am dritten Tag brechen wir früh auf, da wir eine längere Strecke vor uns haben. Eigentlich sollte Maren jetzt zu uns stoßen, aber da spielt die Deutsche Bahn nicht mit. Wir reisen also zu fünft weiter. Die Landschaft wechselt beständig von Mischwäldern zu Buchen- und Nadelwäldern. Eine gute Zeit, um sein Baumwissen zu testen. Mit Biologiestudentin Sina an der Seite prägen wir uns Baumarten ein und bewundern Schmetterlinge. Unsere erste Rast hatten wir bei der Bühlhofschänke mit einem Stück Kuchen geplant. Als wir dort ankommen, ist es erst 11 Uhr, also punktgenau die Öffnungszeit der Gaststätte. Aber für Kuchen ist es nie zu früh, vor allem wenn leckerer Johannisbeer-Meringue- und Zwetschgen-Kuchen auf der Karte stehen.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Immer wieder flattern uns bunte Schmetterlinge über den Weg

     

    "Wer diesen Stein fünfmal umwallt, wird über hundert Jahre alt, nur wenn er nicht noch früher sterbt und sich somit den Spass verderbt" behauptet ein Brunnen in einem Dorf, das wir durchwandern. Auf die paar Meter kommt es auch nicht mehr an und so drehen wir fröhlich unsere Runden.

     

    Foto (c) Sina Bohm | Fünf mal um den Brunnen

     

    Im nächsten Ort trennen wir uns von Svenja, die wegen Blasen an den Füßen voraus reist. Zu viert wählen Sina, Maike, Krista und ich die anstrengendere, aber schönere Strecke über die Dahner Burgruinen. Der Anblick ist beeindruckend, wie sich die moosbewachsenen Ruinen über dem ausgewaschenen Sandstein erheben. Beim gemeinsamen Gruppenfoto werden wir an eine interessierte Familie unseren ersten Flyer zum Luchsprojekt los.

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Die Dahner Burgruinen

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Blick auf Dahn von den Burgen aus - hier möchten wir heute noch hin

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Mittagessen auf den Dahner Burger

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Gruppenfoto mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad

     

    Von den Burgen aus kann man schon auf Dahn herabblicken. In dem kleinen Ort ist heute kulinarisches Stadtfest, worauf uns jeder, dem wir unseren Zielort verrieten, eifrig hingewiesen hatte. Wir suchen also in Aussicht auf ein leckeres Abendessen besagtes Fest. Aber erst einmal treffen wir mit Maren und Svenja zusammen und füllen Vorräte auf. Vor allem das Planen eines Abendessens für morgen, für das man nicht mehr als einen Wasserkocher braucht, benötigt etwas Geschick. Wir einigen uns auf Couscoussalat. Dann drehen wir unsere Runde über das Stadtfest und finden … mehrere Buden mit süßen Gerichten und die obligatorische Bratwurst. Nicht gerade das Richtige für ein Gruppe hungriger Wanderer mit großem Vegetarier-Anteil. Also setzten wir uns doch lieber in die nächste Pizzeria.

     

    Derart gestärkt nehmen wir motiviert den letzten Rest des Weges in Angriff. Diese Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz zwei Kilometer außerhalb von Dahn. Wieder entscheiden wir uns für die schönere Strecke durch den Wald statt die Straße. Der Weg führt durch geisterhafte Nadelbäume, deren feine Äste in der Abenddämmerung wie Nebel erscheinen. Dazu eine schwarze Krähenfeder zu unseren Füßen – wen überrascht es da noch, dass wir plötzlich auf dem Geisterweg wandern? Er führt uns an Hexenpils und Satansbrocken vorbei. Vor den spannend geformten Felsen machen wir unser erstes Foto mit der kompletten Gruppe. Von den ehemals 17 Angemeldeten ist nämlich leider nur der harte Kern aus uns sechs Wanderern tatsächlich gekommen.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Das erste Gruppenfoto zu sechst am Hexenpils

     

    Der Weiher mit Campingplatz ist schon in Sicht, als wir am Ende des Wanderpfades einen anspruchsvollen Hang herabklettern müssen. Mit knapp 19 Kilometern hinter uns, sind wir erleichtert, als wir die Straße und den Campingplatz erreichen. Hier stellt man uns kostenfrei einen alten Camper zur Übernachtung zur Verfügung. Ich entschließe mich, draußen unter dem Vordach zu schlafen und höre nachts Eulen rufen.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Erste Luchs-Kreidespuren

     

