Berichte

Nepal - Das Dach der Welt

  • Liebe Community, nach einer einwoechigen Trekkingtour bin ich zurueck in der Zivilisation. Hier mein Blog aus Nepal. Viel Spass!
    P.S. Werde sehr wahrscheinlich Mitte Februar in Thailand bei einem Field Visit im Tigergebiet dabei sein. Gerade an die Tiger-Fans unter euch: ich brauche eure Fragen fuer den WWF-Thailand!!! :)


    Das Dach der Welt

    Der Schaumstoff quillt aus dem aufgerissenen Sitz, die Fensterscheibe geht nicht zu, saemtliche Tacho-Anzeigen sind defekt und Anschnallgurte suche ich vergebens. Doch all' das interessiert unseren Taxifahrer, der meinen Guide Jagat Lama und mich vom Flughafen in Kathmandu in die Innenstadt faehrt, wenig. Sein wichtigstes Autoteil, die Hupe, funktioniert naemlich praechtig. Auf dem Weg ins Hotel der Hauptstadt Nepals erlebe ich, was in so vielen Reisefuehrern als ein Highlight des Landes beschrieben ist. Das Verkehrschaos in den fuer Autos voellig ungeeigneten, engen Strassen Kathmandus. Jeder ueberholt, haelt und parkt wo er gerade will, Verkehrsregeln scheint nicht zu exisatieren. Niemand betaetigt hier den Blinker; stattdessen kommt die Hupe fast fortlaufend zum Einsatz, einige LKW's haben gar eine Art Klingelton.

    Am naechsten Morgen geht es fuer Jagat und mich endlich los: mein Trek in den Himalaya beginnt. Zunaechst reisen wir in das vier Stunden entfernte Pokhara, Ausgangspunkt fuer die meisten Trekkingtouren in den Himalaya und daher eine Art Touristenhauptstadt in Nepal. Von dort geht auf die eigentliche Strecke, den Annapurna Sanctuary Trek. Wir durchlaufen die verschiedensten Landschaften und Klimazonen: tropischer Regen- sowie Babuswaelder mit einer entsprechend grossen Artenvielfalt (vor allem Vogelliebhaber kommen hier auf ihre Kosten) weichen schon bald Bergkieferwaeldern mit karger Vegetation. Am dritten Tag erreichen wir nicht nur Baum- und Schneegrenze, auch unserem eigentlichen Ziel, dem Basecamp des Annapurna auf 4130 Meter kommen wir, entlang des kristallklaren Gebirgsflusses Modi Khola, immer naeher. Auf dem Weg treffe ich Elisa, eine Studentin aus Darmstadt. Europaeer sind selten in der Nebensaison, stattdessen begegne ich zahlreichen Koreanern und Chinesen. Gemeinsam mit Jagat erreiche ich am Abend das Basecamp. Das Warten auf den Sonnenaufgang beginnt, die Nacht ist klirrend kalt. Minus 15 Grad zeigt das Thermometer sowohl draussen als auch in meinem Zimmer. Es gibt weder warmes Wasser noch Elektrizitaet, nur der Schlafsack bietet Schutz vor der Kalete. Der naechste Morgen entschaedigt allerdings fuer die Strapazen der letzten Tage; der Blick auf den 8091 Meter Annapurna sowie zahlreiche weitere 7000- und 8000 der bei Sonnenaufgang ist ueberwaeltigend.

    Auf dem Rueckweg entlang der Berghaenge halte ich immer wieder Ausschau nach dem Koenig der Berge; dem Schneeleopard. Kaum ein Saeugetier ist seltener und schwieriger zu beobachten als diese Grosskatze. Jagat hat letztes Jahr einen Leopard gesehen. Doch auch er weiss, dass solch eine Begegnung einem Jackpotgewinn gleichkommt.

    Ich halte vergeblich Ausschau nach einem Leopard und schon bald erreichen wir wieder tiefere Regionen. Lediglich zwei Tage dauert der Abstieg zurueck zum Ausgangspunkt des Treks, dem Bergdorf Nayapul auf 1100 Metern Hoehe.

    Auf dem Rueckweg nach Kathmandu fallen mir die Menschen auf der Stasse auf. Viele davon erscheinen mir sehr arm und ich spreche Jagat auf das Leben eines gewoehnlichen Nepalesen an. "Ich mag unsere Parteien nicht, alle Anfuehrer in Nepal sind korrupt und wirtschaften nur in die eigene Tasche", erzaehlt er mit ungewoehnlich starker Gestik. Seine Stimme wirkt bestimmt."Viele Menschen hier sind sehr arm, nur einige Wenige besitzen das ganze Geld, der Rest lebt von dem, was er auf dem eigenen Acker erwirtschaftet", meint er weiter. "Aber dennoch, ich liebe mein Land, ich wuerde es niemals verlassen", sagt er mir mit einem Laecheln im Gesicht. Und er hat Recht. Nepal ist ein beeindruckendes Land, das so Vieles auf kleinstem Raum in sich vereinigt; Die hoechsten Berge der Welt, eine vielfaeltige Flora und Fauna, das Miteinanderleben zweier Weltreligionen und nicht zuletzt das einfache und natuerliche Leben der Menschen haben mich in den vergangenen zehn Tagen in ihren Bann gezogen.

Kommentare

9 Kommentare
  • Babbuina
    Babbuina Ich beneide dich wirklich, gönne es dir aber vom ganzen Herzen. :-)
    Und ja Fotos wären wirklich toll. ^^
    Noch viel Spaß wünsch ich. :-)
    7. Februar 2012
  • Johannes11
    Johannes11 Hi Leute,
    erstmal DANKE fuer eure Kommentare und gleichzeitig sorry, dass ich erst heute antworten kann. So wie ich reise, hab ich halt nicht taeglich Internet zu Verfuegung... Ganz im Gegenteil ;).
    @ midori: Frage fuer Thailand ist notiert (treffe ich mi...  mehr
    13. Februar 2012
  • cappuccino
    cappuccino das klingt wirklich schön! lange wartezeiten werden von so tollen berichten locker aufgewogen :) liebe grüße!
    15. Februar 2012
  • Stoffie
    Stoffie wow super! echt beneidenswert was du da erlebt hast! :)

    hoffen wir das es den bewohnern nepals eines tages besser gehen wird ...
    17. Februar 2012