Berichte

Ein Wolf zu Gast in der Universität Jena.

  • Es ist stockduster draußen, als mein Handy mich mit einem Bibi Blocksberg "Hex Hex" weckt. Halb sechs und die Amseln zwitschern ihre schönste Melodie. Ich möchte mich am liebsten gleich wieder umdrehen und unter der warmen Decke weiterschlummern. Aber dann fällt mir wieder ein, warum mein Wecker mich um diese unmenschliche Zeit aus dem Bett scheuchen wollte - es ist Montag, der 26.März! Heute kommt der Wolf nach Thüringen. Und ich helfe ihm dabei! ;o)

    Also ab in die Klamotten, nochmal schnell in den Rucksack geschaut und dann ab zum Zug gesprintet. Dort wartet Lukas schon auf mich, der mich wie immer auf meinem Streifzug begleitet wird. Im Zug ziehe ich die Kreidesprühdose aus der Tasche. Die Köpfe der Leute drehen sich leicht ängstlich zu mir. Sie haben nicht ganz unrecht - ich war im ersten Moment auch sehr verwundert über die Größe der Dose. Als ich anfange, am Verschluss herumzubasteln, meint Lukas ganz panisch, ich solle das doch lieber draußen ausprobieren. Na gut! Die Dose verschwindet wieder in meinem Rucksack.

    Fast wäre sie nicht rechtzeitig angekommen. Wie Marcel uns empfohlen hatte, habe ich sie bei Arcus bestellt. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob ich sie bis Montag haben würde, da ich das Wochenende in Dresden verbrachte und kein Paket annehmen konnte. Es ging aber alles gut. Nun bin ich ganz aufgeregt. Schon Wochen zuvor habe ich mich um eine Genehmigung kümmern müssen. Sehr aufwendig, aber es hat sich gelohnt. Ich halte sie in meinen Händen. Auf der letzten Seite eine Zeichnung unseres Ernst Abbe Campus, auf der zu sehen war, wo genau ich den Wolf laufen lassen durfte.

    Dann ist es also soweit. Die erste Hürde steht bevor. Ich bekomme den Verschluss der Dose nicht heruntergedrückt. Ein Glück ist mein Freund dabei, sonst hätte der Wolf in der Dose bleiben müssen! Ein erster Sprühversuch - blau! Ich freue mich wie ein kleines Kind. Den ganzen vergangenen Abend habe ich mit Nagelschere an der Schablone gesessen. Was eine Kleinstarbeit. Aber es hat sich gelohnt!

    Ich lege sie zunächst in eine eher unscheinbare Ecke, um zu probieren, wie es sich sprühen lässt. Gottseidank haben wir keinen Wind und die Sonne scheint ganz wunderbar. Ein paar Studenten laufen an uns vorbei und schauen interessiert. Die erste Spur inklusive Schriftzug ist fertig. Ich stütze die Hände in die Hüften und schaue ganz stolz auf mein Kunstwerk. Mein Mantel hat nun blaue Flecken. Was solls!

    Ganz euphorisch sprühe ich Spur um Spur. Auch Lukas möchte mal. Sein Wolf ist eher breitbeinig unterwegs, aber das stört im Grunde nicht. Hauptsache er findet seinen Weg zur Studentenmensa! Dort gibt es köstlichen Rehrücken ;o) Auch im Hauptgebäude schaut er mal vorbei.

    Als ich fast fertig bin, schallt es plötzlich laut über den Campus: "Ey, dürfen Sie das?" Ich schaue mich um, denn eigentlich kann nur ich gemeint sein. Ich bin etwas verwundert, denn ein DHL Mann hat mich angesprochen. Ich nicke ihm zu. "Gut!", schreit er zurück, "die Sekretärin ist schon sauer!". Soll sie doch, denke ich mir und sprühe fröhlich weiter. Auf einmal taucht neben mir ein Schatten auf. Ich sehe nach oben. Mit zornigem Blick und verschränkten Armen steht die Sekretärin vor mir. Ihre kurzen grauen Haaren sehen wie ein kleines brodelndes Feuer aus. Im ersten Moment bekomme ich einen Schreck.

    "Dürfen Sie das?", bläfft sie mich an. Ich nicke ein zweites Mal und bejahe. "Ich habe eine Genehmigung", antworte ich ihr. "Von wem?" Sie schaut noch immer sehr unfreundlich und gibt mir unmissverständlich zu verstehen, dass sie von der ganzen Aktion recht wenig hält. "Ich habe einen Nutzungsvertrag mit der Universität. Sie können ihn sich gern anschauen, ich habe ihn dabei". Sie verzieht ein wenig den Mund, schnaubt durch die Nase und dreht auf dem Absatz um. Noch während sie geht, hebt sie den Zeigefinger und warnt mich ein letztes Mal. "Nicht, dass Sie Ärger bekommen!"

    Ich seufze und setze zur nächsten Wolfsspur an. Hauptsache, alle Studenten haben das Spektakel beobachtet und betrachten mich nun etwas argwöhnisch. Plötzlich komme ich mir vor wie der berühmte böse Wolf. Ich packe Schablonen und Kreide ein, nehme Lukas bei der Hand und wir huschen noch schnell in den vierten Stock des Gebäudes, um ein paar Fotos von oben zu schießen.

    Die Wolfsspuren sind auf jeden Fall gelungen und sie werden 23.000 Studenten erreichen! Bis zum 26.Mai, wenn der Wolf dann weiter in den Westen wandert, darf ich noch viermal unseren Campus vollsprühen. Ich freue mich schon darauf!

    Und - war der Wolf auch schon in eurer Gegend? ;o) Vielleicht sogar in eurer Schule?

     

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    © Ulrike Leupold

Kommentare

12 Kommentare
  • Anna-K.
    Anna-K. Aaaaaaah da warst du wohl schneller als ich - ich wollte den Wolf auch über den Campus laufen lassen. Aber Hauptsache er ist überhaupt da. :-)
    29. März 2012
  • Anne95
    Anne95 Der Bericht ist total toll! :-) Und eine super Aktion!
    29. März 2012
  • Anni09
    Anni09 Echt super Uli! Die Pfoten sehen echt gut aus :)
    Bei uns an der Uni dürfte das nicht gehen, wir haben so ein schlechtes Kopfsteinpflaster, dass man warscheinlich nichts erkennen würde -.-
    29. März 2012
  • WolfSchlucht
    WolfSchlucht Cool! Wölfe in Jena!
    WS
    5. Mai 2012