    Der Wanderweg am vierten Tag führt uns an einem Bach entlang. Recht bald kommen wir in einen kleinen Ort, wo wir die ersten Kreide-Luchsspuren mit Hashtag hinterlassen. Danach betreten wir ein Biospärenreservat und begegnen sehr lange Zeit niemandem mehr. Der Bach schlängelt sich wunderschön naturbelassen neben uns her. An seinem Ufer schmeckt das Mittagessen besonders gut. An einem kleinen See überqueren wir den Fluss, biegen um eine Kurve und stehen mit einem Male einem Frischling gegenüber. Oh je, wo der Frischling ist, ist normal die Bache nicht weit! Schnell ziehen wir uns zurück. Das kleine Wildschwein befand sich direkt zwischen Seeufer und dem Weg. Daneben geht ein steiler Hang hoch. Für uns kommt Umkehren natürlich nicht in Frage, es gibt nur diesen einen Weg. Aber können wir es wagen, weiterzugehen? Zum Glück haben wir Maren dabei. In einem ihrer ersten WWF Jugend Berichte ging es um das richtige Verhalten bei einer Begegnung mit Wildschweinen. Wir prägen uns ein: Bei einem potentiellen Angriff durch die Bache zunächst ruhig bleiben und sich langsam rückwärts entfernen. Sollte die Bache doch angreifen, möglichst groß wirken und laut rufen. Auf einen Baum klettern kommt mit unseren Rucksäcken nicht wirklich in Frage.

     

    Vorsichtig laufen wir weiter und sehen den Frischling vor uns am Seeufer entlang davonlaufen. Die Bache ist immer noch nicht in Sicht und das kleine wirkt recht schwach. Bedrückt vermuten wir, dass es eventuell alleine unterwegs ist. Als der See wieder in den Bach übergeht, schwimmt der Frischling auf die andere Seite und wir wandern weiter. Kaum ein paar Minuten später sehen wir bei einer bunten Blumenwiese ein Reh davonrennen. Als Sina plötzlich laut aufruft sind wir alarmiert. Aber sie hat nur einen seltenen Schmetterling entdeckt. Langsam beruhigen sich die Nerven wieder und der Pfad führt uns vom Bach fort den Waldhang hoch.

     

    Foto (c) Svenja Lemke | Pause am Hang

     

    Das Tagesziel kommt näher und wir sehnen die Straße herbei, nach der es nicht mehr lange dauert. Da ist sie! Wir überqueren sie geschwind und machen eine letzte Pause. Erst etwa zwei Kilometer weiter bemerken wir, dass wir im Eifer des Gefechts die falsche Abzweigung genommen haben. Wir hätten die Straße nie überqueren, sondern nur passieren sollen. Also bewundern wir die violetten Heidekräuter auf dem Weg zurück ein zweites Mal.

     

    Foto (c) Krista Plagemann | Vor und zurück durch die Heidekräuter

     

    Kaum haben wir den richtigen Weg wieder betreten, kommt die nächste schlechte Nachricht: Unser Wanderweg ist wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Lebensgefahr. Die Karte zeigt uns keine richtige Alternative. Also entschließen wir uns, der Straße zu folgen. Leider stellt sich das als ungefähr genauso lebensgefährlich heraus. Die Straße verwandelt sich in eine kurvige, steile Bergstraße, die viel und schnell befahren ist. Immer wieder müssen wir die Straßenseite wechseln, um einen schmalen Streifen zwischen Fahrbahn und Steilhang zum Laufen zu finden. Als wir endlich einen schmalen Pfad erreichen, der zum Wanderweg herunterführt, liegen die Nerven blank.

     

    Auf dem Wanderweg kommen wir direkt hinter dem gesperrten Abschnitt heraus. Für heute haben wir genug von Abenteuer und freuen uns, als wir endlich Leimen erreichen. Hier dürfen wir in der Turnhalle einer seit zwei Jahren geschlossenen Grundschule übernachten. Es sind sogar Matten da, die wir unterlegen können. Aber nach 20 Kilometern wandern hätten wir vermutlich überall geschlafen.

     

    Foto (c) Sina Bohm | Über Nacht in der Turnhalle in Leimen

     

    Wir wandern weiter in Teil 2 ...

     

     

Kommentare

3 Kommentare
  • Cookie
    Cookie Danke für den unglaublich schönen Bericht und die tollen Fotos, was für eine wunderschöne Gegend! Und natürlich vielen vielen Dank für euren fantastischen Einsatz für den Luchs! <3
    29. August 2017 1 gefällt das
  • Jayfeather
    Jayfeather toll geschrieben! ich erlebe alles gerade ein zweites mal :)
    29. August 2017 1 gefällt das
  • FranziL
    FranziL Klingt nach einer sehr abenteuerlichen, aber schönen Tour :) Voll super, dass ihr für den Luchs gewandert seid.
    7. September 2017 1 gefällt das