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Der Kampf gegen die globale Wasserkrise

  • Obwohl unser Planet zu mehr als 70 Prozent damit bedeckt ist, wird Wasser zunehmend ein knappes Gut. Denn gerade mal drei Prozent dieser gewaltigen Mengen sind trinkbares Süßwasser, und wiederum nur ein Drittel davon ist für die menschliche Nutzung erreichbar. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser wird die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter verschärfen.

    Ab heute diskutieren Politiker, Behörden und NGOs auf dem Weltwasserforum in Marseille über die möglichen Lösungen der drohenden Wasserknappheit. Natürlich ist auch der WWF dabei und versucht, das Bestmögliche für die Natur herauszuholen.

    Es ist echt nicht übertrieben, von einer Wasserkrise zu sprechen. Allein seit der Jahrtausendwende ist es weltweit zu über 50 gewalttätigen Konflikten aufgrund der Nutzung von Wasser gekommen. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser droht die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter zu verschärfen. Der WWF fordert daher einen globalen und verbindlichen Aktionsplan zur Bekämpfung der Wasserproblematik.

    "Es mangelte dem Weltwasserforum in der Vergangenheit leider an Verbindlichkeit. Die Politik muss jedoch endlich auf die Krise reagieren", so Martin Geiger, Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland. Das Weltwasserforum müsse klare Zielvorgaben definieren, die als Beschlussgrundlage für den UN-Umweltgipfel Rio+20 im Juni dienen können.

    Achtung - was jetzt kommt, kann Angst machen: Neun Staaten, nämlich Brasilien, Russland, China, Kanada, Indonesien, Indien, Kolumbien, die Demokratische Republik Kongo und die USA, haben über 60 Prozent der weltweit verfügbaren Süßwasservorkommen. Allein diese Tatsache kann bei einer Verschärfung der Wasserknappheit wie ein Brandbeschleuniger wirken. "Auch wenn in Deutschland und Westeuropa die Situation derzeit weitgehend entspannt ist, kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir uns bereits mitten in einer globalen Wasserkrise befinden", warnt Martin. Die Ressource Wasser würde, so der WWF-Experte, immer knapper. Das sei in erster Linie eine Folge von Verschwendung, Missmanagement und ineffizienter Bewässerung. "Eine Verschärfung der weltweiten Wasserkrise wird die öffentlichen Gesundheitskosten steigen lassen, die wirtschaftliche Entwicklung ausbremsen, ökologische Probleme verschärfen und schwerwiegenden sozialen und geopolitischen Spannungen und Konflikten führen", fasst Martin die Ergebnisse der WWF-Analyse zusammen.

    Die Folgen würden nach Martins Einschätzung auch Deutschland und die EU treffen. Es drohen Landflucht in Südeuropa, Kollaps der Landwirtschaft in Teilen des Mittelmeers und ein Ende des Tourismus in einigen beliebten Urlaubsregionen, so der WWF-Experte. Der WWF sieht auch die Deutsche Bundesregierung in der Verantwortung, immerhin importiert die Bundesrepublik über Nahrungsmittel und Industriegüter jedes Jahr 106 Milliarden Kubikmeter Wasser. "Wir sind Verantwortlicher und Betroffener zugleich“, so Martin. „Unsere Versorgung mit Agrargütern ist direkt von Wasserressourcen der Erzeugerstaaten abhängig, so sind derzeit die Supermärkte voll mit Gemüse und Obst aus der Mittelmeerregion und dem Nahen Osten. Wir können es uns daher allein aus ökonomischer Sicht nicht leisten, dass sich die Wasserproblematik weiter verschärft.“

    Außerdem müssten die Delegierten ihre jeweiligen Regierungen dazu auffordern, endlich die UN-Fluss-Konvention (UN Water Courses Convention) zu unterzeichnen. Das Papier soll ein partnerschaftliches, zwischenstaatliches Management für Wassersysteme garantieren, die internationale Grenzen überschreiten. Die Konvention ist nach WWF-Einschätzung entscheidend, um zukünftig Wasserkonflikte zwischen Nationalstaaten vorzubeugen oder zu schlichten. Für die gesamte Europäische Staatengemeinschaft ist es eine Blamage, dass zahlreiche EU-Staaten wie etwa Österreich, Großbritannien oder Dänemark die Konvention noch nicht unterzeichnet hätten. Aktuell müssten noch elf Nationen die Konvention ratifizieren, damit diese endlich in Kraft treten könne.

    Das Weltwasserforum findet seit 1997 alle drei Jahre statt und ist eine der größten, internationalen Konferenzen von Wissenschaftlern, Politikern und Experten aus aller Welt. Vom 12. bis 17. März werden mehr als 20.000 Teilnehmer in Marseille erwartet, darunter zahlreiche Staats- und Regierungschefs.

    Fotos: © WWF-Canon / Simon Rawles

Kommentare

12 Kommentare
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen @Peet: Ja natürlich. Und weißt du warum? Weil es längst nicht für alle Faktoren Grenzwerte gibt. Wenn das Wasser auf bestimmte Aspekte hin gar nicht getestet wird, ist es natürlich "sehr gut"..

    mehr
    13. März 2012
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen @Peter und alle: Juhu, ich habs gefunden das dreckige Trinkwasser ;-) ! Hier:

    http://www.tagesschau.de/inland/trinkwasser122.html
    13. März 2012
  • Peet
    Peet @Maura: "Auch hierzulande ist die Sauberkeit des Trinkwassers gefährdet." aber nicht dreckig...Das die Kläranlagen immer wieder aktualisiert werden müssen, weil andere Stoffe hinzukommen, ist klar aber momentan besteht kein Proble...  mehr
    14. März 2012
  • Gluehwuermchen
    Gluehwuermchen Naja, ich wollte damit nur den Ausdruck "sauber" etwas relativieren. Ich kann Trinkwasser nicht als "sauber" betrachten, wenn kleine Kinder besser nicht davon trinken sollten. Klar ist bei uns vieles besser, als in anderen Ländern...  mehr
    14. März 2012