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Luchs-Dame "Tessa" vergiftet!

  • Es gibt einen neuen, traurigen Fall einer illegalen Tötungen von gefährdeten Tierarten in Deutschland. Im Bayerischen Wald ist die bekannte Luchs-Dame Tessa vergiftet worden. Die Luchsin hatte seit einigen Tagen immer wieder vom selben Rehbock gefressen, vermutlich hatte sie ihn selbst gerissen. Offensichtlich hatte jemand den Reh-Kadaver nachträglich mit Gift präpariert - daran ist Tessa gestorben.

    Die Bayerische Polizei sammelt seither Zeugenaussagen. Die Gregor Louisoder Umweltstiftung und die Umweltschutzorganisation WWF haben im Fall "Tessa" die ausgelobte Belohnung für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, nun um weitere 10.000 Euro erhöht, denn angesichts der gefährlichen Dreistigkeit des Täters ist jeder Hinweis aus der Bevölkerung, der zur Ergreifung des Wilderers führt, extrem wertvoll.

    "Der Fall Tessa zeigt, dass manche Menschen in blinder und fanatischer Abneigung gegenüber Luchs oder Wolf selbst vor einer Gefährdung von Menschenleben nicht zurückschrecken", warnt Dr. Christine Miller, Leiterin des WWF Büros "Große Beutegreifer in Bayern". Die Vergiftung durch einen mit Neurotoxin-Kontaktgift präparierten Reh-Kadaver stelle eine neue Eskalationsstufe der Wilderei dar. Die hochtoxische Substanz wirke schon bei bloßer Berührung. Das Reh lag in unmittelbarer Nähe einer Siedlung. So hätten sich folglich auch spielende Kinder unfreiwillig vergiften können. Auch der Revierpächter sei in Gefahr gebracht worden, da er das verendete Reh womöglich angefasst hätte, um es zu entsorgen oder zu untersuchen.

    "Immer wieder verschwinden vor allem Luchse und Wölfe spurlos. Wir konnten bisher nur spekulieren, was mit dem Nachwuchs geschah. Tessa ist ein trauriger Präzedenzfall", so Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung. Tessa sei einer der ersten überhaupt nachgewiesenen Fälle von Wilderei auf Luchse in Deutschland.

    Auf das mutwillige und absichtliche Töten eines Luchses stehen bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug. Die Nationalparkverwaltung hat dementsprechend bei der Staatsanwaltschaft Deggendorf Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Verbände fordern für die Zukunft in solchen Fällen Spurensicherung und Ermittlungen durch entsprechend ausgebildete und sachkundige Beamte des Landeskriminalamtes nach österreichischem Vorbild.

    Dies hier ist eine der letzten Aufnahmen der lebenden Luchs-Dame Tessa. Es entstand im Rahmen eines vom WWF mitfinanzierten Fotofallen-Monitoring des Nationalparks Bayerischer Wald. Zu sehen ist auch Tessas gelbes Senderhalsband. Als sich Tessa nicht mehr bewegte, schickte der Sender eine SMS an die Mitarbeiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Das tut er automatisch nach 36 Stunden Stillstand - ein klares Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

    Tessa war zu einer Art Botschafterin für ihre Gattung geworden: Durch ihren Sender konnten Forscher das Tier über ein Jahr lang begleiten. Eine Lokalzeitung berichtete mit einem Luchs-Tagebuch regelmäßig über Tessa. Im Oktober 2011 machte eine Fotofalle der Forscher dann einen Schnappschuss von Tessa mit ihrem ersten Jungtier.

    Dieser Fall zeigt, dass einige Menschen immer noch Angst und Abneigung gegen Raubtiere in Deutschland haben - dabei geht von ihnen keine Gefahr für die Menschen aus. Diese Tiere brauchen unsere Hilfe, um eine Chance zu haben, unsere Natur wieder zu bereichern. Unsere Aktion "Wolfsretter" zielt darauf ab, die Akzeptanz von Beutegreifern in unserer Natur weiter zu erhöhen. Bitte mach mit und zeige, dass Wolf und Co. hier Willkommen sind.

    Fotos: © Staffan Widstrand / WWF; © Nationalpark Bayerischer Wald / WWF

Kommentare

17 Kommentare
  • Puma
    Puma Wie kann man so was nur machen!Hat Tessa dem Widerer i-was getan?So was ist einfach nur dämlich!!!!!
    9. April 2012
  • angie196
    angie196 Wie arm und erbärmlich -.-
    Warum macht man sowas? Wenn man was gegen Raubtiere hat, kann man sich doch wenigstens mal informieren, ob das überhaupt berechtigt ist..
    O Mann wie traurig :(
    12. April 2012
  • raubkatze
    raubkatze Ich finde das so schlimm! Ich wohne ganz in der Nähe, wo Tessa gelebt hat und sie tut mir einfach so Leid! Leute, die einfach so fremde Wiltiere vergiften, müssen irgendeinen psychischen Schaden haben! Wer könnte denn Tessa was antun????
    18. Mai 2012
  • lotte98
    lotte98 ich habe den bericht jetzt erst gelesen und finde es so traurig was menschen alles schlimmes tun :( der arme luchs...
    6. September 2012