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Veggie, aber Wurst?! -Kunstfleisch und Veggie-Messe

  • Kein Fleisch zu essen –das macht einen Vegetarier (Veganer etc.) aus. Doch wieso gibt es dann ganze Regale voll von Nahrung, die aussieht wie Fleisch, aber keines ist? Wieso kommen manche nicht vom Fleisch los? Teilweise wird vom „Hoffnungsträger“ Kunstfleisch gesprochen. Kunstfleisch soll die ökologischen Probleme unserer Welt lösen. Doch was ist eigentlich Kunstfleisch und ist es wirklich eine gute Alternative?

    Der Sinn vegetarischer Ernährung ist der Verzicht auf Fleisch. Trotzdem gibt es Lebensmittel für Vegetarier mit dem Namen Geschnetzeltes, Wurst und Gulasch. Doch wieso sollte ein Veggie eigentlich das Gefühl haben Fleisch zu essen? Dabei kann man die menschlichen Geruchs- und Geschmacksnerven nicht wirklich überlisten mit Soja mit Fleisch-Etikette. Unser Gehirn hat längst die Informationen gespeichert wie ein Steak riecht und schmeckt.

    In den Zeitungen liest man von verseuchtem Fleisch und Massentierhaltung. Doch gibt es in den Laboren schon eine Alternative zu finden. Bereits genanntes Kunstfleisch. Das besondere an diesem Kunstfleisch ist, dass keine Tiere dafür sterben müssen. ES werden dem Tier einfach ein paar Muskelstammzellen entnommen und aus denen wird dann ein Gewebe zum Verzehr gezüchtet. Das Retortenfleisch soll in Bioreaktoren mit einer Wasser-Glukose-Lösung gezüchtet werden, für die Zellstimulation und die Temperaturregulierung wären nur relativ kleine Mengen an Energie nötig. Im Gegensatz - es ließe sich sogar enorm viel Energie sparen, die zurzeit für Viehzucht, Futtermittelproduktion und Fleischtransporte aufgewendet wird. Und es kommen noch weitere Vorteile hinzu. Weniger Pestizideinsatz, da nicht mehr rund 50 Prozent der weltweiten Getreideproduktion an Vieh verfüttert werden würde; weniger Wasserverschmutzung, da nicht mehr so viel nährstoffreicher Dung in Gewässer gelangen würde und dort zu Algenblüte und Fischsterben führen würde und weniger Methan-Emissionen durch verdauende Rinder und Schafe. Klingt alles in allem doch ganz annehmbar oder?

    Laut niederländischen Medien soll dieses Jahr schon der erste Kunstfleisch-Burger in der Pfanne gebraten werden. Das gute Stück wird jedoch nicht bei Mc Donalds um die Ecke für 2,99 Euro angeboten, sondern im Labor der Universität Maastricht – und stolze 250.000 Euro kosten. Jedoch ist es bisher nur wenige Millimeter dick, da es enorm aufwendig ist, es zu produzieren und sieht zudem auch noch unansehnlich aus und soll bis jetzt auch noch nach nichts schmecken. Hinter diesem Burger steckt Mark Post von der Maastricht-Universität, welcher auch auf der Messe „Veggie-World“ 2012 in Wiesbaden zu finden war mit seinem stand. Mark Post geht jedoch davon aus, dass sich der Geschmack in den nächsten Jahren noch verbessern wird.

    Apropos „Veggie World“.  „Veggie-World“ ist eine Messe die dieses Jahr zum zweiten Mal in Wiesbaden stattfand, wo es auch Kunstfleisch in unterschiedlichsten Varianten zu finden gab. Für die einen  war die Messe ein voller Erfolg, für andere eine Messe, wo in jedem Winkel zur Schau getragenem Gutmenschentum zu sehen ist. So war zum Beispiel auch die Schweizer Firma Vegusto vor Ort und warb für „rein pflanzliche Fleisch- und Käsealternativen“. Hinter der Theke konnte man vegane Bratwurst kaufen und sich ein großen Sortiment vom Unternehmen ansehen. Ob Curry-,Knacker- und Peppwürste, Kräuter-Rollbraten oder Weißwurst Bianca. Hinzu kommen No-Muh-Käse – Käse ohne Milch also- und weitere Waren aus dem großen Sortiment. „Die Bauern müssen eben umdenken und nicht nur die Subventionen einreichen“, antwortete der Herr von Vegusto auf die Frage, was aus den vielen Bauern werden solle, die Rinder und Kühe hielten.

    Die abschließende „Bewertung“ der Messe durch faz.net ist eindeutig negativ ausgefallen. „Offensichtlich sind wir auf dem falschen Weg [im Sinne der Ernährung mit Massentierhaltung und ähnlichem]. Dennoch wären die Messeveranstalter und einige Aussteller gut beraten gewesen, hätten sie einen Blick in Jonathan Safran Foers beklemmendes Buch „Tiere essen“ geworfen, in dem der Autor schonungslos die Maschinerie der Massentierhaltung beschreibt, ohne ein einziges Mal mahnend den Zeigefinger zu heben. Nach der Lektüre ist einem der Fleischappetit erst mal vergangen. Bei der Veggie-World verhält es sich leider genau umgekehrt.“

    Ob nun Kunstfleisch die Alternative Nummer 1 werden wird, bleibt abzuwarten.

    Quellen: http://www.faz.net/aktuell/zurueck-aus-der-veggie-world-der-verzehr-von-joghurt-kann-toedlich-sein-11663159.html + http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.kunstfleisch-fleisch-aus-dem-reagenzglas.8b13db65-da66-4b0f-b02e-554860b257d3.html, Bilderquellen: wikimedia commons

    Zum Internetauftritt der "Veggie World" Messe

Kommentare

7 Kommentare
  • Nushats
    Nushats Danke, für den informativen Bericht ! Naja, ich bin ja auch Vegetarier und finde, dass man als Vegetarier auch keine Fleischersätze kaufen sollte. Außerdem glaub ich das die Erfindung des "Kunstfleisches" ein großer Aufwand...  mehr
    11. März 2012
  • Zerschmetterling
    Zerschmetterling "ES werden dem Tier einfach ein paar Muskelstammzellen entnommen und aus denen wird dann ein Gewebe zum Verzehr gezüchtet. Das Retortenfleisch soll in Bioreaktoren mit einer Wasser-Glukose-Lösung gezüchtet werden, .. Zellstimulation......  mehr
    12. März 2012
  • Puma
    Puma Als ich für ne Zeit vegetarisch gelebt habe,hat mein Vater mich auch gefragt,warum es vegetarische Frikadellen oder so was gibt.
    Aber ob der Fleischersatz wirklich der richtige Weg ist.Man spart zwar den Raum für die Tierhaltung.Aber es hör...  mehr
    7. April 2012
  • Marielle
    Marielle Fleisch aus dem Labor also...Aha! Klingt, naja eben wie Formfleisch der neuen Generation...
    8. April 2012