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Solarenergie - Ausbau stoppen statt fördern?

  • Die große Energiewende ist schon länger geplant, viel passiert ist bisher jedoch nicht. Eins ist sicher, damit bis 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz gehen können, muss im Bereich erneuerbare Energien deutlich etwas passieren. Was die Solarstrombranche angeht, ist in den letzten Tagen auch etwas geschehen, allerdings wohl nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. 

    Solarstrom wird in Deutschland recht stark gefördert. Momentan sieht es so aus, dass Anlagenbetreiber pro Kilowattstunde Sonnenstrom 24,43 Cent erhalten. Diese Förderung soll nun drastisch gekürzt werden. Es ist vorgesehen, dass die Fördersätze einmalig zwischen 20% für Hausanlagen und 30% für Solarparks gesenkt werden. Weitere monatliche Kürzungen von 0,15 Cent pro Kilowattstunde sind geplant. Auch soll nicht mehr die komplette Solarstromproduktion vergütet werden, sondern lediglich zwischen 85 und 90%. Gelten soll diese neue Regelung am besten schon ab dem 9. März, denn den Anlagenbetreibern wird eine gleichbleibende Vergütung für die ersten 20 Jahre garantiert und man will verhindern, dass sich alle im letzten Moment noch auf Solaranlagen zu alten Fördertarifen stürzen. 

    Hört man von dieser Planung, stellt man sich natürlich zunächst die Frage warum um alles in der Welt sich die Regierung so etwas ausdenkt, wo doch eigentlich geplant ist, Photovoltaik deutlich auszubauen und wir, wenn es um die Energiewende geht, auch auf die Solarbranche angewiesen sind. Warum soll der Ausbau gestoppt anstatt vorangetrieben werden? 

    Ganz grundlos wurden diese neuen Gesetze, die zurzeit heftig diskutiert werden, natürlich nicht entwickelt. Die Solarförderung finanzieren die Verbraucher nämlich mit, da die Kosten über den Strompreis automatisch auf sie umgelegt werden. Im Moment bedeutet das für einen Haushalt durchschnittlich etwa 70 Euro jährlich. Da aber immer mehr Photovoltaikanlagen gebaut werden, steigt auch dieser Preis stetig an, wohingegen die Herstellungskosten für die Anlagen immer weiter sinken. Der Anteil der Solarenergie an Deutschlands Ökostrommix beträgt zurzeit circa 20%, es werden jedoch über 50% der Fördergelder in diese Branche gesteckt. Gefördert werden allerdings nicht nur Unternehmer, die Anlagen aus Europa kauften, sondern auch die, die in billigere Produkte, beispielsweise aus China, investieren. Zudem treten immer mehr technische Schwierigkeiten auf, all den produzierten Solarstrom überhaupt ins Stromnet einzuspeisen. 

    Generell ist man sich eigentlich einig: Die Solarförderung muss wirklich gekürzt werden, jetzt kommt allerdings das große ABER: Nicht derart drastisch! 

    Sollten die neuen Gesetze zur Solarförderung tatsächlich in Kraft treten, rechnen einige mit einem kompletten Zusammenbruch der Nachfrage in der Photovoltaikbranche und somit mit einem heftigen Rückschlag, was die geplante Energiewende angeht. Umweltschützer betrachten diesen "Abschied vom Ausbau der Solarenergie" (Zitat Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland) äußerst kritisch. Die von der Kürzung der Förderbeiträge am heftigsten Betroffenen sind allerdings die Arbeiter in der Solarbranche. Man fürchtet einen Verlust von Zehntausenden von Arbeitsplätzen! Darum gehen die Solarunternehmer nun auch bundesweit auf die Straße um gegen das Vorhaben der Regierung zu demonstrieren. 

    Es sollte also nach einer Alternative für die drastischen Kürzungen gesucht werden. So schlägt zum Beispiel Christoph Erdmenger, ein Abgeordneter der Grünen, vor, dem Beispiel Italiens zu folgen und nur jene Anlagen zu fördern, die zu mindestens 60% in der EU gefertigt wurden, da so die heimische Industrie gefördert würde. 

    Quellen: 
    http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2996306
    http://www.br.de/franken/inhalt/aktuelles-aus-franken/frankensolar-protestaktion100.html
    http://www.dtoday.de/startseite/politik_artikel,-Regierung-praesentiert-Einigung-bei-Energiefragen-_arid,135135.html
    http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1329291174271&openMenu=1012902958319&calledPageId=1012902958319&listid=1018348861749
    http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/solardemo107.html
    http://www.augsburger-allgemeine.de/wirtschaft/Solarbranche-sieht-Foerderkuerzung-als-Frontalangriff-id18932181.html
    http://www.wwf.de/2012/februar/schwarz-gelbes-trauerspiel-in-sachen-energieeffizienz-und-photovoltaik/
    http://www.liberale.de/wcsite.php?wc_c=9390&wc_id=14923&wc_p=1

Kommentare

7 Kommentare
  • midori
    midori Hey Cookie,

    danke für den super Artikel! Da fühlt man sich ja bestens informiert! ;o)
    Ich finde es vor allem sehr verwirrend, dass die FDP einerseits die Kosten der privaten Haushalte senken will und dafür andererseits zulässt, dass ...  mehr
    25. Februar 2012
  • Cookie
    Cookie @Nivis: Den offiziellen Aktionstag haben wir wohl leider verpasst, der war am Donnerstag. Über weitere Demos in nächster Zeit konnte ich leider nichts finden, ich bin bloß auf eine Seite gestoßen, auf der man Protest-E-Cards an den B...  mehr
    25. Februar 2012
  • Peet
    Peet Im Endeffekt wurde mit diesem Bericht schon alles gesagt und die Diskussion ist teilweise überflüssig. ;) Aber einiges muss man auch mal erwähnen. So zum Beispiel die Begrenzung der Vergütung ausschließlich auf in Europa gefertig...  mehr
    27. Februar 2012
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    Cookie @Phoenix: Danke für den Hinweis, die Aktion morgen klingt echt interessant! Schade, dass Berlin soweit weg ist... Und das alles während der Schulzeit stattfindet, aber vielleicht hat ja doch jemand frei und hat Zeit, hinzugehen? Uns anderen blei...  mehr
    28. Februar 2012